Ein Leser aus Hechingen kritisiert die hohen Friedhofsgebühren in Haigerloch. Foto: SB

Aus Anlass der Gebührenerhöhungen in Haigerloch erklärt ein Leser, warum er soziale Unruhe befürchtet.

Solidarität? Gedächtnis?

 

Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben ganz bewusst in dessen ersten Paragraphen geschrieben, dass „die Würde des Menschen unantastbar ist“, weil sie im Nazireich erlebt haben, wie man mit Menschen umgegangen ist. Sie haben dem ein radikal anderes Menschenbild, stark orientiert auf christlichen Werten entgegengesetzt. Leider ist dieses Fundament unseres Staates heutzutage vielen Politikern nicht mehr im Gedächtnis. Andernfalls würden sie alles dafür tun, dass die Menschen hierzulande in Würde sich begraben lassen könnten.

Stattdessen schrauben sie an der Gebührenspirale, wo es nur geht. Ein nicht zu vergessendes und jüngstes weiteres drastisches Beispiel ist die Erhöhung der Grundsteuer, vor allem für Wohnhäuser um bis das Dreifache. Dass mit ihrer jährlichen Zahlung die Menschen mit ihrer begrenzten Rente und im wachsenden Alter sukzessive aus ihrem eigenen Heim gedrängt werden, daran scheinen sie gar nicht zu denken.

„Soziale Unruhen sind zudem vorprogrammiert“

Übrigens wohin? – ins Heim, wo die Beitrags-Kosten für die Steuer zahlende Allgemeinheit ständig noch höher werden, und die Krankenkassen zusammenzubrechen drohen. Wer von diesen Ausgewählten denkt eigentlich mal daran, dass sie sich von ihrem eigenen Verdienst bei der fälligen Rentenreform beteiligen?! Und wenn’s bei wenigstens 10.000 Euro pro Monat nur 500 Euro sind, oder bei daraus folgender Pensionszahlung von bis zu zirka 5000 Euro – im Gegensatz zu einer Durchschnitts-Rente von 1620 Euro brutto (Stand 2023) – ein Klacks.

Immer mehr Beamte und Selbstständige würden sich schon längst aus Solidaritätsgründen daran beteiligen. Soziale Unruhen sind zudem vorprogrammiert. Wer von anderen fordert, kann und muss mit eigenem gutem Beispiel vorangehen, um zu überzeugen. Immer wieder wendet man sich mit Schrecken ab, welch Perfektionismus Kommunen und Landes- wie Regierungsbehörden beim Bau und der Einrichtung ihrer eigenen Gebäude pflegen. Und sich damit nur noch mehr verschulden! Da es nicht von ihnen selbst erarbeitetes Geld ist, verlieren sie zunehmend das Gefühl dafür, in welchem Umfang sie es ausgeben.

Friedhof als Ort der Erinnerung „geht verloren“

Das noch viel Schlimmere an dem Umstand der ständig steigenden Grabgebühren auf immer leerer werdenden Friedhöfen landauf landab ist jedoch, dass damit sukzessive eine ganz wichtige Erinnerungskultur und -möglichkeit für jeden Ort verloren geht. Das Gedächtnis an die und der Bürgerschaft geht verloren – und damit die Würde vor jedem im Ort bis zum Lebensende wohnhaften Menschen. Und ich glaube, dass viele Menschen die Friedhöfe, wie bei ihren Gräbern auch, weitgehend selbst praktisch pflegen und in Ordnung halten würden.

Michael Hakenmüller, Hechingen

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