Dreimal ist die Stadt Hechingen mit dem European Energy Award ausgezeichnet worden. Doch dieses Zertifikat gibt es nicht mehr. Jetzt will man bei einem neuen Modell mitmachen.
Darauf durfte sich die Stadt Hechingen durchaus etwas einbilden. Als einzige Kommune im Zollernalbkreis ist die Zollernstadt dreimal mit dem European Energy Award ausgezeichnet worden.
Beim ersten Mal, im Februar 2017, ist die damalige Bürgermeisterin Dorothea Bachmann selbst nach Friedrichshafen gefahren, um das Klimaschutz-Qualitätssiegel vom damaligen Umweltminister Franz Untersteller in Empfang zu nehmen. Zuletzt, 2025, als die Kriterien verschärft und der Fokus noch stärker auf Treibhausgasneutralität gelegt wurde, erreichte Hechingen gar den besten Platz unter den drei zertifizierten Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg.
Aus für European Energy Award
Freilich haben die Verschärfung der Anforderungen und der hohe bürokratische Aufwand des Zertifizierungsprozesses viele Kommunen abgeschreckt. Die Konsequenz: Ende 2025 kam bundesweit das Aus für den European Energy Award. In Baden-Württemberg hat man jedoch nicht aufgegeben und ein neues, einfacheres Instrument zur Begleitung kommunaler Klimaschutzprozesse gefunden: das Modell „Zukunftskommune“, entwickelt von Energieagenturen aus Karlsruhe und Oberschwaben.
Alle sind dafür – außer der AfD
Und genau dabei will jetzt auch die Stadt Hechingen mitmachen, um ihrer Pionierrolle auf dem Gebiet des Klimaschutzes weiterhin gerecht zu werden. Die Teilnahme beschließen soll der Gemeinderat in seiner Sitzung am 16. Juni. Empfohlen hat den Beitritt bereits der Arbeitskreis Natur, Umwelt, Klima in seiner jüngsten Sitzung. Alle Räte waren dafür, außer den beiden Vertretern der AfD, die sich der Stimme enthielten.
Die Beteiligung schmackhaft gemacht hat den Stadträten die Geschäftsführerin der Energieagentur Zollernalb GmbH. Linda Häni sagte: „Es ist sinnvoll, dass Sie auf Ihrem Weg bleiben.“ Der European Energy Award sei doch „recht bürokratisch und sperrig“ gewesen. Das Modell „Zukunftskommune“ sei viel schlanker und verfolge doch das gleiche Ziel: ein „Monitoring“ der kommunalen Klimaschutz-Aktivitäten. Der Ist-Zustand werde mit einem leicht verständlichen Ampelsystem erfasst und bewertet, um dann „Maßnahmen-Steckbriefe“ zu erstellen, die für sinnvoll erachteten Projekte auch umzusetzen und dann die Öffentlichkeit auf einer Ergebnis-Website darüber zu informieren.
Inhaltlich geht es um Strom, Wärme, Energieeffizienz, Mobilität, nachhaltiges Bauen und Klimawandelanpassung. Das sind Handlungsfelder, auf denen Hechingen in der Vergangenheit schon gut gepunktet hat, unter anderem mit seinem energiepolitischen Leuchtturmprojekt schlechthin, der überregional beachteten, klimaneutralen Energieversorgung für das Neubaugebiet „Killberg IV“, aber auch mit der kommunalen Energiedatenerfassung, mit der nachhaltigen Bewirtschaftung des Stadtwaldes oder der frühzeitigen Umsetzung des Lärmaktionsplanes auf dem Verkehrssektor. Aktuell könnte die vom Gemeinderat frisch verabschiedete kommunale Wärmeplanung dazu kommen.
Hahn: „Teilnahme notwendig“
Bürgermeister Philipp Hahn machte deutlich, dass er Hechingen gerne als Teil des „Zukunftskommune“-Prozesses sehen würde. Die Teilnahme sei „geboten und notwendig“. Der fachliche Austausch unter Kollegen über Themen des Energiemanagements sei immer ein Gewinn. Außerdem sei das Modell kostengünstiger als der European Energy Award. Dank einer Förderung durch das Land beschränke sich der städtische Eigenanteil anfangs auf 1800 Euro, um dann ab dem dritten Jahr auf 4380 Euro zu steigen. Betreut wird der Prozess von der Energieagentur Zollernalb.
Stengel: „So kompliziert“
Einen kritischen Blick auf den Prozess warf CDU-Stadtrat Ronny Stengel. Für ihn lautete die Schlussfolgerung: „Also, der Klimaschutz ist so kompliziert, dass die Kommunen selbst nicht mehr durchsteigen, sondern gemeinsam mit anderen Kommunen eine Agentur beauftragen müssen?“ Bürgermeister Hahn konterte: „Wir sind Gesellschafter der Energieagentur. Deshalb ist es sinnvoll, sie zurate zu ziehen. Ich halte das für effizient.“
SPD-Stadträtin Margit Simoneit wollte von der Geschäftsführerin wissen, welche konkreten Hilfestellungen die Energieagentur den Kommunen gebe, zum Beispiel wenn es in Hechingen darum gehe, die unterschiedlichen Heizungssysteme in den Schulen zukunftsfähig zu machen. „Auf jeden Fall“ berate die Energieagentur da gerne, ließ Linda Häni wissen.
Daten sind wiederverwertbar
Tobias Wieck (Bunte Liste) fragte, ob die vielen Daten, die für den European Energy Award gesammelt wurden, denn wiederverwertet werden können. Auch hier war das Signal ein positives. „Alle“, sagte Linda Häni. „Man steigt da ein, wo man gerade ist.“ Es sei nichts verloren und nichts umsonst gewesen.