Sie strahlen vor dem Fahnenmeer vor Glück: Olympiasiegerin Aline Rotter-Focken und ihr stolzer Mann Jan Rotter. Foto: Kienzler

"Triberg gratuliert unserer Olympia-Gold-Gewinnerin Aline Rotter-Focken" steht auf den Bannern, die das Triberger Kurhaus beim ersten Empfang dieser Art schmücken. Mit einem großen Bahnhof hieß die Wasserfallstadt "ihre" erste Olympiasiegerin in ihrer Wahlheimat willkommen.

Raumschaft Triberg - Punkt 18.30 Uhr kam Aline Rotter-Focken zusammen mit ihrem Mann Jan Rotter im roten Porsche-Cabriolet am Triberger Kurhaus an. Dort warteten schon zahlreiche fahnenschwingende Fans und die Triberger Stadtmusik, die sie musikalisch willkommen hieß.

Moderator Jens Zimmermann begrüßte die Olympia-Siegerin auf dem Vorplatz, bevor es im Kurhaus weiterging. Dort herrschten strenge Corona-Regeln. Der Einlass war auf 350 Besucher limitiert. So viele waren es zunächst gar nicht, so dass Jens Zimmermann weitere Interessierte einlud, ins Kurhaus zu kommen.

Spitzenringerin plaudert aus dem Nähkästchen

Im Interview zwischen Zimmermann und Rotter-Focken, die bekanntlich die erste deutsche Frau ist, die Olympisches Gold für den Deutsche Ringerbund holte, plauderte sie aus dem Nähkästchen. Viel Feiern war in den vergangenen Tagen angesagt. Immer habe sie von diesem Erfolg geträumt, als den schönsten Nebeneffekt bezeichnete sie die Tatsache, dass ihr plötzlich wildfremde Menschen mit Tränen in den Augen gratulierten.

Für sie sei ja klar gewesen, dass sie in Tokio ihren letzten Wettkampf bestreiten würde, mit der Goldmedaille sei der Abschied vom Profisport nun umso schöner. Das Finale von Tokio habe sie nur einmal angeschaut. "Schön war es ja nicht, aber erfolgreich", resümierte sie. Davon konnten sich die Besucher selbst ein Bild machen, denn nach dem Interview zeigte man den Final-Kampf nochmals.

Bürgermeister Gallus Strobel freute sich sehr über den Erfolg, nicht zuletzt, weil es für Triberg ja auch eine tolle Werbung sei. "Aber", so stellte er klar, "der Sieg von Rotter-Focken ist eine immense Leistung und sehr verdient gewesen." Nach dem Eintrag ins Goldene Buch kam die Präsidentin des Landessportverbands, Elvira Menzer-Haasis ans Mikrofon. Sie würdigte den Sieg der Ringerin als historisch, gratulierte ihr und dem kompletten Team hinter der Sportlerin. Der Präsident des Deutschen Ringerbunds, Manfred Werner, bezeichnete die Laufbahn der Athletin als "bilderbuchhaft".

Auch Olympiasieger der Raumschaft gratulieren

Anschließend nahmen drei weiteren Olympiasieger der Raumschaft, Hans-Peter Pohl, Hansjörg Jäkle und Georg Hettich, Aline Rotter-Focken in den illustren Kreis der Goldmedaillen-Gewinner auf.

Auch einen Überraschungsgast hatte man eingeladen, und Focker-Rotter war ziemlich baff, als Ringerkollege Frank Stäbler, der in Tokio die Bronze-Medaille geholt hatte, auftauchte. Die Beiden verbinde, wie Aline verriet, seit Jahren eine gute Freundschaft, umso mehr freute sie sich über den Besuch.

Zum Abschluss bedankte sich die Olympia-Siegerin in einer emotionalen und am Ende doch tränenreichen Rede bei allen, die ihr in den 25 Jahren ihrer Ringer-Karriere zur Seite gestanden hatten.

Viele Mitarbeiter empfangen Kollegin

Bereits am Dienstagnachmittag wurde Aline Rotter-Focken bei ihrem Schonacher Arbeitgeber, der SBS-Feintechnik, der zugleich ihr Sponsor ist, empfangen. Triumphal war die Begrüßung. Sie wurde mit einem Meer aus Deutschland-Fahnen von Mitarbeitern der Burger Group empfangen. "Zum ersten Mal in der 165-jährigen Geschichte der Firma haben wir aus den Reihen unserer aktiven Mitarbeitenden eine Olympiasiegerin", erklärte Firmenchef Thomas Burger stolz.

"Es haut mich mega um, wie ich hier empfangen werde", sagte die Goldmedaillengewinnerin strahlend im Interview mit Hans-Peter Pohl, dem Goldmedaillengewinner mit dem Team in der Nordischen Kombination 1988 und ehemaligem SBS-Mitarbeiter.

Kurz erzählte Rotter-Focken auch über die etwas andere Siegerehrung, bei der sich zunächst die Bronzemedaillengewinnerin aus China ihre Goldmedaille geschnappt hatte. Das sei lustig gewesen. Sie habe jetzt noch ein paar Tage Urlaub, an denen sie viel Schlaf nachholen werde, dann aber freue sie sich, endlich wieder mit ihren Kollegen der Burger-Familie zusammenarbeiten zu können.

Untermalt wurde die kleine Zeremonie, bei der sie neben einem Blumenstrauß auch mit einer speziell für sie angefertigten Olympia-Torte überrascht wurde, von einem extra für sie geschriebenen Lied von Wolfgang Jachtmann aus Hüls – "Du hast Gold".