Der Donaueschinger Club Omega wurde nach aufwendigen Umbauarbeiten im Frühjahr 2025 eröffnet. Nun ist schon wieder Schluss: Die Betreiber haben aus finanziellen Gründen die Reißleine gezogen. Foto: Denise Kley

Warum der Club in Donaueschingen gescheitert ist und wie es nach der überraschenden Insolvenz weitergeht.

Das war ein kurzes Vergnügen: Im März 2025 öffnete der Club Omega seine Pforte für das feierwütige Partyvolk von der Baar. Der ehemalige Delta-Club wurde umgebaut, ein neues Konzept entwickelt, Details mit großer Sorgfalt gestaltet. Eine sechsstellige Summe floss in den Umbau.

 

Doch alles umsonst – ziemlich genau ein Jahr später ist schon wieder Schluss: Wie der Club am Mittwochabend, 4. März, auf seinem Instagram-Kanal schrieb, müsse man kurzerhand den Club schließen: „Wir mussten eine sehr schwere Entscheidung treffen. Mit sofortiger Wirkung stellt das Omega seinen Betrieb ein“, heißt es in dem Beitrag.

„Nach über einem Jahr der Höchstbelastung sind unsere finanziellen und Kraft-Reserven aufgebraucht. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“ Darunter finden sich dutzende traurige Kommentare: „Man will es nicht glauben, endlich war mal was los in Donaueschingen“, schreibt eine Instagram-Nutzerin.

Die Betreiber Urs Fischbach und Tobias Deusch hatten versucht, dem ehemaligen Traditionsclub Delta neues Leben einzuhauchen: als Treffpunkt für Nachtschwärmer und als Raum für alternative Veranstaltungen. Fischbach beschreibt sich und seine Mitstreiter als ehemalige Delta-Gänger. Für sie habe daher auch ein Stück Verantwortung in dem Projekt gelegen: die Erinnerung an einen prägenden Ort des Nachtlebens weiterzutragen und dieses Gefühl eines gemeinschaftlichen Treffpunkts auch für spätere Generationen zu bewahren. „Es war fast ein bisschen wie ein Baby“, sagt er. „Dieses Wohnzimmer-Gefühl wollten wir weitergeben.“ Gastronomische Erfahrung brachten die beiden aus dem „Wilden Michel“ bei Furtwangen mit.

Wirtschaftlich lief es nicht gut

Doch wirtschaftlich entwickelte sich das Vorhaben nicht wie erhofft. Vor allem die Wintermonate waren schwierig. „Der Januar und der Februar liefen beschissen“, sagt Urs Fischbach offen. Große Hoffnungen hatten die Betreiber in den Dezember gesetzt. Doch auch der Weihnachtsmonat blieb hinter ihren Erwartungen zurück. „Wir hatten gehofft, dass mit dem Frühling auch wieder mehr Optimismus und mehr Menschen kommen“, so Fischbach. Dem war nicht so.

Die Geschäftsführer des Donaueschinger Clubs Omega Urs Fischbach (links) und Tobi Deusch Foto: Hannah Schedler

Auch der Aufbau eines neuen Rufes habe Zeit gebraucht. In der Gastronomie sei es schwierig, sich schnell zu etablieren. Zwar habe sich der Umsatz Stück für Stück verbessert, doch am Ende habe er nicht zum Aufwand gepasst.

Neben den eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sieht Urs Fischbach auch strukturelle Veränderungen, die der Clubszene insgesamt zu schaffen machen. Die Inflation habe die Gastronomie spürbar belastet. Gleichzeitig habe sich das Ausgehverhalten verändert. „Die Generation von heute geht nicht mehr selbstverständlich jedes Wochenende in die Disco“, sagt Fischbach. Hinzu komme eine allgemeine Verunsicherung durch die politische Lage und Kriege in der Welt.

Keine tragfähige Perspektive

Wenn sich die Zahlen dauerhaft im roten Bereich bewegten und keine positive Zukunftsprognose mehr erkennbar sei, müsse ein Insolvenzantrag gestellt werden. „Wenn man das nicht tut, macht man sich strafbar.“ Deshalb trafen sich die Betreiber am Montag, 2. März, mit einem Insolvenzverwalter. Gemeinsam habe man sachlich und nüchtern auf die Zahlen geschaut. „Eine positive Zukunftsprognose – etwa durch starke Vorverkäufe für Veranstaltungen im März und April – war schlicht nicht da“, sagt Urs Fischbach.

Für ihn und sein Team ist das Ende des Clubs ein hochemotionaler Moment. „Natürlich sind wir traurig“, erklärt er. „Wir haben unglaublich viel Energie und auch viel Geld hineingesteckt.“ Gleichzeitig sei das Omega nie nur als Geschäftsmodell gedacht gewesen. „Es war ein Herzensprojekt.“

Wie geht es weiter?

Wie geht es nun weiter? Mit dem Insolvenzantrag liegt die Zukunft des Clubs in den Händen des Insolvenzverwalters. Auch die Frage, was mit gebuchten Künstlern geschieht, kann Fischbach nicht mehr beantworten. „Das ist nicht mehr in meinen Händen“, sagt er. „Ich bin nicht mehr Geschäftsführer.“ Ein möglicher Nachfolger könne sich im Grunde „in ein gemachtes Nest setzen“.

„Wir haben alles gegeben“

Besonders schwer falle ihm der Gedanke an die Mitarbeiter. Einige könnten möglicherweise im „Wilden Michel“ in Furtwangen eingesetzt werden – allerdings eher als Saisonkräfte.

Trotz allem wirkt Fischbach nicht verbittert. Mit etwas Abstand, sagt er, sei er im Reinen mit der Entscheidung. „Wir haben alles gegeben.“ Und er ist überzeugt: „Wir hätten es ein Leben lang bereut, wenn wir es nicht wenigstens versucht hätten.“ Noch einmal ein vergleichbares Projekt zu starten, könne er sich allerdings kaum vorstellen. „Wir haben unser Lehrgeld bezahlt.“

Aber nicht nur bei Club-Betreiber Urs Fischbach ist die Enttäuschung groß. Auch Theaterregisseurin Sabine Milbradt ist von der kurzfristigen Schließung sehr getroffen – war es doch geplant, dass ihre Theatergruppe am Mittwoch, 11. März, im Club Omega mit die Friedrich-Dürrenmatt-Stück "Die Physiker" auftritt. Erst vor sechs Wochen hatte sie den zusätzlichen Auftritt im Club Omega organisiert. „Ich wurde von der plötzlichen Schließungs-Bekanntgabe überrascht und bedauere das sehr“, so Milbradt. Das Gastspiel in Donaueschingen wird nun also nicht stattfinden.

Theater in Königsfeld

Eintrittskarten,
die im Vorverkauf für die Aufführung von Friedrich Dürrenmatts Stück „Die Physiker“ im Club Omega erstanden wurden, können beim Optikergeschäft Milbradt in der Karlstraße in Donaueschingen zurückgegeben werden, der Kaufpreis wird erstattet. Die Karten sind aber auch gültig für die Aufführungen von „Die Physiker“ in Königsfeld am Freitag, 6. März, um 19 Uhr oder am Samstag, 7. März, um 15 Uhr. Der Veranstaltungsort ist das Haus des Gastes im Kurpark, Sebastian-Kneipp-Weg 1, 78126 Königsfeld.