Die baden-württembergische CDU fordert Sanktionen für Lehrer, die zu wenig leisten. Mehrere Akteure – darunter Lahrer Rektoren – lehnen Strafen als Lösung ab.“
Nicht nur Schüler müssen Leistungen erbringen und sich anstrengen – auch Lehrer tragen eine große Verantwortung. Die baden-württembergische CDU fordert nun in ihrem Regierungsprogramm, das der Parteitag unlängst in Heidelberg beschlossen hat, zu wenig Leistung bei Lehrern künftig stärker zu sanktionieren. Wer seinen Pflichten nicht nachkommt, sich zum Beispiel trotz der Fortbildungspflicht weigert, diese zu besuchen, soll demnach in Zukunft mit Konsequenzen rechnen müssen.
Die CDU fordert dabei, Schulleitungen mehr Mittel an die Hand zu geben, um „dauerhaft mangelnde Leistungsbereitschaft und Pflichtverletzungen zu adressieren“. Begonnen mit strukturiertem Feedback, verbindlichen Entwicklungsvereinbarungen, bis hin zu Sanktionen – die Umsetzung solle bei den Schulleitungen liegen. Gleichzeitig schlagen die Christdemokraten allerdings auch vor, die Schulleitungen in die Lage zu versetzen, engagierte oder gute Lehrkräfte zu belohnen. Was sagen die Lahrer Schulen zu dem Vorstoß? Unsere Redaktion hat bei zwei Rektoren nachgehakt.
Friedrichschule:Schulleiter Stephan Seizinger äußert sich im Gespräch mit unserer Redaktion kritisch: „Meine Lehrkräfte sind wirklich sehr engagiert. Die haben eine große Arbeitsbelastung und herausfordernde Schüler. Ich finde es nicht richtig, hier auf Disziplinarmaßnahmen zu setzen.“
Was Seizinger sich stattdessen wünsche, seien Konzepte für bessere Arbeitsbedingungen durch transparente Zusammenarbeit und mehr pädagogische Fachkräfte zur Unterstützung an den Schulen. „Ich selbst habe in meinem Arbeitsalltag bisher keine der von der CDU aufgeführten Maßnahmen zum Umgang mit leistungsschwachen Lehrern vermisst“, erzählt er. Die Arbeit seiner Kollegen sei herausfordernd, „besonders in Lahr“.
In seiner Rolle als Schulleiter vermisse Seizinger demnach eher die Möglichkeit, Anreize für besonders gute Arbeit seines Teams zu schaffen – was die CDU ja auch fordert. „Wir haben viele Projekte bei uns, wir sind Europaschule, im Erasmusprogramm und so viel mehr. Die Kollegen investieren da zusätzlich zum Unterricht ihre Zeit. Das würde ich gern über Entlastungsstunden entlohnen, aber das geht bisher nicht“. Seizinger findet, für schlechte Leistungen habe er bereits genügend Handlungsspielraum- für besonders Gute hingegen seien es zu wenig.
Max-Planck-Gymnasium: Die Idee, besonders engagierte Lehrer zu fördern, statt mangelnde Leistungen zu bestrafen, sagt auch Martin Ries, Schulleiter des Lahrer Max-Planck-Gymnasiums, zu. „Es wäre für die vielen Lehrer, die tolle Arbeit leisten, ungerecht, sie mit mehr Arbeit zu bestrafen, weil Einzelfälle das System ausnutzen“, betont er gegenüber unserer Redaktion. Auch er wünsche sich Anreize und Förderungen für besonderes Engagement.
„Wie soll man denn im ersten Schritt überhaupt nachweisen,dass jemand schuldhaft schlechte Arbeit macht?“, fragt sich Ries dagegen in Bezug auf die CDU-Forderung nach Instrumenten wie Sanktionen. Er habe derweil nicht das Gefühl, dass die Partei alle Lehrer „in einen Topf hauen will“, erklärt er. Es gehe um Einzelfälle, die in den Systemen nicht den Durchschnitt erreichen. „Es wäre nicht fair, das gesamte Kollegium unter Generalverdacht zu stellen“, betont der Rektor.
Landesweite Reaktion: In der landesweiten Debatte, die die baden-württembergische CDU mit dem Vorschlag zur Sanktionierung von Lehrern ausgelöst hat, meldeten sich zahlreiche Stimmen zu Wort. Stefan Fulst-Blei, bildungspolitischer Sprecher der Landes-SPD, forderte etwa statt Sanktionierungen bessere Arbeitsbedingungen sowie zusätzliche Stellen in der Schulpsychologie und die Finanzierung von Schulsozialarbeit.
Der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg bezeichnete die geplanten Maßnahmen als „vollkommen unangemessen.“ man dürfe Schulleitungen und Lehrer nicht gegeneinander ausspielen, sondern die Beschäftigungsbedingungen verbessern. „Die Lehrkräfte arbeiten seit Jahren am Limit und sind am Ende ihrer Kräfte. Ihnen nun auch noch mit Sanktionen zu drohen, ist gänzlich inakzeptabel“, äußerte sich VBE-Landeschef Gerhard Brand.
So reagiert die CDU
Nach der ersten Welle an Kritik an den Sanktionsforderungen kritisierte die CDU die Berichterstattung zum Thema. Die Partei äußerte, sie lege Wert auf eine differenzierte Debatte und wolle sich dem Klischee der „faulen Lehrer“ nicht bedienen. In der Landtagssitzung am Mittwoch beteuerte CDU-Bildungspolitiker Andreas Sturm, es gehe um Fairness, Engagement, Gleichbehandlung und Überlastung. Man fordere die Erfassung von Arbeitszeiten, um Ungleichgewichten entgegenzuwirken.