Gegen den Ärztemangel möchte Bürgermeister Matthias Winter in Kooperation mit dem SRH Krankenhaus und dessen Geschäftsführerin Blerta Muqaku vorgehen. Foto: Elena Baur

Der Ärztemangel ist seit Jahren ein Problem. Besonders an Kinderärzten mangelt es – auch in Oberndorf. Die Stadt möchte dies nun ändern. Das ist der Plan.

Die Notfallpraxis ist seit Ende Juni geschlossen, Kinderärzte werden seit einiger Zeit dringend gesucht – nun möchte die Stadt Oberndorf das Thema gemeinsam mit dem SRH Krankenhaus angehen. Zusammen mit Ärzten und Fachleuten soll ein Konzept entwickelt werden, um die medizinische Versorgung auch in Zukunft zu sichern.

 

Ein Ärztegespräch auch über die Stadtgrenzen Oberndorfs hinaus soll noch in diesem Jahr stattfinden, berichten Bürgermeister Matthias Winter und Blerta Muqaku, Geschäftsführerin des SRH Krankenhauses. Einen genauen Termin gibt es allerdings noch nicht.

Ziel ist es, Oberndorf und auch das SRH Krankenhaus attraktiv für Fachkräfte zu machen. Außerdem möchten Winter heraushören, was die Ärzteschaft in der Umgebung braucht, und wo sie unterstützt werden können. Und das frühzeitig. Derzeit würde die Versorgung noch ausreichen, und jeder Bürger habe die Chance auf adäquate medizinische Hilfe, meint der Bürgermeister. Aber man sei sich bewusst: „Was heute noch passt, passt morgen nicht mehr.“

Nicht erst im Engpass aktiv

Die Stadt dürfe nicht erst aktiv werden, wenn es zu einem Engpass komme. Wichtig sei Stadt und Krankenhaus, ein Netzwerk zu bilden mit den unterschiedlichen Akteuren im Gesundheitswesen und der Stadt Oberndorf. Gemeinsam sollen tragfähige Lösungen gesucht werden. „Medizin neu denken mit den Playern der Region“ sei das Ziel, so Muqaku.

Denn: Das Gesundheitssystem im Land habe ein Problem. Das könne die Stadt alleine aber nicht retten, und das sei auch nicht der Job der Kommunen, stellt Winter klar.

Viele Fachkräfte zieht es in die Städte

Die medizinische Versorgung sei „kein Selbstläufer mehr“. Das Akquirieren von Ärzten sei ein riesiges Problem. Viele Fachkräfte, vor allem junge, würden in die Städte gehen und in Ballungszentren arbeiten, weil sie sich davon mehr Weiterbildungsmöglichkeiten versprechen, so Muqaku. Auch die Schweiz sei nicht weit entfernt, gibt der Bürgermeister zu bedenken.

„Bei Kinderärzten und Frauenärzten ist es eine besondere Herausforderung, Leute zu finden“, erklärt Winter. Dazu komme, dass die Notfallpraxis geschlossen wurde, obwohl es in Oberndorf ein funktionierendes System gegeben hätte. Diese Entscheidung könne er bis heute nicht nachvollziehen.

Vorteile auf dem Land

Wichtig sei aber, dass die Notfallpraxis nicht mit der Notaufnahme verwechselt werde. Das seien zwei unterschiedliche Dinge. Die Notaufnahme und das Krankenhaus seien weiterhin 24 Stunden am Tag für die Menschen im Einsatz, betont Muqaku.

Manche sähen in der Arbeit in ländlichen Regionen aber auch die Vorteile: Gerade die familiäre Atmosphäre locke auch die eine oder andere Fachkraft nach Oberndorf, berichtet die Geschäftsführerin des SRH Krankenhauses. Die Absprachen seien kürzer, und Weiterbildungswünsche könnten schnell umgesetzt werden. Auch dass Patienten von Anfang an begleitet werden können, sei ein Vorteil.

Interessierte Fachkräfte würden von der Stadt so gut es geht unterstützt werden. „Geht nicht gibt’s nicht“, zeigt sich Winter optimistisch.

Derzeit seien die Stadt und das Krankenhaus mitten in der Planung des Ärztegesprächs. Es werde geschaut, welche Akteure eingeladen werden können. Vorstellbar sei auch ein Fachvortrag.