Telefonbetrüger bauen ein Lügenkonstrukt um das Opfer auf und halten es durch das Gespräch in diesem gefangen. Foto: Klose (Symbolfoto)

Eine 32-Jährige aus Wolfach fällt auf einen Anruf eines angeblichen Zahlungsdienstes herein. Die Polizei warnt: Betrüger nehmen nicht nur Senioren ins Visier.

Eine 32-Jährige Wolfacherin erhält einen besorgniserregenden Anruf: Der Vertreter eines Online-Zahlungsdienstes teilt ihr mit, dass auf ihrem Konto verdächtige Aktivitäten beobachtet wurden. Alarmiert gibt sie auf Anfrage sensible Daten preis. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Betrüger, der dank ihrer Daten Überweisungen auf Bankverbindungen im Ausland tätigen wird. Die Polizei berichtete in der vergangenen Woche in einer Mitteilung von diesem Fall.

 

Dass Senioren Opfer von Telefonbetrügern werden, ist den meisten bekannt. Jedoch sind sie nicht die Einzigen, die auf die Tricks hereinfallen, wie Wolfgang Kramer von der Polizei Offenburg auf Nachfrage unserer Redaktion betont. Der Fall der jungen Wolfacherin falle zwar nicht unter die klassische Anrufmasche, aber hinter dem Vorgehen stecke dieselbe Absicht – nämlich, an Geld oder Wertgegenstände zu gelangen.

Wie häufig werden jüngere Menschen Opfer von Telefonbetrügen?

Dazu gibt es keine Statistiken. Betrugstaten im Zusammenhang mit Anrufen erfasst die Polizei – genau wie andere Täuschungen – als sogenannte Schadensdelikte. Bei diesen ist im Gegensatz zu sogenannten Opferdelikten keine Auswertung zum Alter der Opfer möglich. Aus diesem Grund ist auch nicht bekannt, wie häufig ältere Personen auf einen Telefonbetrug hereinfallen.

Wie gehen die Täter bei Senioren vor?

Mit drei Maschen gehen Betrüger gezielt Senioren an: mit dem Enkeltrick, dem Schockanruf – oder indem sie sich als falsche Polizeibeamte ausgeben. „Der sogenannte Enkeltrick ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für Opfer oft existenzielle Folgen haben kann“, erklärt Kramer. Sie können dadurch hohe Geldbeträge verlieren und sogar um ihre Lebensersparnisse gebracht werden. Die Anrufer geben sich bei meist älteren und allein lebenden Personen als Verwandte, Enkel oder auch Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Bei einem Schockanruf täuscht der Anrufer eine Notsituation vor. Er behauptet beispielsweise, mit dem Opfer verwandt oder gut bekannt zu sein, und gibt vor, einen schweren oder tödlichen Unfall verursacht zu haben und nur durch eine Kaution verhindern zu können, in Haft zu gehen. Die erfundenen Geschichten werden dabei vielfältig angepasst, und die Betrüger reagieren flexibel auf die Lebensbedingungen der Betroffenen. Bei der dritten Masche versuchen als Polizeibeamte getarnte Betrüger, Opfer unter verschiedenen Vorwänden dazu zu bringen, Geld- und Wertgegenstände an einen Unbekannten zu übergeben, der sich ebenfalls als Polizist ausgibt. Dazu behaupten die Betrüger beispielsweise, dass Geld bei ihren Opfern zu Hause oder auf der Bank nicht mehr sicher seien.

Und wie werden jüngere Menschen am Telefon betrogen?

Eine spezielle Masche gibt es für diese Altersgruppe nicht. Neben Enkeltrick, Schockanrufen und den falschen Polizeibeamten, die vor allem Senioren als Zielgruppe haben, bedienen sich Täter weiterer Tricks, die auch bei Jüngeren greifen. So tun manche Betrüger so, als wären sie Bankmitarbeiter. So versuchen sie, Daten abzugreifen, um Transaktionen vorzunehmen. Manchmal geben sie sich als Microsoft-Mitarbeiter aus, die sich Zugang zum PC des Angerufenen erschleichen wollen, um dann an Daten zu kommen. Die Methoden sind vielfältig und zielen auf verschiedene Altersgruppen ab.

Mit welchen psychologischen Tricks arbeiten die Betrüger?

Die verschiedenen Betrugsmaschen zeichnen sich laut Kramer vor allem dadurch aus, dass die Anrufer auf einen Überrumpelungseffekt setzen. „Die Täter versuchen, Druck auf die Opfer aufzubauen – sei es durch einen persönlichen Schicksalsschlag, einen drohenden Vermögensverlust oder die Hilfsbedürftigkeit vermeintlicher Angehöriger. Bildlich geht es darum, ein Lügenkonstrukt um das Opfer zu bauen und es durch das Gespräch darin gefangen zu halten – bis die Bereitschaft vorhanden ist, Vermögensverfügungen vorzunehmen“, erklärt er.

Inwieweit benötigen die Täter dazu persönliche Informationen über das Opfer?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei den Straftaten zum Nachteil älterer Menschen werden die persönlichen Informationen im Telefonat in Erfahrung gebracht. Bei anderen Maschen kann dies ebenfalls der Fall sein. Manchmal kommt es aber auch vor, dass die Täter Informationen vorab durch gezielte Recherchen in öffentlich zugänglichen Quellen wie den sozialen Medien in Erfahrung gebracht haben. Ob dies bei jüngeren Opfern, die diese ja eher nutzen, häufiger vorkommt, ist nicht bekannt.

Wie hoch sind die Chancen, dass das Opfer den Schaden ersetzt bekommt und der Täter gefasst wird?

Gering. Oftmals nutzen die Täter alle möglichen technischen Möglichkeiten, zum Beispiel KI, um ihre Spuren zu verschleiern. Darüber hinaus agieren sie in vielen Fällen gezielt über Landesgrenzen hinweg. Vor diesem Hintergrund sind die Ermittlungen aufwendig und die Identifizierung der Hintermänner schwierig. „Leider führen unsere Ermittlungen häufig ins Ausland und können den Opfern das Geld nicht zurückbringen, sodass sie einen Totalverlust erleiden“, berichtet Kramer.

Das rät die Polizei

Telefonbetrug trifft nicht nur Senioren: Eine 32-Jährige aus Wolfach fällt auf einen Anruf eines angeblichen Zahlungsdienstes herein und gibt sensible Daten preis. Die Polizei warnt: Betrüger nehmen nicht nur Senioren ins Visier.