Die drohende Schließung des Turnerheims in Oberndorf wegen explodierender Energiepreise hat hohe Wellen geschlagen. Seitdem ist einiges in Bewegung gekommen. Hat man inzwischen eine Lösung gefunden?
Oberndorf - Ein um rund 900 Prozent höheres Angebot für die Energielieferung mit Mehrkosten in Höhe von fast 24 000 Euro? Da einzuwilligen, komme einem Missbrauch der Mitgliedsbeiträge gleich, da mache er nicht mit, hatte Marcus Lutz, der Vorsitzende des Turnvereins Oberndorf, sich im Oktober in einem Artikel im Schwarzwälder Boten Luft gemacht und alle Hebel in Gang gesetzt, um Unterstützer zu mobilisieren.
Der TVO – mit 863 Mitgliedern nach der Narrenzunft der größte Oberndorfer Verein – ist Besitzer des Turnerheims. Verpachtet ist es an die Familie Papadopoulos. Seit 15 Jahren wird die Gaststätte mit Gas versorgt. Angesichts der explodierenden Energiekosten hatte Lutz eine mögliche Schließung der Gaststätte in den Raum gestellt.
Reaktionen auf Lutz’ Vorstoß
Was ist seitdem passiert? Reaktionen auf die Berichterstattung gab es laut Marcus Lutz viele von ganz verschiedenen Seiten. Ein Leserbrief-Schreiber hatte kritisiert, dass der TVO-Vorsitzende das Turnerheim finanziell gesehen als "geerbten Ballast" bezeichnete. Er habe denjenigen direkt kontaktiert und ihm erklärt, wie er das gemeint habe, sagt Lutz.
Das Turnerheim habe eine Geschichte, die durch viele Generationen mit viel Engagement und Leidenschaft geschrieben worden sei. Diesem ehrenamtlichen Engagement gebühre allergrößter Respekt. Dennoch wolle ein solches Objekt auch kostendeckend betrieben werden. Eine Immobilie mache einen eben immer auch immobil. Sicher würde man das Gebäude in der heutigen Zeit auch nicht mehr in dieser Größe bauen, meint Marcus Lutz.
Stadt prüft Nahwärme-Möglichkeiten
Überrascht war er darüber, dass sich kein weiterer Verein mit ähnlichen Problemen gemeldet hatte. Ein Vorstoß Richtung Sportkreis sei derweil im Sande verlaufen. "Ich hätte mir vorgestellt, dass man vielleicht eine Podiumsdiskussion organisiert oder sich zu einer gemeinsamen Initiative zusammenschließt", meint der TVO-Vorsitzende. Aber jeder Verein müsse wohl für sich selbst eine Lösung finden. "Trotzdem habe ich erfolgreich auf das Dilemma der Vorstände aufmerksam gemacht, die laut Satzung gar keinen Vertrag unterschreiben dürfen, bei dem es um eine solche Summe geht", sagt Lutz.
Die Stadt Oberndorf hat auf Lutz’ Aufschrei reagiert. Er steht in Kontakt mit dem Ersten Beigeordneten Lothar Kopf. Dieser sei im Hintergrund bereits sehr aktiv gewesen und habe unter anderem die Verträge mit dem Versorger geprüft, wie Lutz berichtet. Die Neckarhalle und damit eventuell auch das Turnerheim ans Nahwärmenetz anzubinden, sei eine mögliche Perspektive, um vom Energieträger Gas wegzukommen. Das Problem: Die Stadt würde zum Betreiber werden. Und: Dabei würde es sich zwar um eine Lösung handeln, zeitnah umsetzbar wäre diese aber nicht.
Einigung mit Pächter
Gefragt, wie es nun weitergehen soll, wurden auch die Pächter von ihren Gästen. Im Gespräch mit der Familie Papadopoulos, deren Pachtvertrag noch bis 2024 läuft, wurde eine kurzfristige Lösung gefunden. Man habe sich darauf geeinigt, die Gaststätte geöffnet zu lassen und die deutlich gestiegenen Nebenkosten aufzuteilen. "Das Turnerheim ist natürlich ein Vermögenswert, von dem wir froh sind, dass wir ihn haben – besonders in einer Zeit, in der viele andere Gaststätten schließen", betont Lutz. Schließlich sei es auch einer der letzten Veranstaltungsräume für größere Feierlichkeiten.
Die Situation bleibe nichtsdestotrotz finanziell angespannt. "Wichtig ist mir vor allem, dass die Energiekostenerhöhung keine Auswirkungen auf die Mitgliedsbeiträge haben wird." Aktuell befinde man sich in der Energie-Ersatzversorgung, sagt Lutz. Im neuen Jahr soll dann die Energiepreisbremse greifen – eine Entlastung, die zumindest kurzfristig Zuversicht bringt. Langfristig hofft der TVO aber auf ein positives Signal der Stadt in Sachen Nahwärme.
"Der TVO wäre aber auch gern Pilot für ein besonderes Leuchtturmprojekt in Sachen Geothermie. Das Turnerheim liegt ja nah am Wasser. Vielleicht hat da jemand Interesse, ein Projekt zu starten", sagt Lutz.