Das „Mima“ hatte am 28. Juli zum ersten Mal wieder geöffnet. In den Räumen wird den Besuchern unter anderem auch der Zusammenhang von Mathematik und Mineralien veranschaulicht.
Die Freude über das gelungene Bauprojekt beim Mima-Museum mit integriertem neuem Touristinfo-Büro war allen Beteiligten bereits bei der Eröffnungsfeier am vergangenen Mittwochnachmittag ins Gesicht geschrieben.
Neben den Bürgermeistern Siegfried Eckert aus Gutach und Bernhard Waidele aus Bad Rippoldsau-Schapbach waren zum offiziellen Festakt auch Vorsitzender Rolf Schütt vom Verein für Bergbau und Mineralien und Professor Stephan Klaus mit der wissenschaftlichen Assistentin Tatjana Ruf als Vertreter des Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) gekommen.
Zahlreich waren die beteiligten Baufirmen mit Planer Michael Feger vom Team Planwerk, der deren Arbeit mit vielen Lobesworten würdigte, bei der Eröffnung vertreten. Mitarbeiterinnen der Gemeinde mit Julia Heizmann, Gemeinderäte und Nachbarn hatten sich ebenfalls eingefunden, um auf das rundum gelungene Vorzeige-Projekt anzustoßen.
Feierliche Eröffnung bereits am vergangenen Mittwoch
Bürgermeister Matthias Bauernfeind begrüßte die Gäste und skizzierte nochmals kurz die insgesamt eineinhalb Jahre dauernde Bauphase, die für viele aktive Mineralienfreunde eine mitunter schmerzlich empfundene Schließung des „Mima“ über eineinhalb Jahre mit sich gebracht hat. Nach einigen Hindernissen und Verzögerungen wurde das Projekt schließlich zu einem alle beglückenden Ergebnis geführt.
Zwischen dem Museum Vogtsbauernhof in Gutach und dem Bärenpark in Schapbach präsentiert sich nach den Worten des Bürgermeisters nun wieder das Besucherbergwerk Wenzel in Kombination mit dem „Mima“ als touristische Besonderheit am Tor zum Naturpark. Mit der neuen Konzeption in Verbindung mit dem Tourismusbüro werde nun richtig „Lust auf Museum“ gemacht. Der im bisherigen Eingangsbereich gewonnene Raum wird zur Information bei Gruppenbesuchen genutzt.
Zu den Baumaßnahmen und der Arbeit mit vielen besonderen Herausforderungen gab der Leiter des Teams Planwerk in Oberwolfach, Michael Feger, detaillierte Infos. Man habe das Projekt seitens des Planungsbüros von den ersten Ideen im Jahr 2019 bis zum erfolgreichen Abschluss begleiten dürfen: „Mit einem klaren Ziel vor Augen haben wir es zusammen mit Herrn Bauernfeind geschafft, dieses Projekt zu verwirklichen!“
Besonders gefreut habe ihn die enge Zusammenarbeit mit den regionalen Firmen und der Zugriff auf lokale Ressourcen: „Die Wände und Decken bestehen aus circa 45 Kubikmeter Brettsperrholz und sorgen nicht nur für Stabilität, sondern auch für ein angenehmes Raumklima. Außerdem wurden circa dreißig Kubikmeter Bauholz verwendet. Die Fenster, Außenfassade und sogar Möbel wurden aus einheimischem Weißtannenholz gefertigt. Bodendielen und Treppenstufen bestehen dagegen aus robustem Eichenholz.“
Feger betonte, dass das Bauwerk durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten zum Erfolgsprojekt wurde. Sein Dank galt deshalb ebenso wie Bürgermeister Bauernfeind auch allen Mitarbeitern, also neben Handwerkern und Technikern auch den Mineralienfreunden, den Mathematikern und darüber hinaus auch den duldsamen Nachbarn rundum.
