Seit etwas mehr als einer Woche ist der Schwarzwälder Elch Erwin nun wieder bei seiner Familie im Wildpark Pforzheim. Dem macht die Tierschutzorganisation Peta nun schwere Vorwürfe.
Keine zwei Wochen ist es her, da stand auf einmal ein Elch bei Rosi und Gerhard Friske im Garten. Minutenlang streifte der Jungbulle durch das Anwesen in Oberwolfach – und sorgte in den folgenden Tagen bundesweit für Medieninteresse.
Wenige Tage später war der Schwarzwald-Besucher bei Oberharmersbach betäubt, verladen und in den Wildpark Pforzheim gebracht worden. Dort kam Erwin – so der Name, den man in der Ortenau für ihn gefunden hatte – ursprünglich her.
Wie genau der Elch in die Region zwischen Wolf- und Harmersbachtal im Ortenaukreis gelangte, ist weiterhin unklar. Ein Tiertransporteur sollte den Jungbullen eigentlich in ein Gehege nach Passau bringen – dort kam das Tier jedoch nie an. Die Ermittlungen laufen.
Derweil hat sich die Tierschutzorganisation Peta mit Kritik an den Pforzheimer Wildpark-Betreibern zu Wort gemeldet. „Ohne sich mit dem künftigen Halter in Verbindung gesetzt und von den dortigen Haltungsbedingungen überzeugt zu haben, hatte sich der Wildparkleiter lediglich auf das Transportunternehmen verlassen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Fall offenbare ein grundsätzliches Problem in zoologischen Einrichtungen, die sich oftmals Tieren entledigen – ungeachtet der Umstände, in die sie gelangen.
Peta kritisiert die Verantwortlichen des Wildparks scharf und fordert grundsätzlich ein Ende der Zoohaltung.„Ein Elch ist kein Möbelstück, das man einfach irgendwo abliefert“, erklärt Peta-Fachreferentin Yvonne Würz in der Pressemitteilung. „Wenn ein Wildpark nicht einmal weiß, wohin ein Tier gebracht werden soll, zeigt das ein erschreckendes Maß an Gleichgültigkeit gegenüber fühlenden Lebewesen.“
Stadt Pforzheim weist Peta-Vorwürfe von sich
Die Stadt Pforzheim, verantwortlich für den Wildpark, sieht das freilich anders: „Den Vorwurf der ‚Verantwortungslosigkeit‘ weisen wir entschieden zurück“, erklärt Pressesprecher Christian Schweizer auf Anfrage unserer Redaktion.
Die Abgabe von Tieren an ein dafür spezialisiertes Transportunternehmen ohne direkten Kontakt zum künftigen Halter entspreche der absolut gängigen und vor allem gesetzeskonformen Praxis in zoologischen Einrichtungen.
Der Tiertransportunternehmer selbst müsse Lizenzen vorweisen, die einen solchen Transport erlauben. „Zudem ist der Wildpark richtigerweise davon ausgegangen, dass der Transporteur als Teil seines Auftrags die Prüfung der Betriebsgenehmigung und des Sachkundenachweises des Gehegebetreibers übernimmt“, so Schweizer. Darüber hinaus hätten dem Wildpark auch keinerlei behördliche Bedenklichkeitsmeldungen vorgelegen, die vor diesem Transportunternehmen gewarnt hätten.
Wildpark hat mehrfach strittigen Transporteur beauftragt
Mit dem Transporteur habe der Wildpark im Gegenteil sogar jahrelang gut und verlässlich zusammengearbeitet. Das lasse sich auch an zwei Beispielen deutlich machen: 2017 und 2022 beauftragte der Wildpark den Dienstleister mit dem Transport von Elchen aus Norddeutschland nach Pforzheim. Beide Transporte verliefen laut Stadt absolut reibungslos und ordnungsgemäß.
Alles Weitere sei nun Sache der Ermittlungsbehörden. „Die Klärung der weiteren Sachverhalte muss nun durch die Ermittlungen der Polizei erfolgen“, betont der Pressesprecher. Diese würden von Seiten der Stadt und des Wildparks natürlich umfassend unterstützt.