Das Zollernalb-Klinikum verspricht weiter eine verlässliche Notfallversorgung im Raum Albstadt. Der Rettungsdienst sieht indes auch Vorteile.
Seit die Klinikleitung die Öffentlichkeit am Rosenmontag über die Neustrukturierung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Zollernalb-Klinikum informiert hat, sind zahlreiche Bürger aus Albstadt und Umgebung über die Notfallversorgung besorgt. Auf Anfrage unserer Redaktion will die Klinik diese Sorgen ausräumen.
Um den Prozess der Neustrukturierung zu begleiten, sei eine interdisziplinäre Projektgruppe eingerichtet worden, die sich intensiv mit den notwendigen Veränderungen und Abläufen befasse und sich wöchentlich abstimme, heißt es von Klinik-Sprecherin Beate Fleiner. Die wesentliche Änderung in der Notfallversorgung bestehe demnach darin, dass bestimmte akut behandlungsbedürftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit Anfang März zeitlich neu organisiert sind. Konkret werden Patientinnen und Patienten mit akuten Herzproblemen weiterhin werktags zwischen 7.30 Uhr und 16 Uhr sowohl in Balingen als auch in Albstadt versorgt. Außerhalb dieser Zeiten, also ab 16 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen, erfolgt die Behandlung dieser speziellen Notfälle zentral über die Notaufnahme in Balingen.
Lediglich die Randzeiten betroffen
Sprich: Von der Neustrukturierung der Notfallversorgung am Zollernalb-Klinikum sind bei Herz-Kreislauf-Notfällen lediglich die Randzeiten betroffen. Die internistische Notfallversorgung bleibt am Standort Albstadt aufrechterhalten. Heißt: Patienten mit Schlaganfall (Stroke-Unit), Herzinfarkten sowie pneumologischen und altersmedizinischen Notfällen, werden jederzeit weiter im Albstädter Krankenhaus behandelt. Auf diese internistischen Notfälle sei der Klinikstandort Albstadt gar spezialisiert. Anders verhält es sich wiederum mit beispielsweise chirurgischen, gynäkologischen und kinderheilkundlichen Notfällen. Diese werden in Balingen behandelt, da dort die entsprechenden Fachabteilungen untergebracht sind.
Notaufnahme in Balingen soll personell stabilisiert werden
Bedeutet: So groß wie die Veränderungen in der ZNA des Zollernalb-Klinikums auf den ersten Blick scheinen, sind sie bei genauerer Betrachtung nicht. Dazu erläutert Klinik-Sprecherin Beate Fleiner, dass am Standort Albstadt weiterhin alle kardiologischen Behandlungen und Untersuchungen durchgeführt werden. Die aktuelle Anpassung betreffe demnach vor allem die zeitliche Bündelung bestimmter akuter Notfälle, um eine „durchgehend hohe Behandlungsqualität sicherzustellen“. „Darüber hinaus bleibt für die Patientinnen und Patienten alles wie gewohnt. Aktuell geht es intern vor allem darum, Abläufe und Strukturen weiter zu optimieren.“ Damit bleibe an beiden Standorten eine verlässliche und qualitativ hochwertige Versorgung für die Bevölkerung gewährleistet.
Beim Pressegespräch Mitte Februar hieß es von der Klinikleitung zudem, dass die Notaufnahme in Balingen personell stabilisiert werden soll. Angesprochen auf die Frage, ob Personal von Albstadt nach Balingen verlegt wird, antwortet Beate Fleiner: „Die personellen und strukturellen Ressourcen werden bedarfsgerecht angepasst, um eine leistungsfähige Versorgung sicherzustellen. Dabei werden alle notwendigen Maßnahmen geprüft und umgesetzt, um eine mögliche Überlastung der Notaufnahmen zu vermeiden.“
Nur noch eine Zielklinik
Dazu erfolge derzeit laufend die Abstimmung mit dem Rettungsdienst, der, so Fleiner weiter, überwiegend durch Notärzte aus dem Zollernalb-Klinikum besetzt ist. Der DRK-Kreisverband Zollernalb passt seine Organisation bezüglich des Rettungsdienstes entsprechend der Neustrukturierung der ZNA an: „Durch vermehrte Gebietsabdeckungen im Bereich Albstadt versuchen wir möglichst kurze Eintreffzeiten am Ereigniswort zu realisieren“, erläutert DRK-Kreisverbandssprecher Dietmar Dieter.
Dass es für den Rettungsdienst in Teilen nur noch eine Zielklinik gebe, mache die Situation im Notfall für den Rettungsdienst einfacher: „Liegt kein Schlaganfall oder ein neurologisches Krankheitsbild vor, fahren wir alle Patienten nach Balingen. Auch Personen mit multiplen Verletzungen transportieren wir nach Balingen.“ Insofern entfallen im günstigsten Fall zeitaufwendige Abklärungen, wohin der Patient gefahren werden soll, wie Dietmar Dieter informiert.
Auswirkungen im laufenden Betrieb abwarten
Der Malteser-Hilfsdienst, ebenfalls am Rettungsdienst im Zollernalbkreis beteiligt, will die Neustrukturierung der Notaufnahme am Zollernalb-Klinikum noch nicht final bewerten, sondern erst die Auswirkungen im laufenden Betrieb abwarten: „Wir beobachten die Veränderungen der Kliniklandschaft sowie des Rettungsdienstes im Zollernalbkreis weiterhin aufmerksam und in Teilen auch kritisch. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns keine Erkenntnisse darüber vor, in welchem Umfang sich die geplante Neustrukturierung der Zentralen Notaufnahme am Standort Balingen konkret auf die Abläufe und die Leistungsfähigkeit der Notfallrettung im Zollernalbkreis auswirken wird“, erklärt Thomas Linhart, der für die Pressearbeit bei den Maltesern in der Region Neckar-Alb zuständig ist.
Kritik in der Bürgerfragestunde
Notfallversorgung
Die Neustrukturierung der Zentralen Notaufnahme am Zollernalb-Klinikum hat in der Bürgerfragestunde des Albstädter Gemeinderats für Kritik gesorgt. Eine Bürgerin wollte wissen, warum kein Aufschrei des Widerstands durch das Gremium ob der jüngst getroffenen Entscheidung gehe. Nach der Schließung der KVBW-Notfallpraxis sei die Zentralisierung der ZNA in Balingen ein weiterer Schlag für die Notfallversorgung in Albstadt. Konkret von Oberbürgermeister Roland Tralmer wollte die Bürgerin wissen, wieso er die Entscheidung im Aufsichtsrat des Klinikums mitgetragen habe.
OB-Statement
Tralmer erklärte, dass er im Albstädter Gemeinderat lediglich als Oberbürgermeister und nicht als Aufsichtsrat antworten könne. In seiner Rolle als Aufsichtsrat sei er ohnehin in weiten Teilen zur Verschwiegenheit verpflichtet. Erneut betonte das Stadtoberhaupt, dass er die Entscheidung „nicht leichtfertig“ hingenommen habe. Wie bereits vor rund zwei Wochen in einer Ausschusssitzung des Gemeinderats sagte Tralmer, dass er nicht bereit sei, Risiken bei Entscheidungen einzugehen, die Menschenleben betreffen. Auch bezüglich des in Folge der Neustrukturierung entlassenen Leiters der Notaufnahme in Albstadt wiederholte Tralmer, dass er keine Zweifel an den medizinischen Fähigkeiten des Arztes habe. Nur hätten zu dessen Stellenportfolio auch Management-Aufgaben gehört.