Hunderte von Menschen nahmen am Protest der Beleghebammen in Rottweil teil. (Archivfoto) Foto: Siegmeier

Hunderte von Menschen schlossen sich in Rottweil dem Protest der Beleghebammen an. Zur ihrer Situation und zur Zukunft der Geburtshilfe äußerte sich nun der Landrat.

Es war eine Aktion, die bundesweit Wellen geschlagen hat: Das Team der Rottweiler Beleghebammen hat aufgrund des neuen Hebammenhilfevertrags, der seit 1. November gilt, geschlossen gekündigt. Was bedeutet das nun für die Geburtshilfe im Kreis Rottweil? Und welchen Einfluss hat der Landkreis? Dazu äußerte sich nun Landrat Wolf-Rüdiger Michel.

 

In den vergangenen Monaten hatten die Beleghebammen landauf landab mit Protestaktionen auf die negativen Auswirkungen der Änderungen des Hebammenhilfevertrags aufmerksam gemacht. Der Vertrag regelt die Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Hebammen.

Einflussnahme wegen Tarifautonomie nicht möglich

Bei Verhandlungen über eine Erhöhung der Hebammenvergütung waren sich der Deutsche Hebammenverband (DHV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nicht einig geworden.

In der Folge gab es einen Schiedsspruch, mit dem sich die Beleghebammen finanziell schlechter gestellt sehen als vorher, rekapitulierte Landrat Michel im Kreistagsausschuss. Der GKV hingegen sehe die Hebammen im Unrecht.

Abgesehen von der Frage, die sich aufdränge – wie eine Interessensvertretung so einen Schlichtungsvertrag überhaupt unterschreiben könne – sei eine Einflussnahme durch den Landkreis auf die Thematik nicht möglich, machte Michel unter Verweis auf die Tarifautonomie deutlich. Es sei nun zu hoffen, dass sich die Tarifparteien doch noch aufeinander zubewegen. In Baden-Württemberg betrage der Anteil der Beleghebammen 31 Prozent, erklärte er zur Einordnung.

Zukunft der Geburtshilfe im Fokus

„In Rottweil wird in der Geburtshilfe exzellente Arbeit geleistet“, machte Gesundheitsamtsleiter Heinz-Joachim Adam deutlich. Bei den Hebammen gebe es drei Modelle: Beleghebammen, angestellte Hebammen und freiberuflich tätige Hebammen. Die Helios Klinik sei mit ihren Beleghebammen sehr zufrieden und habe allen ein Angestelltenverhältnis angeboten, bei Bedarf auch in Teilzeit. Ein Mischsystem sei jedoch nicht erwünscht.

Bis 31. März 2026 sei ein reibungsloser Betrieb nun noch gewährleistet. Zu diesem Datum hätten die Beleghebammen die Kündigung ausgesprochen.

Man gönne den Hebammen ein vernünftiges Auskommen, meinte der Landrat, für den Landkreis stehe aber im Fokus, dass die Geburtshilfe auch in Zukunft gesichert sei. Freie Hebammen würden ins neue Gesundheitsportal, das Informationen für Patienten bündeln und Anfang 2026 an den Start gehen soll, aufgenommen, erklärte Adam.