Nach dem verheerenden Feuer in der Villinger Innenstadt im vergangenen Jahr, kämpfen die Anwohner der Goldgrubengasse weiterhin mit Parkplatzmangel.
Im Juni des vergangenen Jahres ereignete sich in der Villinger Innenstadt ein Drama. In der Gerberstraße gab es einen verheerenden Brand, bei dem fünf Gebäude in Flammen standen. Viele Menschen standen unter Schock, verloren ihr Zuhause und mehrere Betriebe hatten um ihre wirtschaftliche Existenz zu bangen. Eine tragische Situation, deren Auswirkungen Villingen-Schwenningen noch heute belastet.
Vor allem die Goldgrubengasse im Villinger Stadtteil spürt noch heute die Folgen des Brandes. Anwohner Andre Schwanhäuser ist sauer und entsetzt: „Wir hatten 2021 noch acht Parkplätze für Anwohner. Nach dem Brand fielen drei weg, jetzt gibt es gar keine mehr. Und die Stadt hat uns kaum informiert“, sagt Schwanhäuser über das für ihn unerklärliche Verhalten der Stadt Villingen-Schwenningen.
Die Stadt schätzt die Lage jedoch ganz anders ein: „Über die verkehrlichen Einschränkungen durch die Straßensperrungen wurde mehrfach in der Presse sowie auf der Website und über die Social-Media-Kanäle der Stadt informiert. Das Thema war sehr präsent, so dass davon auszugehen ist, dass die Anwohner davon Kenntnis hatten – einschließlich der Auswirkungen wie dem Wegfall von Parkplätzen“, so die Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, Madlen Falke.
Ärger um den Anwohnerparkausweis
Trotz der fehlenden Parkmöglichkeiten wurden die Kosten für den Anwohnerparkausweis weder gesenkt noch erstattet. Schwanhäuser ist extrem verärgert über diese Situation: „Das geht gar nicht. Ich bezahle jährlich 120 Euro für meinen Anwohnerparkausweis, kann aber trotzdem nicht in meiner eigenen Straße parken. Jeden Tag – außer sonntags – muss ich ein Ticket ziehen, weil in der ganzen Stadt Parkgebühren fällig sind.“
Auf die scharfe Kritik des Anwohners reagiert die Pressestelle der Doppelstadt sachlich: Die Gebühren für den Anwohnerparkausweis hätten nichts mit der Nutzung der Straße als Parkmöglichkeit zu tun. Es sei eine Verwaltungsgebühr für die Ausstellung des Ausweises: „Die Nutzung der Parkplätze ist damit nicht verbunden.“
Die Stadt macht klar, dass die Parksituation in der Villinger Innenstadt „ein schwieriges Thema“ sei. Die Pressesprecherin der Doppelstadt gibt den Anwohnern jedoch einen kleinen Lichtblick: „Im November ist die stadtweite Auslastungserhebung für das Parkraumkonzept gestartet. Dafür sind mehrere städtische Fahrzeuge mit sogenannten Fleetscannern unterwegs, die die Parkraumnutzung im öffentlichen Raum automatisch erfassen und so wichtige Daten für die Weiterentwicklung des Konzepts liefern.“ In anderen Worten: Die Stadt versucht die Parksituation auf lange Sicht zu verbessern.
Falke macht zusätzlich noch deutlich, dass historisch gewachsene, enge Straßen und dicht bebautes Umfeld kaum Spielraum für neue Parkplätze lassen. Es wird festgestellt, dass selbst bei der Schaffung zusätzlicher Flächen nur eine begrenzte Entlastung erreicht werde.
Für die Innenstadtbewohner bedeutet das: Geduld und Kompromissbereitschaft sind weiterhin gefragt.
Nicht nur das Parken ist ein Problem
Die Parksituation in der Goldgrubengasse bleibt weiterhin angespannt. Für das Jahr 2026 hat die Stadt eine Lösung gefunden: „Die Anwohner der Goldgrubengasse dürfen mit einem Bewohnerparkausweis ausnahmsweise kostenlos in der Gerberstraße und am Kaiserring parken.“ Die Regelung gilt bis zum Ende der Bauarbeiten in der Schaffneigasse und danach wird es wieder Parkfläche für die Anwohner geben.
Doch die Unsicherheit bleibt, denn Schwanhäuser fragt sich frustriert: „Wann hat dieses Chaos endlich ein Ende?“ Die Pressestelle gibt bekannt, dass der Grund für den Wegfall der Parkplätze der Brand in der Gerberstraße sowie Sanierungsarbeiten in der Schaffneigasse seien. Die Sperrung dort ist bis zum 31. Oktober 2026 genehmigt. „Wie lange die Gerberstraße gesperrt bleibt, ist derzeit noch offen – solange sie voll gesperrt ist, können die Parkplätze nicht genutzt werden.“
Eins ist klar: Die Stadt weiß nicht, ob sich die Situation 2027 verbessern wird.
Schwanhäuser geht es längst nicht mehr nur um das Parken. „Wir müssen den Müll in eine andere Straße bringen. Da wir wieder von der Stadt nicht wirklich informiert wurden, stellen ihn manche trotzdem zu uns in die Straße. Das führt zu Chaos. Das geht gar nicht“, macht der 30-Jährige seinem Ärger Luft.
Die Änderungen bei der Müllabfuhr wurden nicht umfassend kommuniziert, da hierfür der Landkreis und speziell das Amt für Abfallwirtschaft zuständig sei, so die Stadt. Die Stadt sei in dieser Angelegenheit nicht direkt verantwortlich.
Die Lage in der Villinger Goldgrubengasse bleibt kritisch – eine schnelle Entlastung für die Anwohner ist derzeit nicht in Sicht.