Die Spargelsaison ist zu Ende und die Erzeuger zeigen sich zufrieden. Trotzdem blicken viele mit Sorge in die Zukunft – Grund ist die Erhöhung des Mindestlohns auf fast 15 Euro.
„Die Spargelsaison verlief in diesem Jahr unaufgeregt und ohne größere herausfordernde Vorkommnisse“, sagt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauern (VSSE). „Regionaler Spargel ist nach wie vor sehr gefragt, und wir freuen uns, dass der Handel und die Kunden die Qualität des heimischen Gemüses schätzen.“
Schumachers Einschätzung teilt auch Carmen Meier vom Ichenheimer Stockerhof: „Der Absatz sowie die Nachfrage nach Spargel waren groß. Von den Wetterbedingungen her war die Saison wirklich in Ordnung – ganz anders als im letzten Jahr, als es extrem viel geregnet hat und so die Bedingungen sehr erschwert waren“.
Die Verbraucherpreise zeigten sich laut Daten des VSSE derweil über weite Teile der Saison stabil. Trotz weiter steigender Produktionskosten gab es auch Phasen, in denen die Verbraucher weniger als in den beiden Vorjahren zahlen mussten.
Verbraucherpreise blieben 2024 relativ stabil
Der Spargel- und Erdbeerhof Hügel und Heitz in Altenheim gehört zu den größten Spargelproduzenten im Ortenaukreis. Rund 15 Saisonarbeitskräfte beschäftigt der Betrieb laut eigener Angaben jährlich auf einer Fläche von etwa zwölf Hektar. Hofbesitzer Harald Heitz betont gegenüber unserer Redaktion, dass die Preise in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben seien. Er versuche, sie auch in der kommenden Saison auf diesem Niveau zu halten. In diesem Jahr habe er neben vielen Kunden aus der Ortenau auch viele Elsässer gehabt.
Petra Bohrer vom Bohrerhof in Feldkirch, der sein Stangengemüse während der Saison auch in der Ortenau – etwa in der Lahrer Arena – verkauft hat, stimmt dem zu: „Wir hatten bei uns im Betrieb eine ähnliche Preisstruktur wie im letzten Jahr, teilweise sogar günstiger. Spargel wird oft als teures Luxusgemüse dargestellt, aber das stimmt nicht, denn es gibt viele Untersortierungen mit großer Preisspanne. Wenn jemand nicht viel Geld hat, kann er trotzdem ein paar Mal in der Saison Spargel essen und greift dann auf günstigere Sortierungen zurück.“
Laut VSSE nimmt der Trend, grünen Spargel anzubauen, langsam zu: „Seit zwei bis drei Jahren gibt es auch Betriebe, die nur eine dunkelgrüne Spargelvariante von Anfang Mai bis Ende Juni anbauen.“ Bislang gilt Deutschland – als eine Ausnahme in Europa – als typisches Bleichspargel-Land.
Trend zu grünem Spargel nimmt weiter zu
Petra Bohrer bestätigt, dass der Konsum grünen Spargels insgesamt steigt – und das ihr Betrieb sich darauf einstellt: „Wir selbst haben aktuell noch keinen Grünspargel, wir haben dieses Jahr die ersten Flächen bepflanzt. Das heißt, übernächstes Jahr werden wir in unserem Betrieb den ersten eigenen Grünspargel haben“.
Mit Sorge blicken Landwirte jedoch auf die anstehende Mindestlohnerhöhung 2026. Momentan liegt die gesetzliche Lohnuntergrenze bei 12,82 Euro pro Stunde. Am Freitag hat die Mindestlohnkommission verkündet, dass der Mindeslohn in zwei Stufen bis 2027 auf 14,60 Euro steigen soll. Anfang kommenden Jahres soll er bereits auf 13,90 Euro steigen.
Gerade beim Anbau arbeitsintensiver Kulturen wie Spargel und Erdbeeren spielt der Mindestlohn eine entscheidende Rolle für die Kostenstruktur, da hier noch viel Handarbeit erforderlich ist.
„Im Obst- und Gemüsebau gilt für ausländische Erntehelfer derselbe Mindestlohn wie für einheimische Arbeitskräfte, obwohl sie nur für wenige Monate in Deutschland tätig sind. Gleichzeitig stehen die Betriebe in Konkurrenz zu Importprodukten aus Ländern mit deutlich niedrigeren Lohnstandards. Daher wünscht sich die Branche eine Sonderregelung beim Mindestlohn speziell für Erntearbeiten“, erklärt Bohrer.
Immer wieder geben Betriebe Spargelanbau auf
VSSE-Sprecher Simon Schumacher befürchtet in der Konsequenz der Erhöhung einen weiteren Rückgang der Anbauflächen: „Auch in diesem Jahr mussten wir von weiteren Betriebsaufgaben oder Einstellung der Spargelproduktion in Höfen erfahren, da der Druck auf die Betriebsleiter, die Produktionskosten zu erwirtschaften, zu hoch geworden ist“.
Dennoch ist Bohrer der Meinung, dass es sich lohnt, Spargel anzubauen. „Wenn man genügend Erntehelfer hat und betrieblich gut aufgestellt ist – also auch in der Weiterverarbeitung wie Sortieren und Verpacken sowie maschinell gut ausgestattet –, dann ist Spargel ein Produkt, das sich aktuell noch rentiert.“
Anbaufläche schrumpft
Laut des VSSE ist die Zahl der Betriebe im Spargelanbau in Baden-Württemberg zwischen 2015 und 2024 deutlich zurückgegangen – um rund 29 Prozent, von 305 auf nur noch 216 Betriebe. Parallel dazu verringerte sich auch die Anbaufläche: Sie sank um etwa 24 Prozent, von 2764,5 Hektar auf 2111,7 Hektar. Im Ortenaukreis ist die Anbaufläche für Spargel auch zurückgegangen – von 65 Hektar 2016 auf 46 Hektar 2020. Damals gab es in der Region 13 Betriebe – einige haben seitdem geschlossen.