Jutta aus Lützenhardt (links) glaubt fest daran, ihre Leukämie-Erkrankung zu besiegen. Dazu braucht sie einen Stammzellspender. Foto: Privat

Tief gerührt ist Leukämie-Patienten Jutta aus Lützenhardt über die DKMS-Registrierungsaktion vor wenigen Tagen in ihrem Heimatort. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt sie: „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich wieder gesund werde.“

Für die an Leukämie erkrankte Jutta aus Lützenhardt war ihnen kein Einsatz zu groß: 17 Helfer organisierten und leiteten am Rande des Hexenballs der Narrenzunft Lützenhardt selbstständig eine Registrierungsaktion – in der Hoffnung, passende Stammzellen für die 62-Jährige zu finden. Rund 70 Personen gaben ihre Gewebeproben ab und ließen sich in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren.

Ein bewegendes Ereignis

Ein sehr bewegendes Ereignis für Jutta, die nur kurz bei der Aktion im Alten Schulhaus vorbeischaute, da sie sich mit nichts anstecken darf. Unserer Redaktion sagt sie: „Ich war kurz dort, weil ich Schinkenhörnchen gemacht hatte. Es war sehr bewegend, die Hilfsbereitschaft zu sehen. Man hat richtig gespürt, dass die Leute helfen wollen. Ein paar haben mich umarmt. Es waren schöne Momente und auch lustige Momente.“ Auch Tage nach der großen Aktion ringt sie um Fassung, wenn sie von der Hilfsbereitschaft berichtet.

Dankbar ist Jutta der Freundin ihrer Tochter, die die Registrierungsaktion startete, und allen Beteiligten bei der Narrenzunft Lützenhardt. 15 bis 17 Helfer waren notwendig, um die Aktion zu veranstalten. Die Verantwortlichen hatten zuvor eine Online-Schulung der DKMS erhalten, in der sie lernten, wie sie die Gewebeproben selbstständig und korrekt entnehmen.

Chance 1:10.000

Jetzt ist erst einmal abwarten angesagt: „Vier bis sechs Wochen dauert es, bis die Daten in der Datenbank aufgenommen sind“, sagt Jutta. Wann ein potenzieller Spender mit passenden Stammzellen gefunden wird, könne niemand sagen. Damit eine Stammzelltransplantation optimal verläuft, sollten 98 bis 99 Prozent der genetischen Merkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen, erklärt sie. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei lediglich 1: 10.000.

Ihr Arzt sage zu der Frage, wann ein Spender gefunden wird: „Das steht in ihrem Lebensbuch drin.“ Trotz der Ungewissheit ist Jutta zuversichtlich. Sie sagt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich wieder gesund werde.“

Info: So läuft eine eventuelle Spende ab

Wer gerne Jutta oder anderen Patienten mit Leukämie helfen möchte, kann sich jederzeit über die Internetseite der DKMS ein Registrierungsset bestellen. Den Ablauf einer Spende erklärt die DKMS: Wird man als „genetischer Zwilling“ für eine Patientin oder einen Patienten identifiziert, ist der Zeitpunkt gekommen, sich endgültig zu entscheiden, ob man zur Spende bereit ist. Stimmt man zu, steht erst einmal ein gründliches Gesundheits Check-up an. Steht einer Spende aus gesundheitlichen Gründen nichts im Wege, erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Arzt über die möglichen Entnahmeverfahren: Die wesentlich häufigere Methode (90 Prozent) ist die periphere Stammzellentnahme: Dabei spritzen sich die Spender über fünf Tage hinweg – selbstständig oder durch einen Pflegedienst – einen hormonähnlichen Stoff (G-CSF) unter die Haut, der normalerweise bei einer Erkältung vom Körper selbst ausgeschüttet wird. Durch die Gabe von GCS-F wird die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut gesteigert. Nach dieser Vorbehandlung werden diese „überschüssigen“ Stammzellen in der Entnahmeklinik ambulant über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt.

Deutlich seltener (10 Prozent) wird eine Knochenmarkentnahme durchgeführt. Unter Vollnarkose wird das Blut-Knochenmarkgemisch direkt aus dem Beckenkamm entnommen, welches sich nach zwei Wochen wieder vollständig nachbildet. Dieses Verfahren macht einen Krankenhausaufenthalt von etwa zwei bis drei Tagen erforderlich.

Schwere Nebenwirkungen sind bei keiner der Spendearten zu erwarten. Die DKMS erklärt: Bei der peripheren Stammzellspende können während der Vorbereitungsphase grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt. Bei der Knochenmarkentnahme kann für ein paar Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten. Das Risiko beschränkt sich im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko.