Als „Zweifamilienhaus mit Potenzial“ wird das großzügige Anwesen im Unterkirnacher Panoramaweg angepriesen. Was in der Anzeige nicht deutlich wird: Dieses Haus hatte ein 62-Jähriger mit Waffen und Sprengstoff verteidigt. Nun steht es zum Verkauf.
Auf den ersten Blick dürften viele, die auf der Suche nach interessanten Immobilien sind, hellhörig werden: Ein großzügiges Haus in sonniger Lage in Unterkirnach inklusive dreier Garagen, Terrasse und Garten steht zum Verkauf. Doch es handelt sich um kein gewöhnliches Haus.
Denn das Objekt stand im Mittelpunkt des Polizeieinsatzes im Januar, als ein 62-Jähriger im Rahmen einer Zwangsvollstreckung damit gedroht hatte, das Haus in die Luft zu sprengen. Nach rund zwölf Stunden konnte der Nervenkrieg beendet werden.
Vater hatte das Haus gebaut
Das Zweifamilienhaus hatte der Vater des 62-Jährigen gebaut – insbesondere der ideelle Wert dürfte deshalb den Ausschlag gegeben haben, dass der Ex-Soldat bei der Verteidigung des zwangsversteigerten Grunds zum Äußersten bereit war. Mit Waffen und Sprengstoff in der Hinterhand sorgte er für eine Bedrohungslage.
Bereits vor zwei Jahren, so hatte unsere Redaktion erfahren, hatte das Haus mit einer Wohnfläche von 240 Quadratmetern im Rahmen einer Zwangsversteigerung den Besitzer gewechselt. Eine Immobilienfirma schlug zu, zeigte sich aber zunächst gnädig und ließ den Inhaber eines Computer- und Elektronikvertriebs dort noch ein Jahr wohnen. Nachdem eine einvernehmliche Lösung scheiterte, war die Zwangsvollstreckung in die Wege geleitet worden – diese mündete schließlich im Nervenkrieg.
Haus wurde zuvor komplett geräumt
Nachdem die Ermittlungsarbeit in dem Objekt beendet werden konnte, rückte Ende Februar ein Räumtrupp an, um das Haus zu räumen, welches nach Angaben der beauftragten Mitarbeiter „übel“ aussah. Die Polizei entdeckte auch eine getötete Katze. Der Räumdienst hat jedoch ganze Arbeit geleistet, wie anhand der im Immobilieninserat veröffentlichten Anzeige deutlich wird.
Alle drei Stockwerke werden zwar altmodisch aber besenrein präsentiert. In dem „repräsentativen Einfamilienhaus“ mit Einliegerwohnung finden die zukünftigen Eigentümer zehn Zimmer, zwei Bäder, zwei Gäste-WCs, zwei Küchen, eine Terrasse, eine Loggia und zahlreiche Abstell- sowie Speisekammern vor. Darüber hinaus kann der Dachboden ausgebaut werden.
Zum Haus (Baujahr 1970) gehören auf dem 1064 Quadratmeter großen Baugrundstück außerdem ein großer Garten, ein Geräteschuppen und drei Garagen.
Die Verkäufer machen aber ebenso deutlich: „Das Anwesen ist leider in der Vergangenheit etwas herunterwirtschaftet worden und daher besteht ein allgemeiner Renovierungsbedarf!“ Angesichts der Gesamtumstände rangiert der Kaufpreis – im Vergleich zu derzeit herrschenden Marktpreisen – eher im unteren Drittel. Verlangt werden rund 300 000 Euro.