Der Haslacher Verein Kaleb unterstützt Hilfsprojekte in Kambodscha. Unter anderem konnte das Mädchen Chinda am 1. November eine Ausbildung zur Sekretärin beginnen. Foto: Verein

Der Verein sammelte mehr als 700 000 Euro für humanitäre Projekte. Nun wird er aufgelöst, die Planungen für einen neue Gruppierung laufen aber schon,

Die Mitglieder des Vereins Kaleb – Hilfe für Kambodscha trafen sich am Dienstagabend im Gasthaus „Zum Ochsen“ in Haslach zu ihrer Hauptversammlung. Der Verein, der 2005 gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Spenden für dringend benötigte humanitäre Hilfe in Kambodscha zu sammeln.

 

Kambodscha liegt am Golf von Thailand zwischen Thailand, Laos und Vietnam und leidet bis heute unter den Folgen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer – einer maoistisch-nationalistischen Guerillabewegung, die von 1975 bis 1979 regierte. Damals wurden Städte entvölkert, Beamte, Lehrer und andere Mitglieder der örtlichen Elite verschleppt und ermordet. Unter diesem beispiellosen Autogenozid leidet das landschaftlich schöne Land noch heute. Genau hier setzt die Hilfe von Kaleb an: Mit gezielten Projekten will man dazu beitragen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Zu den Hilfsmaßnahmen gehören nicht nur die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sondern auch Unterstützung für Kinder, die Waisen sind oder unter häuslicher Gewalt leiden. Diese werden beispielsweise in der Wohngruppe in Phnom Penh untergebracht, dem Young Generation Community House. Daneben gibt es die Familienunterstützung, Patenschaften sowie das Hilfsund Entwicklungsprogramm. Ingrid Willmann, Projektbearbeiterin von „Your Life Matters“ (früher Kaleb Cambodia), berichtete von konkreten Beispielen: So konnten mit Spendengeldern „Freischneider“ angeschafft werden, die zwei Familien nutzen, um Gras auf Plantagen zu schneiden. Damit verdienen sie monatlich 100 bis 200 US-Dollar – ein wichtiger Schritt in Richtung Eigenständigkeit.

Auch persönliche Erfolgsgeschichten wurden vorgestellt: Das Mädchen Chinda, das in einer Wohngruppe Zuflucht fand, konnte ihren Schulabschluss machen. Zu Hause war sie Opfer häuslicher Gewalt durch den Stiefvater. Seit dem 1. November absolviert sie nun eine Ausbildung zur Sekretärin bei Don Bosco Cambodia. „Ein kleiner Erfolg – aber viele kleine Erfolge führen zu großen“, betonte Willmann. Der Kassenbericht zeigte, die 78 Mitglieder des Vereins sind sehr aktiv: Sie beteiligen sich regelmäßig am Haslacher Warentauschtag, verkaufen gespendeten Kuchen und Kaffee und spülen das Geschirr mangels Spülmaschine von Hand. Auch bei Hochzeiten arbeiten Mitglieder ehrenamtlich, um Geld für Kaleb zu sammeln. In den 20 Jahren seines Bestehens konnte der Verein so mehr als 700 000 Euro für Kambodscha bereitstellen. Die Bilder aus Kambodscha, die bei der Versammlung gezeigt wurden, machten deutlich: Die Hilfe kommt an, und die Menschen dort sind dankbar, dass sie nicht vergessen werden.

Termin der Auflösung

Wie in der Versammlung bekannt gegeben wurde, wird der Verein im kommenden Jahr aufgelöst. Allerdings läuft die Planung eines neuen Vereins durch Ingrid Willmann, der die Finanzierung der Projektarbeit weiterführen wird – besonders für die Jugendlichen, die ihre Bildung 2026 noch nicht abgeschlossen haben werden. Der genaue Termin für die außerordentliche Mitgliederversammlung steht noch nicht fest.