Nach dem Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen stellt sich auch in der Ortenau die Frage, wie gut Schließfächer gesichert sind – wir haben bei zwei Banken nachgefragt.
Dieser Einbruch war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Zeit in Deutschland: Ende Dezember bohrten Einbrecher in einer Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen ein Loch in den Tresorraum und plünderten dort zahlreiche Bankschließfächer. Schätzungen zufolge wurden Wertgegenstände im Wert von bis zu 100 Millionen Euro gestohlen, die Ermittlungen nach den Tätern laufen.
Und natürlich stellt sich auch in der Ortenau die Frage: Wie sicher sind Bankschließfächer eigentlich? „Nach den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen gab es vereinzelt Kundennachfragen“, sagt Klaus Fey, Pressesprecher der Sparkasse Offenburg/Ortenau. Aber: „Vermehrte Kündigungen von Schließfächern beobachten wir nicht.“
Sicherheitsmaßnahmen werden stetig überprüft
Fey betont, dass Schließfächer „eine sehr sichere Lösung für die Aufbewahrung von wichtigen Dokumenten und Wertgegenständen“ seien. „Die Verwahrung im Sparkassen-Schließfach ist deutlich sicherer als zuhause. Nicht nur mit Blick auf Diebstahl, sondern auch auf Risiken wie Brand- oder Wasserschäden“, so der Sparkassen-Sprecher. Die Sicherheit ist dabei ein Dauerthema. „Bauliche Maßnahmen, Technik und Abläufe werden in Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden kontinuierlich überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst“, erklärt Fey weiter.
Ein Restrisiko bleibt immer
Ähnlich äußert sich auch die Volksbank Lahr auf Anfrage unserer Redaktion. „Wie bei allen Banken kann ein Restrisiko nie ganz ausgeschlossen werden. Wir setzen jedoch auf höchste Sicherheitsstandards, um unsere Wertgelasse (Wertschutzräume und Tresore) bestmöglich zu schützen“, erklärt Banksprecherin Susanne Hauser.
Genutzt werden „umfangreiche elektronische und mechanische Sicherungseinrichtungen“. Die getroffenen Maßnahmen überprüfe man regelmäßig und passe diese bei Bedarf an neue Erkenntnisse an, so Hauser. Schon heute habe man in allen Wertgelassen „deutlich höhere Sicherheitsstufen installiert, als tatsächlich versicherungstechnisch vorgeschrieben“.
Versicherung der Schließfächer ein wichtiges Thema
Versicherung ist dabei ein gutes Stichwort. In Gelsenkirchen mehrten sich nach dem Raub die Berichte darüber, dass viele Sparkassen-Kunden den Inhalt ihrer Schließfächer nur standardmäßig bis 10 300 Euro versichert hatten. Allerdings: Der Wert des Inhalts lag Berichten zufolge in einigen Schließfächern deutlich darüber, teilweise im hohen sechsstelligen Bereich.
Wie ist die Lage bei den beiden beiden Banken in der Ortenau? „Bei unserer Sparkasse liegt der Versicherungsschutz bei 15 000 Euro pro Schließfach. Eine separate Schließfach oder Wertsachenversicherung kann sinnvoll sein“, erklärt Pressesprecher Fey. Die Dokumentation der verwahrten Wertgegenstände, „möglichst mit Kaufbelegen, Fotos oder Wertgutachten“, sei wichtig.
Wichtige Fragen bei der Versicherung zu klären
Denn weder die Versicherung noch die Sparkasse wisse, was im Schließfach gelagert wird (siehe Info). „Wer sehr hohe Werte lagert, sollte – wie bei jeder anderen Absicherung auch – Versicherungsgrenzen prüfen und gegebenenfalls anpassen“, rät Fey.
Auch die Volksbank Lahr bietet eine Erweiterung der Versicherung an. Es handelt sich dabei um eine „spezielle Schließfachversicherung bis zu einer maximalen Versicherungssumme von 500 000 Euro“, sagt Pressesprecherin Hauser. „Jeder kann aber auch eine Erweiterung der Hausratversicherung prüfen lassen. Wer keine eigene Versicherung abschließt, trägt das volle Risiko“, sagt sie.
Das sagt ein Haslacher Versicherungsexperte
Darauf weißt auch Carsten Backeler, Sprecher des Bezirksverbandes Südlicher Oberrhein im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), in einer Pressemitteilung hin. „Der Inhalt eines Bankschließfachs ist in Deutschland rechtlich nicht automatisch voll versichert“, sagt der Versicherungsfachmann mit Sitz in Haslach. Backeler und seine Kollegen raten deshalb dringend, bestehende Verträge zu prüfen, die tatsächlichen Werte realistisch zu dokumentieren und die Deckung an den individuellen Bedarf anzupassen.
Kosten und Inhalt
Was ist drin?
Über genaue Inhalte der Schließfächer können weder Sparkasse noch Volksbank Angaben machen. „Was in die Schließfächer gelegt wird, ist uns nicht bekannt“, so Volksbank-Sprecherin Susanne Hauser. Gleiches gilt bei der Sparkasse. Im Allgemeinen werden in Schließfächern oft Wertgegenstände wie Schmuck, Edelmetalle oder wichtige Dokumente aufbewahrt, „aber auch Erinnerungsstücke mit ideellem Wert, wie zum Beispiel Erbstücke oder besonders schützenswerte Unterlagen“, so Hauser.
Was kostet es?
Bei der Volksbank Lahr kosten Schließfächer – je nach Größe – zwischen etwa 45 Euro bis 250 Euro pro Jahr, bei der Sparkasse Offenburg/Ortenau zwischen 50 und 150 Euro.