Zwölf Jahre lang hielten ICEs am Lahrer Bahnhof. Seit dieser Woche fallen die beiden Halte weg. Sehr zum Unmut der Verwaltung, die nun kämpfen möchte.
Der Wegfall der beiden ICE-Halte am Lahrer Bahnhof hat die Region geschockt. Auch die Verwaltung, machte OB Markus Ibert am Montagabend im Gemeinderat öffentlich, hat erst am 13. Oktober durch die Bahn davon erfahren. „Wir haben uns gefragt: Was ist das für ein Umgang? Wir sind äußerst verärgert“, so der OB weiter. Denn der einzige Zusatz zur Mitteilung sei gewesen, dass man über nur einen Umstieg in Offenburg weiter an den Fernverkehr angebunden sei.
Rückblick: Im Dezember 2013 wurde Lahr ans Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Von Montag bis Samstag gab es eine direkte Verbindung über Karlsruhe, Stuttgart und Ulm nach München. Der Zug in Richtung München fuhr zuletzt um 7.17 Uhr ab und kehrte um 20.39 Uhr wieder zurück. Diese beiden Halte wurden nun mit der Fahrplanänderung am 14. Dezember gestrichen.
„Es bedeutet für uns einen ganz klaren Nachteil in der Entwicklung“, machte Ibert deutlich. Gemeinsam mit der Stadt Offenburg, dem Ortenaukreis, der Wirtschaftsförderung Nectanet und der IHK hat Lahr sich bereits in einem Brandbrief an die Bahn gewandt, diese Halte zu belassen – erfolglos. Die Verwaltung schlug nun dem Gemeinderat vor, eine Resolution abzusegnen, die die Dringlichkeit der Lahrer Forderung unterstreichen soll.
„Lahr ist kein kleiner Ort“
„Wir werden demonstrieren, dass Lahr kein kleiner Ort mit 20 000 Einwohnern ist. Wir sind eine Nummer in der Ortenau. Wir wollen uns nicht so einfach abspeisen lassen“, begründete Bürgermeister Tilman Petters das Vorgehen. Er legte noch einige Argumente vor: Der ICE-Halt in Lahr sei auch der einzige in Europa-Park-Nähe, zudem habe man mit dem Ausbau der Rheintalbahn eine Großbaustelle vor sich, mit der Kapazitäten für die Bahn geschaffen werden. „Warum sollten wir dann Nachteile haben?“ Petters kündigte an, das Thema im Regionalverband anzuführen. Ziel sei, im Folgefahrplan bei den ICE-Halten wieder berücksichtigt zu werden.
Die Räte sprangen der Verwaltung zur Seite: Eberhard Roth (Freie Wähler) reagierte mit Unverständnis auf die Fahrplanänderung. Er erkenne „keinen Mehrwert“. „Wir halten es für wichtig, mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen“, so der Fraktionsvorsitzende. „Wir bedauern die Streichung. Aber der Zug ist wohl schon abgefahren“, bediente sich Sven Haller (AfD) nur wenig optimistisch eines sprachlich passenden Sprachbilds.
Die Abgeordneten im Bundestag sollen zurate gezogen werden
Ilona Rompel (CDU) kündigte an, den Bundestagsabgeordneten Yannick Bury zurate ziehen zu wollen. „Eine Entscheidung, die Lahr vom Fernverkehr abhängt, darf man nicht so klaglos hinnehmen“. Roland Hirsch (SPD) zögerte ein wenig. „Ich sehe die Gefahr, dass wir etwas hinterherrennen, das wir nicht aufhalten können. Ich habe große Zweifel, dass die Bahn die Änderungen wieder zurücknimmt“. Letztlich stimmte er aber auch der Resolution zu.
Dorothee Granderath, bekennende Bahnfahrerin, forderte für die Grünen eine „Gleichberechtigung“ im Land Baden-Württemberg. Die Süd-Badener seien benachteiligt, da sie keine direkte Verbindung in die Landeshauptstadt Stuttgart hätten, bemängelte sie. „Die Hände in den Schoß zu legen, bringt nichts“, forderte auch Jörg Uffelmann (FDP) zum Handeln auf.
Die Begründung der Bahn
Hintergrund für den Wegfall der ICE-Halte seien „bundesweite Angebotsoptimierungen“, so die Bahn auf Nachfrage unserer Redaktion im Oktober. Die ICE-Linien würden auf der bereits dicht belegten Strecke im Oberrheintal teilweise in neuen Zeitlagen und teils mit anderen Zwischenhalten fahren. Dies diene einem stabileren Fahrplan. Dazu müssten die beiden bisher in Lahr haltenden ICE-Züge zwischen Baden-Baden und Freiburg/Basel aber um rund zehn Minuten beschleunigt werden, „damit andere nachfragestarke Nah- und Fernverkehrszüge auch künftig angeboten werden können“.