Die Stadt hat einen Aufenthaltsplatz für Suchtkranke beim Hauptbahnhof eingerichtet – trotz teils heftiger Debatten im Vorfeld. Trotzdem betont Revierleiter Ulrich Hildenbrand: Bestimmte „rote Linien“ sollen nicht überschritten werden dürfen.
In Freiburg ist auf einem Parkplatz beim Hauptbahnhof ein zweiter Platz für Drogensüchtige in Betrieb genommen worden, nachdem es am sogenannten „Pergolaplatz“ im Colombipark zu massiven Problemen für die Anwohner gekommen war. Auch der neue Platz ist im Vorfeld Gegenstand von hitzigen Debatten gewesen, da er in unmittelbarer Nähe zu Einrichtungen der Uni und einer Gewerbeschule liegt.
Einen Beteiligungsprozess habe es zwar nicht gegeben, so Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD). Das sei bei der Eile angesichts der Probleme im Colombipark auch gar nicht drin gewesen. Allerdings werde man mit dem Umfeld alle zwei Wochen eine Evaluierung der Situation vornehmen. Von Kirchbach hofft auf mehr Sachlichkeit in der Debatte um das Thema. Er habe zum Teil furchtbare Briefe bekommen, in denen Suchtkranke als „Ungeziefer“ bezeichnet worden seien. „Das hat mich sehr belastet, das nehme ich nicht hin“, so der Bürgermeister.
Suchtkranke zu verdrängen, sei keine Alternative, so Ulrich Hildenbrand, der Leiter des Reviers Nord in der Freiburger Innenstadt. Daher sei ein Aufenthaltsplatz wie nun am Bahnhof sinnvoll. Es gebe aber „Rote Linien“, die nicht überschritten werden dürften. So bleibe es verboten, hier mit Drogen zu dealen. „Und natürlich muss der Jugendschutz gewährt bleiben“, ergänzte Hildenbrand. Aufgabe der Polizei sei es, hier nun einen Balanceakt aus Kontrolle und Akzeptanz der Drogenszene zu finden. Wie die Szene sich entwickle, sei schwer zu sagen: „Vor vier, fünf Jahren war das eher sedierende Heroin angesagt, jetzt haben wir eine regelrechte Kokain Welle“, so Hildenbrand. Man könne nur mutmaßen, dass Crack und Fentanyl wie in den USA auch in Freiburg perspektivisch die nächste Drogenwelle beherrschen könnten.
Neuer Platz ist rund um die Uhr geöffnet
Die Signale aus der Szene, dass der neue Platz angenommen werde, seien jedenfalls vielversprechend. Man habe dafür gesorgt, dass die verschiedenen Nutzergruppen dort auf mehr als 600 Quadratmetern genug Platz haben, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, so der Leiter des städtischen Tiefbauamts (FuT), Frank Ueckermann. Einmal am Tag komme die Stadtreinigung vorbei. Und man habe einen Trinkwasserbrunnen mit angrenzendem Unisex-Klo eingerichtet. Der Platz werde, anders als der „Pergolaplatz“, rund um die Uhr von zwei Seiten zugänglich sein. Der Platz im Colombipark werde künftig abends um 20 Uhr geschlossen.
Mit den betroffenen Anrainern des neuen Platzes habe man bei einem Treffen vor einer Woche ein Notfallkonzept erörtert, falls es zu Konflikten mit den Nutzern des Platzes kommen sollte, so Boris Gourdial, Leiter des Ordnungsamtes in Freiburg. Selina Trinkner, Leiterin der Awo-Drogenhilfe Freiburg betonte zudem, dass die Präventions- und Beratungsangebote der Awo für Suchtkranke weiter bestünden. Der Aufenthaltsplatz sei für Menschen gedacht, deren Alltag sich einzig um den Konsum von Rauschgift drehe. Für diese Menschen sei so ein Platz auch als Rückzugsort lebenswichtig.