Der Horber Rico Hennel ist verzweifelt: Seit gut einem Jahr kämpft er mit dem Management von Katja Krasavice ("Bitch Bibel") um die Rückzahlung von 10.000 Euro Gage. Bisher vergeblich.
Horb - Katja Krasavice ist tatsächlich eine Berühmtheit: Schon zwei Mal landete sie mit einem Album auf Platz eins der Deutschen Charts ("Boss Bitch" 2020, "Eure Mami" 2021). Ihr Song "Sex Tape" auf Youtube hatte 37 Millionen Besuche, "Dicke Lippen" bringt es auf 20 Millionen Besuche, so ihre Homepage. Plattenvertrag bei Warner Music, ihr Buch "Bitch Bibel" landete im Juli 2020 auf der Spiegel-Bestsellerliste. Rico Hennel hatte also einen großen Kracher für seine "Crazy Hit Shit"-Party an Bord, die am 4. Juli 2020 auf dem Festplatz in Horb geplant war.
Festival-Kracher
Doch: Das Festival wurde abgesagt – wegen Corona. Alle Acts haben ihre Gage zurückgezahlt – nur die selbst ernannte "Schlampe" (englisch Bitch) nicht. Dabei sollte sie das locker in der "Portokasse" haben. Laut des Internet-Portals "Vermögen-Magazin" vom 3. Januar 2021 belief sich zu diesem Zeitpunkt das Vermögen des Stars auf vier Millionen Euro. 85 000 Euro soll Krasavice monatlich mit ihrem Youtube-Auftritt verdienen.
Veranstalter Hennel (19) ist verzweifelt: "Ich kämpfe um meine Zukunft - nicht nur in finanzieller Hinsicht." Denn: Hennel hatte die Veranstaltung auf eigenes Risiko gemacht. Für die 10 000 Euro Gage der bekannten Internet-Ikone für seine "Crazy Hit Shit-Party" extra einen Kredit aufgenommen. Jetzt kämpft er vor Gericht um sein Geld.
Unsere Zeitung berichtete im Mai 2020 das erste Mal über den Fall. Im Juni vergangenen Jahres auch das Internetportal Tag24 (Dresden) mit der Frage, warum das Geld nicht zurückgezahlt werde. Zitat: "Dieser Aussage widersprach Krasavice-Manager Drilon Cocaj telefonisch auf Tag24-Nachfrage. Nach seiner Darstellung würde sich ein Anwalt um die Rückzahlung kümmern. Warum dies bisher noch nicht geschah, kommentierte der Manager nicht. Weitere Fragen sollten per Mail geklärt werden, die Tag24 nach wenigen Minuten an die Adresse des Managers sendete. Als er antwortete, wollte er sich an das zuvor geführte Telefonat nicht mehr erinnern. Die angehängten Fragen blieben unbeantwortet."
Hennel: "Nach der Überweisung der Anzahlung, überschlug sich Katjas Manager Drilon vor Begeisterung und es vielen oftmals die Worte ›Bro‹." Doch als Rico das Geld zurück haben wollte – sagte Drilon "No": "Katjas Manager wollte unbedingt, dass ich die Veranstaltung auf ein Jahr später verschiebe. Aber für mich war klar: Zuerst einmal das Corona-Pandemie-Ende abwarten und dann sehen, ob es eine zweite Auflage der Veranstaltung gibt. Mehrmals habe ich den Manager Drilon angerufen oder geschrieben und um Rücküberweisung der Gagen-Anzahlung gebeten. Von ihm kam keine Antwort mehr. Gezwungenermaßen musste ich mir im Mai 2020 eine Anwältin nehmen, weil ich keine andere Möglichkeit mehr hatte die Gagen-Rückzahlung durchzusetzen. Meine Anwältin versuchte zuerst beim gegnerischen Anwalt eine außergerichtliche Einigung zu erwirken, doch dieser war von einer Gerichtsverhandlung nicht abzubringen." Eine Anfrage unserer Zeitung an den Manager blieb bisher unbeantwortet.
Der Streitpunkt zwischen Rico Hennel und dem Star: Das Management von Katja Krasavice (bürgerlicher Name der gebürtigen Tschechin: Katrin Vogelová) verweist auf den Vertrag. Bei einer Absage durch den Veranstalter dürfe die Künstlerin die Gage behalten. Der Horber argumentiert, dass er die Veranstaltung wegen Corona abgesagt hätte und das höhere Gewalt sei.
Gericht entscheidet
Der Horber: "Jetzt sind acht Monate vergangen, das Berliner Gericht meldet sich nicht." Gar nicht sexy findet der Horber das Verhalten der Chartstürmerin: "Mit 18 Jahren so eine Veranstaltung zu planen ist das eine – aber eine, mehr als erfolgreiche Künstlerin, wegen nicht geleisteter Arbeit verklagen zu müssen, zerrt nicht nur unheimlich an den Nerven, sondern bedeutet unweigerlich wahrscheinlich meinen finanziellen Ruin!" Das Veranstaltungsmanagement hat er weiter auf dem Schirm. Aber er sagt: "Solches Verhalten wie von Krasavice ist entmutigend. Aus der Branche höre ich immer mehr Fälle, deshalb sichern sich die Kollegen immer mehr ab."
Wie hart trifft Hennel der Gerichts-Nerv um das Geld? Der Jung-Veranstalter: "Jetzt hat uns das Landgericht Berlin zwei Wochen Frist gegeben, um Stellung zum Fall zu nehmen. Wann es einen Verhandlungstermin gibt, ist noch völlig unklar." Der Veranstalter hofft natürlich, dass er vor Gericht gewinnt. Aber: "Ich habe gerade meine Lehre als Kaufmann für Büromanagement im ›Quartier 77‹ fertig gemacht. Was ich jetzt mache, weiß ich noch nicht. Aber wenn ich Pech habe, muss ich den Kredit für die Gage abzahlen – insofern belastet das meine Zukunft."
Was Hennel besonders nervt: Krasavice scheint keine Künstlerin zu sein, die – wie viele andere – Finanz-Probleme durch den Lockdown hat. Der Horber: "Ich lese Presseberichte, in denen Katja Krasavice rund 8,5 Millionen Euro Umsatz mit ihrem neuen Album macht. Da frage ich mich dann, warum sie die 10 000 Euro nicht zurückbezahlt und sich stattdessen auf ein Gerichtsverfahren einlässt, dass mit ziemlicher Sicherheit nicht zu ihren Gunsten ausgeht?" Alle anderen Künstler, die Hennel gebucht hatte, haben dem jungen Horber ihre Gage zurücküberwiesen. Und die Corona-Hilfen haben ihm einen Großteil der sonstigen Vorlauf-Kosten ersetzt. Nur die bereits gezahlte Gage von Krasavice nicht. Hennel: "Weil die Chance besteht, dass das Geld noch reinkommt."