Im vergangenen August ist die Ära des Kindergartens Wilhelmspflege in Schwenningen zu Ende gegangen. Doch wie geht's nun weiter mit dem Gebäude?
Es war am 1. August 2024, als die Wilhelmspflege zum letzten Mal ihre Türen für Kinder und Erzieher geöffnet hatte. Damit ist in Schwenningen eine fast 175-jährige Ära zu Ende gegangen. Die weitreichende Bedeutung des Kindergartens in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde war nicht zuletzt durch das Abschiedsfest, zu dem viele Wegbegleiter und Ehemalige gekommen waren, nochmals deutlich geworden.
Doch der Vollzug war absehbar, war das Gebäude bereits seit mehreren Jahren marode und zur Generalsanierung beziehungsweise zum Abriss verdammt. Die Suche nach einer Nachfolgelösung sollte sich als überaus schwierig gestalten – selbst wenn es immer wieder konkrete Pläne gab, etwa für den Neubau eines Familienzentrums mit Einbezug anderer Institutionen wie dem Kinderschutzbund.
Zähes Ringen mit dem Gemeinderat in diversen Gremiumssitzungen sowie vielfache Klärungsversuche mit der Stadt, die Eigentümer des Gebäudes ist, waren stets die Folge – und zu einer Realisierung ist es nie gekommen.
Die Reißleine gezogen
Vielmehr hatte die evangelische Kirchengemeinde Anfang vergangenen Jahres die Reißleine gezogen und beschlossen, den Kindergarten zu schließen – letztendlich aber nicht aufgrund jener schier ausweglosen Odyssee, sondern wegen des anhaltenden Personalmangels im Hinblick auf Erzieher. Zuletzt konnte nämlich nur noch eine Ü3-Gruppe betrieben werden, die mit Beginn des neuen Kindergartenjahres im Pauluskindergarten untergekommen ist.
Parallel dazu hat die Stadt als Träger den Neubau des Kindergartens in der Bürkstraße vorangetrieben, um neue Plätze zu generieren.
Gebäude steht leer
Seit den vergangenen Sommerferien steht das Gebäude links neben der Stadtkirche also leer. Nur noch Türschilder und gebastelte Fensterdeko erinnern daran, dass hier drin einmal Leben war. Und wie geht es jetzt mit der Immobilie und dem Grundstück weiter?
Schon seit Längerem ist der Parkplatz links daneben, der im vergangenen Jahr nicht fürs öffentliche Parken, sondern fürs Lagern von Material zum Ausbau von Breitband genutzt wurde, wieder freigeräumt, die Bäume im hinteren Bereich wurden gefällt. Für die Öffentlichkeit freigegeben wurde der Parkplatz allerdings immer noch nicht – vielmehr wird er derzeit von Baufahrzeugen der Firma Peter Gross Bau, die für den Neubau des Bürk-Kindergartens zuständig ist, als zusätzlicher Stellplatz genutzt.
Es tut sich etwas
Und auch rund um das Gebäude Wilhelmspflege passiert etwas: Die Spielgeräte, die von den Kindern regelmäßig genutzt wurden, sind inzwischen entfernt worden. Mehrere Bauzäune stehen auf dem Grundstück davor bereit, ebenso sind zwei Schuttberge aufgehäuft.
Was hat es damit auf sich? „Das Gebäude der Wilhelmspflege soll möglichst zeitnah abgerissen werden“, teilt Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt VS, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Und: „Wie das Gelände dann weiter genutzt werden kann, muss noch geprüft werden.“
Ursprünglich waren die Pläne dafür klar– sogar noch zu der Zeit, als das Ende des Kindergartens noch gar nicht konkret war: Wie der Gemeinderat im Herbst 2024 beschlossen hatte, sollte auf dem Grundstück ein Teil des neuen Museumsquartiers realisiert werden, nämlich ein Neubau, der im hinteren Bereich an das Heimatmuseum am Muslenplatz angrenzen sollte.
Keine Museumspläne mehr
Doch das Vorhaben wurde mit den neu aufgestellten Maßnahmen für die Schwenninger Innenstadt beziehungsweise fürs Rössle – alles im Sanierungsgebiet vereint – wieder verworfen: Die Pläne sehen mit Stand Herbst 2025 jetzt vor, die Schwenninger Museen im ehemaligen Einkaufscenter zu vereinen.
Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang jedoch: Im Katalog für diejenigen Maßnahmen, die in den folgenden Jahren umgesetzt werden sollen – neben dem Rössle-Neubau etwa der bereits vollzogene Abriss der Gebäude an der Schützenstraße, der Abriss des Verwaltungsgebäudes in der Bürkstraße oder der Verkauf des Heimatmuseums sowie der VHS –, ist die Wilhelmspflege gar nicht aufgelistet.