Nach dem erneuten Felssturz zwischen Oberndorf und Lindenhof bleiben zwei große Fragen: Wie konnte es erneut zum Steinschlag kommen? Und wie geht es nun weiter?
Sie scheint eine tickende Zeitbombe zu sein: die Felswand entlang der L 415 zwischen Oberndorf und Lindenhof. Nachdem bereits Ende 2024 ein großer Gesteinsbrocken auf die Straße stürzte und es nur dem Zufall zu verdanken war, dass niemand zu Schaden kam, hatte das Landratsamt umfassende Sicherungsmaßnahmen in Auftrag gegeben. Umso größer war der Schock, als im August erneut mehrere Felsstücke auf die Fahrbahn fielen.
500 Quadratmeter Vernetzung für rund 60 000 Euro wurden im Frühjahr am Hang entlang der L 415 angebracht – um künftige Steinschläge zu verhindern. Im März wurde die Spur, die erst aus Sicherheitsgründen und dann für die Maßnahmen gesperrt war, wieder freigegeben.
Nach starken Regenfällen dann die böse Überraschung: Am 21. August meldeten Autofahrer erneut mehrere offenbar herabgestürzte Felsbrocken auf der Fahrbahn – und das nicht weit entfernt von der Stelle, an der es 2024 zum Felssturz gekommen war.
Feuerwehr und Polizei rückten an, die Straßenmeisterei räumte das Geröll weg und sicherten die Stelle ab. Die rechte Fahrspur in Richtung Lindenhof wurde gesperrt und ein Prallschutzzaun errichtet.
Genaue Ursache unklar
Aber wie konnte es angesichts dessen, dass Experten den Fels untersucht hatten, dennoch erneut zum Steinschlag kommen? Wir fragen beim Rottweiler Landratsamt nach, das kurz nach dem Ereignis die starken Regenfälle als Ursache benannt hatte. „Die genauen Ursachen können derzeit nicht abschließend benannt werden“, erklärt Christine Banholzer, die Referentin des Landrats, nun auf unsere Nachfrage.
„Der betroffene Bereich war erst vor wenigen Monaten beräumt worden. Mit erneuten Felsabgängen bis zur ursprünglich im Folgejahr geplanten Vernetzung war nicht zu rechnen“, meint sie.
Ingenieure sind selbst überrascht
Von Anfang an sei ein renommiertes Ingenieurbüro mit der Felssicherung beauftragt gewesen. Auch dieses habe sich überrascht darüber gezeigt, dass sich nach so kurzer Zeit erneut Steine gelöst haben, so Banholzer. Eine vergleichbare Situation sei dem Ingenieurbüro bislang nicht bekannt gewesen.
Gleichwohl hatte das Landratsamt für kommendes Jahr eine weitere Vernetzung der Felswand geplant. Dieses Projekt wird nun vorgezogen. Vergeben sind die Arbeiten aber wohl noch nicht, wie wir auf Nachfrage beim Landratsamt erfahren.
Vergabe steht offenbar noch aus
„Das Unternehmen steht derzeit noch nicht fest“, so Banholzer. Zur Höhe der Kosten könne man zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls keine Aussagen treffen. „Der Landkreis wird die ausführende Firma im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg beauftragen“.
Demnach stehe auch ein genauer Zeitplan noch aus. Klar ist nur: „Die Vernetzung soll noch im laufenden Jahr durchgeführt werden.“ Zum Schutz der Verkehrsteilnehmer vor weiteren Felsabgängen müsse die Fahrspur so lange gesperrt bleiben.
Die Sperrung der rechten Fahrspur Richtung Lindenhof wird also wohl noch einige Wochen oder sogar Monate bestehen bleiben – und der Fels danach, wie die Behörden sicherlich hoffen, für lange Zeit nicht mehr für Aufsehen sorgen.