Im Rottweiler Jugend- und Versorgungsamt gibt es mindestens sieben Stellen zu wenig: Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Landratsamt.
Kein Wunschkonzert, sondern eine gesetzliche Notwendigkeit ist die Überprüfung, die im Jugend- und Versorgungsamt stattfand. Und sie hat das in Zeiten knapper Mittel befürchtete Ergebnis hervorgebracht: den Bedarf an einer erheblichen Stellenmehrung. Wo Defizite bestehen, und wie der Landkreis nun weiter verfahren will, wurde im Kreistag diskutiert.
Mit der Organisationsuntersuchung befasst war die INSO GmbH, die eine solche bereits in mehr als 100 Jugendämtern durchgeführt hat. Untersucht wurde, welche Aufgaben die Mitarbeiter erfüllen, und welche Zeitaufwände damit verbunden sind.
Mindestens sieben Stellen mehr
Das Ergebnis in Rottweil: Die Stellenanzahl sollte um 7, 2 aufgestockt werden. Nötige Erweiterungen betreffen vor allem den Allgemeinen Sozialen Dienst, der sich um Themen von der Adoption über die Eingliederungshilfe, Jugendhilfe und Jugendschutz bis zur Trennungs- und Scheidungsberatung kümmert, und den Pflegekinderdienst. Mehrbedarfe wurden in insgesamt 15 Sachgebieten festgestellt.
Eine Organisationsuntersuchung ende eigentlich immer mit einer Stellenmehrung, merkte CDU-Kreisrat Clemens Maurer an und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich das Defizit durch interne Änderungen regeln lasse.
Das Ergebnis sei kein fachliches Wunschkonzert, machte Bruno Hastrich von der INSO deutlich, es sei auch wirtschaftlich geprüft. Man habe sowohl Defizite im Leistungsangebot aufgedeckt als auch Aufwände, die schlichtweg unwirtschaftlich seien.
Nicht weiter „auf Verschleiß fahren“
„Irgendwie funktioniert’s, aber wir können nicht jahrelang auf Verschleiß fahren“, meinte Landrat Wolf-Rüdiger Michel zur bisherigen personellen Ausstattung. „Die ‚Schwächsten‘, die Kinder und Jugendlichen, dürfen nicht unter die Räder kommen.“ Mehr Stellen würden vielleicht auch deshalb nötig, weil der Gesetzgeber genauer hinschaue als noch vor 20 Jahren.
Im Bereich Unterhaltsvorschuss sei man bereits an der Grenze. Man brauche mehr Kapazität für Rückforderungen nach Unterhaltsvorschusszahlungen. Diese leistet das Amt für einen alleinerziehenden Elternteil, wenn der andere keinen oder nicht ausreichend Unterhalt zahlt, und fordert sie später von dem zum Unterhalt verpflichteten Elternteil zurück. Ein Mehr an Arbeitskraft werde also auch für mehr Rückforderungen sorgen, meinte der Landrat zu den wirtschaftlichen Auswirkungen.
Digitalisierung sind Grenzen gesetzt
Seinem Eindruck nach sei man im Jugendamt nicht gut aufgestellt, bekräftigte CDU-Kreisrat Johannes Sauter. Er wollte wissen, inwiefern zunehmende Digitalisierung für eine Zeitersparnis sorgen könnte.
Bei der digitalen Ausstattung sei im Jugend- und Versorgungsamt noch viel Luft nach oben, teilte Hastrich mit. Inwiefern eine solche helfen könne, sei im Vorfeld nicht abschätzbar. Landrat Michel gab zu bedenken, dass die Arbeit im Jugendamt eine aufsuchende und sorgende Tätigkeit sei. Da könne man Künstliche Intelligenz nicht einsetzen wie es etwa bei Themen wie Hundesteuerbescheiden möglich wäre.
Immer mehr Aufgaben zu erfüllen
Das größere Problem: Seit mehreren Jahren stelle man eine erhebliche Aufgabenerweiterung, vorgegeben durch den Bund, fest, so dass die Mitarbeiter immer mehr Leistungen erbringen müssten, erklärte Hastrich den nötigen Stellenaufwuchs.
FDP-Kreisrat Daniel Karrais wollte wissen, wie wahrscheinlich eine Besetzung der neuen Stellen überhaupt wäre angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels. Man müsse es versuchen, sonst bekomme man garantiert keinen, meinte der Landrat dazu. Erfahrungsgemäß helfe ein „vernünftiger Stellenplan“. Eine chronische Unterbesetzung schrecke erfahrungsgemäß ab.
Inwiefern letztlich aufgestockt wird, beschließt der Kreistag im weiteren Verlauf der Haushaltsplanberatungen bei der Feststellung des Stellenplans für 2026.