Geht es nach dem Ettenheimer Gemeinderat gilt hier in der Otto-Stoeckler-Straße bald Tempo 30. Foto: Decoux

Die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Ettenheimer Otto-Stoeckler-Straße wird von der Ortsgruppe wohlwollend aufgenommen. Gründe dafür sind mehr Sicherheit und weniger Lärm für die Anwohner

„Wir begrüßen diesen Vorstoß zur Verkehrswende auf dieser auch für den Rad- und Fußverkehr wichtigen Verbindung“, heißt es in der Stellungnahme des Verkehrsclubs Deutschland, Ortsgruppe Ettenheim. Der Gemeinderat hatte am Dienstag nach langer Diskussion mit 15 zu 11 Stimmen für Tempo 30 auf der L 103 in Richtung Münchweier gestimmt.

Der Verkehrsclub ist sich sicher, dass die Anordnung von Tempo 30 die Wahrscheinlichkeit und Schwere von Unfällen signifikant gegenüber der Regelgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde verringert. Dabei nimmt der Club Bezug auf andere Städten.

Durch Tempo 30 fänden zudem die Radfahrer auf dem Schutzstreifen eine bessere Situation vor. Das „deutlich verbesserte Sicherheitsgefühl“ steigere die Attraktivität für den Radverkehr in Ettenheim und könne zur Entlastung vom Autoverkehr beitragen. Die Lage würde sich auch für die Fußgänger verbessern, da derzeit viele Radfahrer lieber den gemeinsamen Fuß- und Radweg in Richtung Westen nutzen würden als den Schutzstreifen auf der Straße.

Ein weiterer positiver Aspekt für den Verkehrsclub: die reduzierte Lärmbelastung. Das Umweltbundesamt (UBA) habe 2016 festgestellt, dass in den meisten untersuchten Fällen durch Tempo 30 der gemessene gemittelte Lärmpegel sinke und vor allem die für den Nachtschlaf kritischen Lärmspitzen in den frühen Morgenstunden deutlich abnähmen. Die gleiche Untersuchung habe eine leichte Abnahme der Emission von Luftschadstoffen festgestellt.

ÖPNV wird nicht zwingend unattraktiver

Der Verkehrsclub geht davon aus, dass es durch Tempo 30 eher keine Verlagerungseffekte in Wohngebiete geben wird. Die reduzierte Geschwindigkeit führe zu einem gleichmäßigeren Verkehrsfluss und mache das Fahren angenehmer. Außerdem seien derzeit die Wartezeiten an den Ampeln und kürzere Strecken die Hauptgründe für ein Ausweichen.

Auch zum ÖPNV äußerte sich der Verkehrsclub: „Die Einschätzung, dass das Tempolimit die Attraktivität des straßengebundenen ÖPNV reduziert, teilen wir nur bedingt“. Die Hauptkonkurrenz, der Pkw, werde im Verhältnis stärker in der Geschwindigkeit reduziert. Korrekt sei jedoch, dass die längeren Fahrzeiten entsprechend im Fahrplan berücksichtigt werden müssten, was auch wirtschaftliche Auswirkungen habe. „Solange jedoch keine Sprungkosten auftreten, weil Umläufe nicht mehr mit den vorhandenen Bussen und dem eingeplanten Personal umgesetzt werden können, dürften die Auswirkungen überschaubar sein“.

Als weitere Maßnahmen fordert der Club die Sperrung der Innenstadt für den Durchgangsverkehr. Damit würde die Hauptstraßenfunktion der L 103 trotz Geschwindigkeitsbeschränkung sicherstellt. Zudem soll die Stadt Ettenheim prüfen, welche Subventionen des Autoverkehrs abgestellt werden können. Zum Beispiel könnten ein guter ÖPNV oder Radverkehrsanlagen auch damit gegenfinanziert werden, dass in den davon profitierenden Bereichen Parkplätze nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt werden.