Péter Márki-Zay ist der Bürgermeister von Hódmezővásárhely. Foto: Kohalmi/AFP

Péter Márki-Zay, Bürgermeister von Hechingens ungarischer Partnerstadt Hódmezővásárhely, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Péter Márki-Zay ist Bürgermeister von Hódmezövásárhely, Hechingens Partnerstadt in der ungarischen Puszta.

 

Bei der Parlamentswahl 2022 forderte er als Spitzenkandidat der nationalen Opposition Viktor Orbán heraus, unterlag aber deutlich.

Wie steht er jetzt zum Machtwechsel in seinem Heimatland? Der 53-Jährige beantwortet Fragen unserer Redaktion.

Viktor Orbán wurde abgewählt. Wie bewerten Sie diese Nachricht, über die ganz Europa spricht?

Péter Márki-Zay: Ungarn ist aus einer „missbräuchlichen Beziehung“ ausgebrochen. Ich denke, Sie konnten – wie auch die ganze Welt – sehen, dass sich Ungarn befreit hat.

Wie hat Hódmezővásárhely gewählt?

Eindeutig für den Wandel. Hier in Hódmezövásárhely wurden wir – da ich offen gegen das Orbán-Regime aufgetreten bin – auf besondere Weise von der Macht bestraft. Auch unsere Stadt wollte dieses destruktive System Orbáns nicht mehr.

Und wie wurde das Wahlergebnis in Ihrer Stadt aufgenommen?

Wir haben die Wahlergebnisse auf dem Hauptplatz erwartet. Auf einer großen Leinwand verfolgten wir die Entwicklungen und waren glücklich. Auch ich habe das überwältigende Wahlergebnis mit großer Freude aufgenommen, genauso wie das ganze Land und die Menschen in Hódmezövásárhely. Mit dem Wahlsieger Péter Magyar habe ich in den frühen Morgenstunden telefoniert, ihm gratuliert, und er hat sich für all das bedankt, was ich – wie auch viele andere um unser Land besorgte Mitstreiter – zu diesem großartigen Ergebnis beigetragen habe.​

Péter Magyar ist ebenfalls ein konservativer Politiker, der früher zur Fidesz-Partei gehörte. Trauen Sie ihm einen echten Wechsel zu?

Péter Magyar ist ein kluger, entschlossener und ausdauernder Mann. Er hat sich stark zum Besseren verändert. Ich sehe nur in ihm eine echte Chance auf Wandel. Seine Aufgabe wird eine völlig neue und enorme Herausforderung sein, und er wie auch die neue ungarische Regierung werden große Herausforderungen bewältigen müssen. Die Wirtschaft, die öffentlichen Dienstleistungen und auch die gesellschaftliche Moral liegen in Trümmern. Diese Aufgabe erfordert große Weisheit und Demut von Péter Magyar, aber ich bin überzeugt, dass er ein guter Ministerpräsident für Ungarn sein wird, da er sich mit kompetenten Fachleuten und integren Persönlichkeiten umgibt.

Was bedeutet dieser Wandel in Ungarn für Europa?

Ich denke, ein zentraler Erfolgsfaktor wird die neue Außenpolitik Ungarns sein. Hier werden die Veränderungen schnell und sichtbar sein. Das Ziel ist es, die von Orbán zerstörten diplomatischen Beziehungen zu allen Partnern zu ordnen und nicht nur diplomatisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell neu aufzubauen. Die ungarischen Wahlen könnten zudem einen Prozess in Europa in Gang setzen, der vielerorts notwendig ist – besonders in der Slowakei unter Fico, in Tschechien oder in Serbien. Gleichzeitig sollte auch die polnische Regierung gestärkt werden, die ihre Arbeit gut macht.

Bei der letzten waren Sie selbst Spitzenkandidat der Opposition. War Ungarn damals noch nicht bereit für einen Wechsel?

Ja, im Jahr 2022 war die ungarische Gesellschaft noch nicht bereit für den Wandel. Die wirtschaftliche Lage war weniger schwierig, und die staatliche Propaganda wirkte stärker. Inzwischen jedoch hat die Gesellschaft genug von Kriegsrhetorik, von einer russlandfreundlichen Politik, vom luxuriösen Lebensstil der Machteliten und ihrer Oligarchen, vom sinkenden Lebensstandard, von der europaweit höchsten Inflation und natürlich von der hemmungslosen Korruption. Péter Magyar hat zunächst die ungarische Opposition grundlegend erneuert – was dringend notwendig war – und am Sonntag das gesamte politische Establishment abgelöst. Mit den alten Akteuren lässt sich keine neue Politik machen. Wir Ungarn wollen ein neues, europäisches Ungarn, in dem wir unter normalen Bedingungen leben können. Mit Orbán ist das nicht mehr möglich – das hat die ungarische Gesellschaft erkannt und entsprechend entschieden. Zugleich hat sie eine starke Botschaft in die Welt gesendet: Macht darf und muss ausgeübt werden, aber sie darf niemals missbraucht werden.