Das Mobil für schadstoffhaltige Abfälle kommt im Landkreis seltener und an weniger Orten als früher vorbei. Derweil werden die Öffnungszeiten an einer stationären Stelle zur Entsorgung solcher Abfälle jetzt auch auf die Wintermonate erweitert. (Archivfoto) Foto: Daniela Schneider

Bisher gab es im Winter keine kommunale Entsorgungsmöglichkeit für schadstoffhaltige Abfälle aus Privathaushalten. Diese Lücke schließt man nun im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Den Eimer mit Farbresten entsorgen, den Kanister mit Altöl, der schon lange ein der Garage herumsteht, eine alte Spraydose oder einen nicht mehr funktionstüchtigen Feuerlöscher?

 

Das war im Landkreis auch in kleineren Ortschaften bis Ende 2024 relativ komfortabel über die regelmäßige mobile Schadstoffsammlung für Privathaushalte möglich. Die allerdings wurde dann eingedampft – auf weniger Standorte und auf jeweils nur noch einmal im Jahr.

Jetzt wiederum hat der Kreisausschuss für Umwelt und Technik etwas nachgesteuert. Denn wie sich zeigte, gab es vor allem in den Wintermonaten eine Lücke: In der Zeit von November bis Ende Februar gab es nämlich bis dato gar keine kommunale Entsorgungsmöglichkeit für schadstoffhaltige Abfälle privater Haushalte.

Das hat man nun geändert: An der Kompostanlage in Hüfingen („Wertstoffhof plus“) werden die Öffnungszeiten nämlich auch auf die Wintermonate ausgedehnt. Das sei „finanziell vertretbar“, hatte die Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage betont.

Sechs zusätzliche Termine

Das heißt: In Hüfingen findet die 14-tägliche stationäre Sammlung schadstoffhaltiger Abfälle auch noch zwischen November und März statt, mit einer Pause für rund drei Wochen über Weihnachten bis Dreikönig. Das sind dann sechs zusätzliche Sammeltermine zweiwöchentlich, den Landkreis kostet das laut Angebot des Entsorgers Remondis Industries rund 14 000 Euro brutto. Nach einer gewissen Zeit sollen die Erfahrungen ausgewertet und bei Bedarf nachgesteuert werden.

Jürgen Roth (CDU) berichtete, dass ein entsprechender Wunsch auf diese Ausweitung der Öffnungszeiten an die Kreisräte herangetragen worden sei. Dem „Servicegedanken in der kalten Jahreszeit“ entspreche man nun, wenn auch seine Fraktion mit der vorgeschlagenen Lösung „noch nicht ganz glücklich”sei. Ob jetzt zum Beispiel jemand „für drei Eimer Farbe“, die man noch rumstehen habe und schnell entsorgen wolle, von Schonach nach Hüfingen fahre – da habe er so seine Zweifel. Man habe „leider die Sorge, dass die Dinge anders entsorgt werden“, sprich zum Beispiel irgendwo im Wald landen. Diese Befürchtung teilte auch Petra Neubauer seitens der Grünen. Aktuell habe man aber auch keine bessere Lösung parat, so Roth.

Amtsleiter berichtet aus der Praxis

Martin Fetscher, Leiter des Abfallwirtschaftsamtes, entgegnete indessen: Trotz der bisherigen Entsorgungslücke im Winter habe es bislang deswegen keine nennenswerten, spürbaren „wilden Ablagerungen“ solcher Abfälle gegeben. Severin Graf (Freie Wähler) nannte das nun Vorgeschlagene „sinnvoll und verhältnismäßig“, und Jürgen Erndle (FDP) sprach von kostengünstigen Verbesserungen und einer „bürgerfreundlichen Lösung mit vertretbarem Aufwand“.

Vermeintliche Schadstoffe sind gar keine

Amtsleiter Fetscher gab außerdem noch zu bedenken: Die meisten Abfälle, die über die Schadstoffsammlung abgegeben werden, seien gar nicht wirklich Schadstoffe. Wassergebundene Farben, Lacke und ähnliches machen demnach drei Viertel der Abfallmengen in diesem Bereich aus. Allerdings müssten diese gar nicht unbedingt so entsorgt werden. Nimmt man nämlich den Deckel vom Eimer und lässt die Farbe austrocknen – also pastös oder fest werden – , kann man das Ganze im Hausmüll entsorgen. Nur wenn die Farbe noch flüssig ist, kann sie die Müllabfuhr nicht mitnehmen.

Die Vorgeschichte im Bereich Schadstoffsammlung

Vor 2025
Vor 2025 kam im Landkreis zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, ein Lastzug der beauftragten Entsorgungsfirma in alle Städte, Gemeinden und Ortsteile. Die Sammlung erstreckte sich jeweils über einen Zeitraum von rund drei Wochen. Zusätzlich gab es von Anfang April bis Mitte November an Freitagnachmittagen in der Zeit von 15 bis 17.30 Uhr im wöchentlichen Wechsel in Villingen am Parkplatz im Friedengrund und an der Kompostanlage („Wertstoffhof Plus“) in Hüfingen die Möglichkeit, Schadstoffe abzugeben.

Einsparungen
Dann hat der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik – um Kosten zu sparen – beschlossen, dass die mobile Schadstoffsammlung nur noch an Standorten mit einem Einzugsgebiet von mehr als circa 500 Einwohnern stattfinden soll und es in allen Teilorten nur noch einen Sammeltermin im Frühjahr geben soll, so dass die Herbsttermine wegfielen. Im Gegenzug wurden die Standzeiten an den Terminen „in den zentralen Kernorten bedarfsgerecht erweitert“, wie die Verwaltung zusammenfasst. In Villingen und Hüfingen konnte man Schadstoffe jetzt auch schon im März und nicht mehr nur im April abgeben. Die Änderungen, heißt es aus dem Kreishaus, hätten sich bewährt. Fest macht man das daran, dass „nennenswerte Reklamationen nicht zu verzeichnen“ gewesen seien. Auch seien, so Amtsleiter Martin Fetscher, nicht spürbar mehr „wilde Ablagerungen“ zum Beispiel im Wald zu verzeichnen gewesen. Eingespart wurde durch diese Veränderungen allerdings unterm Strich nichts, denn gleichzeitig stiegen die Preise für die Entsorgung merklich.