Starkregen sorgte dafür, dass in Mai und Juni teils wochenlang das Wasser auf den Feldern stand. Unser Foto zeigt ein Feld am Friesenheimer Ortseingang. Foto: Armbruster

Felder standen unter Wasser, Pflanzen gingen ein – der Dauerregen im Mai und Juni hatte Ortenauern Bauern übel mitgespielt. Der Kreis rechnet mit einem Schaden von rund 1,3 Millionen Euro. Vom Land gibt’s ein Hilfsprogramm.

In sgesamt 620 000 Euro sollen noch vor Jahresende an besonders stark betroffene Betriebe in der Ortenau ausgezahlt werden. Laut Dezernentin Diana Kohlmann, zuständig für den Ländlichen Raum, geht das Geld an rund 50 landwirtschaftliche Unternehmen, die jeweils einen Ausgleichsbetrag zwischen 3000 Euro und 40 000 Euro erhalten. Sie alle liegen über der vom Land geforderten Mindestschadenssumme.

 

„Die Gesamtschadenssumme beträgt auf Grundlage regionaler Richtsätze 1,3 Millionen Euro; je nach Vermarktung und Veredlung der Produkte kann der betriebliche Schaden höher liegen“, erklärt Kohlmann gegenüber unserer Redaktion.

Ihr Team hatte in den vergangenen zwei Monaten Gas gegeben, um in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wasserwirtschaft die zahlreichen Anträge zu bearbeiten. „Durch die Beratung am Amt für Landwirtschaft konnte die überwiegende Anzahl an Anträgen positiv beschieden werden“, betont die Dezernentin nun.

Landrat Erny lobt Arbeit der Verwaltung

Landrat Thorsten Erny lobt die flotte Bearbeitung der Hilfsantrage: „Dass die Hochwasserhilfen so schnell ausgezahlt werden können, zeigt, wie wichtig eine effiziente Verwaltung ist, gerade in Krisenzeiten. Mein Dank gilt den Teams, die dies ermöglicht haben.“

Rund ein Drittel der vom Land bewilligten Hochwasserhilfen fließen in den Ortenaukreis. „Der Ortenaukreis war besonders stark von den Hochwassern betroffen und hatte damit eine hohe Schadenssumme“, erläutert Kohlmann auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Schaden falle deswegen so hoch aus, da das Hochwasser in Folge der Starkniederschläge im Mai/Juni in den Überschwemmungsgebieten der Zuflüsse von Schutter, Kinzig, Rench und Acher in der Rheinebene erfolgte und sich dort aufgrund geringer Höhenunterschiede weit ausbreiten konnte. Auf den betroffenen Flächen staute sich teils über Wochen das Wasser.

Schäden im östlichen Landesteil fallen geringer aus

Im Ortenaukreis waren besonders Acker- und Grünlandflächen in den Überschwemmungsgebieten betroffen. Starkregen sowie ein hoher Grundwasserstand und Rheinpegel führten zu wochenlangen Überschwemmungen. Die Folge: vorzeitige Reifung von Getreide, verspätete Grünlandernte und starke Ernteeinbußen.

„Die Hochwasserschäden im Osten von Baden-Württemberg hatten eine kürzere Überflutung der unmittelbaren uferbegleitenden Flächen zur Folge“, erläutert die Dezernentin – dort entstand ein deutlich geringerer Schaden. „Das Hochwasser in der Ortenau glich einem Langstreckenlauf, das Hochwasser im Osten von Baden-Württemberg einem Sprint.“

Mais laut Bauernverband besonders betroffen

Der Badische Bauernverband BLHV begrüßt die finanzielle Unterstützung für die von Hochwasser betroffen Region ausdrücklich. „Unserer ersten Einschätzung nach sollten die bereitgestellten Mittel von 620 000 Euro grundsätzlich ausreichen“, erklärt BLHV-Sprecher Padraig Elsner auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Hochwasserereignisse haben demnach in verschiedenen Kulturen unterschiedlich stark gewütet: „Teilweise konnten Futtermittel aufgrund überfluteter Flächen nicht geerntet werden, während andere Bestände – insbesondere Mais – sprichwörtlich untergegangen sind“, konstatiert Elsner.

Schlechte Getreideernte

Der badische Bauernverband verzeichnete bereits im August eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Schuld war unter anderem der Dauerregen und das Wasser auf den Feldern. Im nördlichen Verbandsgebiet seien die Bestände teilweise buchstäblich „abgesoffen“ und bei Gerste und Raps gab 30 Prozent weniger Ertrag als in einem guten Jahr, hieß es in der Mitteilung des Bauernverbands. „Beim Weizen fallen die Ergebnisse nicht viel besser aus.“