Knapp 48 Stunden nach dem gewaltsamen Tod einer 37-jährigen Psychotherapeutin in Offenburg hat die Polizei Details zu Tat, Opfer und Verdächtigem preisgegeben. Der mutmaßliche Täter war kein Unbekannter – weder für das Opfer, noch für die Polizei.
Polizeipräsident Jürgen Rieger, Kripo-Leiter Raoul Hackenjos und Leitende Oberstaatsanwältin Iris Janke traten am Donnerstagnachmittag gemeinsam vor die Presse.
Zwei Tage nach dem gewaltsamen Tod einer 37-jährigen Französin im Hinterhof ihres Arbeitsplatzes nahe der Unionrampe in Offenburg präsentierten sie die bisherigen Ermittlungsergebnisse – und bedrückende Details zum Opfer.
Demnach handelt es sich um eine verheiratete Mutter eines Kleinkindes, die zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger gewesen war.
Das Opfer war zum Tatzeitpunkt schwanger
Die Obduktion habe als Todesursache, durch Stichverletzungen verursachten massiven Blutverlust und Organversagen ergeben, erläuterte Oberstaatsanwältin Janke. Die Gerichtsmedizin habe an den Armen der Getöteten „leichte Abwehrverletzungen“ festgestellt.
Dem Tatverdächtigen wirft die Staatsanwaltschaft Mord vor. Der mutmaßliche Täter habe heimtückisch gehandelt, erklärte Janke. Er soll das nichts-ahnende Opfer im Dunkeln auf dem Heimweg von der Arbeit überrascht haben. Hinweise auf ein Sexual- oder Raubdelikt gebe es keine. Gegen den „dringend Tatverdächtigen“ sei mittlerweile Haftbefehl erlassen worden.
Laut der Oberstaatsanwältin schweigt der Mann, womit auch das Motiv noch im Dunkeln bleibt. Ein Sondereinsatzkommando hatte ihn am Mittwochnachmittag in seiner Wohnung im Offenburger Westen festgenommen. Zeugenaussagen und Videoaufnahmen hätten die Ermittler schnell auf die Spur zum Tatverdächtigen gebracht.
Bei dem mutmaßlichen Mörder handelt sich um einen 42-jährigen Deutschen mit „persönlich engen Bezügen zu Frankreich“, der einen großen Teil seines Lebens dort verbracht und seit einigen Jahren in der Ortenau gelebt habe. Der Mann war nicht nur bereits wegen Totschlags in Frankreich vorbestraft – er soll im Alter von 22 Jahren in Frankreich seinen Nachbarn getötet haben und saß dafür elf Jahre in Haft. Er war auch den deutschen Behörden als „psychisch auffällig“ bekannt.
Stadt bemühte sich um eine Einweisung – zweimal
Der Tatverdächtige befand sich laut Polizeipräsident Rieger in „rechtlicher und ambulanter Betreuung“. Zweimal – Ende 2023 und Mitte 2024 – hatte die Stadt Offenburg versucht, ihn aufgrund seines auffälligen Verhaltens zwangsweise in eine Psychiatrie einweisen zu lassen, beide Male hatten Gutachten die dazu nötige „Eigen- oder Fremdgefährdung“ nicht festgestellt.
Die Polizei sei daraufhin beauftragt worden, eine sogenannte Gefährderansprache vorzunehmen, berichtete Rieger. „Im persönlichen Gespräch haben wir ihm mitgeteilt, dass wir ihn im Blick haben.“ Mehr sei bei der geltenden Rechtslage nicht möglich gewesen. Auch die Polizei habe keine Hinweise auf eine akute Gefahr feststellen können. „So wie ich es derzeit einschätze, haben die Behörden alles getan“, so Rieger.
Dem Opfer begegnete der Tatverdächtige Ende 2023 in einer Offenburger Einrichtung, berichtete Oberstaatsanwältin Janke. Die 37-Jährige war dort seine behandelnde Psychotherapeutin. Bereits damals soll sich der 42-Jährige aggressiv gegenüber dem späteren Opfer verhalten haben. Nach den Stellenwechsel der Frau in die Praxis an der Offenburger Hauptstraße, vor deren Hinterausgang ihr Leben am Dienstag so grausam endete, habe sich „ein auffälliges Verhalten“ fortgesetzt, berichtete Janke.
60-köpfige Soko wertet weiter Spuren und Beweismittel aus
In dem Zusammenhang sei es im vergangenen Jahr zu einem erneuten Vorfall gekommen, „bei dem auch die Polizei einbezogen war“, so Hackenjos, ohne ins Detail zu gehen. „Nach gegenwärtigem Stand hat es danach keinen Kontakt mehr zwischen beiden gegeben.“ Das Gerücht, nach dem sich das Opfer am Abend der Tat bedroht gefühlt haben soll, wollte der Offenburger Kripo-Chef „zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen“ nicht bestätigen.
Die 60-köpfige Sonderkommission „Rampe“ sei nun weiter mit der Auswertung zahlreicher in der Wohnung des Tatverdächtigen sichergestellten Beweismitteln befasst. Was letztlich das „Tatwerkzeug“ gewesen sei, müsse erst die kriminaltechnische Untersuchung und der Abgleich mit dem Verletzungsmuster ergeben.
Die Kripo hatte noch am Dienstagabend eine Sonderkommission eingerichtet. Die Mitarbeiter der Soko „Rampe“ haben laut Kripo-Chef Raoul Hackenjos seither nahezu 100 Spuren bearbeitet, 50 Vernehmungen durchgeführt und sind mehr als 40 Hinweise aus der Bevölkerung nachgegangen. „Nach nur 21 Stunden einen Tatverdächtigen festzunehmen, ist ein gutes Signal für die Öffentlichkeit“, betonte Polizeipräsident Jürgen Rieger.