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Nach Kritik an Finanzsystem Wo steckt Jack Ma? Chinas mächtiger Milliardär verschwunden

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Seit Ende Oktober fehlt von Jack Ma, dem Gründer und CEO der Alibaba-Gruppe, jede Spur. Foto: Christophe Petit Tesson/EPA/dpa Foto: dpa

Peking - Als Jack Ma Ende Oktober auf einem Kongress in Shanghai auf die Bühne trat, ahnte er sicher noch nicht, dass es sein vorerst letzter öffentlicher Auftritt werden würde. Er warf den Banken des Landes eine "Pfandhausmentalität" vor - und verschwand.

Ma, einer der reichsten Männer Chinas und Gründer des Online-Handelsriesen Alibaba, zog gegen die nach seiner Sicht verkrusteten Strukturen des chinesischen Finanzsystems zu Felde.

"Gute Innovation hat keine Angst vor Regulierung, aber sie hat Angst vor veralteten Vorschriften", wurde Ma zitiert. Die Zukunft dürfe nicht "mit Methoden von gestern" reguliert werden, so Ma weiter. Seitdem ist er verschwunden.

Wie zuerst die britische "Financial Times" Ende Dezember berichtete, nahm Ma seit seinem Auftritt in Shanghai keine öffentlichen Termine mehr wahr. Obwohl seitdem zahlreiche internationale Medien das Verschwinden des einstigen chinesischen Vorzeigeunternehmers aufgriffen, gibt es weiter keine klaren Hinweise darauf, wo er stecken könnte.

Alibaba reagierte nicht auf Anfragen zu seinem Gründer. Auch in Chinas staatlich kontrollierten Medien gibt es keine Aufklärung über das Schicksal von Ma.

Zweifellos steht aber fest, dass der Milliardär und Alibaba ins Visier der chinesischen Regierung geraten sind. Das wurde schon unmittelbar nach seiner inbrünstigen Rede im Oktober deutlich. Nur Tage später stoppten die Regulatoren den für Anfang November geplanten Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group mit Verweis auf neue Regeln.

Es hätte der größte Börsengang aller Zeiten werden sollen. Auch an anderer Front geriet Alibaba ins Kreuzfeuer, das nun auch noch wegen unterstellter Monopolvergehen von der chinesischen Kartellbehörde untersucht wird.

Beobachter halten es für unrealistisch, dass Ma von den Sicherheitsbehörden festgehalten wird. Ein Szenario, das als wahrscheinlicher gilt, ist, dass dem Milliardär geraten wurde, sich erstmal selbst aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.

So berichtete der US-Sender CNBC unter Berufung auf einer mit der Angelegenheit vertrauten Person, dass sich Ma "vorerst zurückgezogen" habe. "Er hat seine Tür verschlossen und denkt über seine Fehler nach", meint auch der unabhängige Shanghaier Wirtschaftsforscher Liu Shengjun.

Dabei wäre Ma nicht der erste reiche Unternehmer, der in China von den Behörden festgesetzt wurde. 2015 hatte das Verschwinden des Milliardärs Guo Guangchang für große Aufregung gesorgt. Nutzer von sozialen Netzwerken hatten damals beobachtet, wie er am Flughafen von Shanghai von Polizisten abgeführt wurde. Er tauchte erst Tage später wieder auf. Sein Beteiligungskonzern Fosun gab damals an, dass der Milliardär der Polizei leidlich bei Ermittlungen geholfen habe.

Zwei Jahre später verschwand auf spektakuläre Art der Investmentmanager Xiao Jianhua. Er wurde aus dem Hongkonger Four Season Hotel entführt und von dort aufs chinesische Festland gebracht. Wegen Veruntreuungsvorwürfen gingen Teile von Xiaos Tomorrow Group in staatliche Hand über.

Erst im vergangenen März war auch der Immobilienunternehmer Ren Zhiqiang verschwunden, nachdem er Chinas Präsidenten Xi Jinping einen "Clown" genannt hatte. Ren wurde später zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Auch wenn Ma ein ähnliches Schicksal nach der Überzeugung chinesischer Experten nicht droht: Sein Lebenswerk Alibaba muss sich auf weitere schwere Monate einstellen. Peking will grundsätzlich gegen die immer größere Macht und die monopolistischen Geschäftspraktiken der chinesischen Internet-Giganten vorgehen, meint Beobachter Liu Shengjun, der von einem "Wendepunkt" für die Branche spricht.

Mit strengeren Regeln und einer ausgeweiteten Kontrolle werden die Konzerne in diesen Tagen daran erinnert, wer in China das Sagen hat. So scheint: An Branchenprimus Alibaba und seinem Gründer Ma wird ein Exempel statuiert.

© dpa-infocom, dpa:210113-99-04474/2

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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