Professor Stephan Klaus vom Museum sah die neue Konzeption in Verbindung mit der Tourismusinfo seitens der Gemeinde als eine gelungene Erweiterung mit einem „wunderbaren Ergebnis“. Er weckte besonderes Interesse für den erweiterten mathematischen Bereich auf dem „Dachboden“ des einstigen Hofbauernhofes, in den nun auch neu der Aspekt Künstliche Intelligenz an praktischen Beispielen Einzug gehalten habe.
Viele Details in den neuen Räumen
Seitens der Nachbarn kam ein Grußwort vom angrenzend in eine neue große Werkstatt eingezogenen Zimmermeister Reinhard Bonath mit anerkennenden und humorvollen Anmerkungen.
Bürgermeister Matthias Bauernfeind lud zu einem anschließenden Rundgang durch Büro und Museum und zu einem Umtrunk ein. Dabei zeigten die Ehrengäste nicht nur viel Interesse auch für die Details, sie spendeten auch viel Lob für den imponierenden Gesamteindruck der Räumlichkeiten, die man in dieser Helle, Freundlichkeit und vor allem auch als befreiend empfundenen Weiträumigkeit von außen her gar nicht so erwartet hatte.
Bürgermeister Bauernfeind teilte mit, dass man in diesem Herbst auch noch den Geldgebern seitens der staatlichen Stellen und des Landes Baden-Württemberg und der breiten Öffentlichkeit die Gelegenheit bieten wolle, sich ein Bild davon machen zu können, wie effektiv und sinnvoll die Mittel hier in Oberwolfach eingesetzt worden sind.
Museum ist jetzt barrierefrei
Eineinhalb Jahre dauerte der Umbau des Museums, nun ist im neuen „Mima“. An die integrierte Tourist-Info schließt sich ein Verkaufsraum an, in dem Bücher und Spiele zu den Bereichen Mathematik und Mineralien angeboten werden, aber auch Wanderkarten des Wolftals.
Freundlich und hell ist der erste Eindruck. Auch behindertengerecht ist das Museum jetzt mit dem Aufzug. Videos sind zu sehen, im Erdgeschoss wird etwa Oberwolfach von oben gezeigt. Vitrinen zeigen wunderschöne Mineralien, schwerpunktmäßig aus der Grube Clara, ergänzt durch alte Uniformen der Bergleute und historische Werkzeuge. Es handelt sich um die größte Sammlung von Mineralien und Bergbauerzeugnissen aus dem Schwarzwald.
Eine Vitrine ist frei gehalten, dort können einzelnen Sammlungen vorgestellt werden. In einer anderen Vitrine geht es um die Glasherstellung. Dort werden Mineralien gezeigt, die das Glas klar erscheinen lassen oder färben können.
Moderne Technik eingesetzt
Auf Monitoren werden interaktive Simulationen gezeigt und es gibt auch Spielmöglichkeiten. Geplant sind auch Führungen für Mineralienliebhaber und Mathematikinteressierte.
Die Verbindung von Mathematik und Mineralien wird beispielsweise beim virtuellen 3-D-Flug durch Kristallstrukturen deutlich. Quasi-Kristalle können beim sogenannten „Penrose-Puzzle“ zusammengesetzt werden.
Das „Mima“ ist künftig täglich durchgehend von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.
Die Geschichte des Bauernhofs und des „Mima“
Auf einer am „Mima“ angebrachten Infotafel wird über die Geschichte des Gebäudes und der Beginn der „Mima“-Ära berichtet. Die Entstehung des Hofes geht zurück in mittelalterliche Zeiten und damit wahrscheinlich sogar bis in die Nähe der Zeit um 1275, als die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Wichtiger Einschnitt in der Hof- und Hausgeschichte war 1897 der Übergang in den Gemeindebesitz und die Nutzung als Wohngebäude oftmals für mehrere Familien mit gemeinsamer Zuteilung von Küche, Keller, Speicher und dem inzwischen für Parkplätze genutzten Gartengelände. Hier war übrigens der Ort, an dem um 1948 auch der erste Oberwolfacher Fußballplatz angelegt worden war.
Durch die Initiative des lange Jahre durch Werner Günter mit dessen engagiertem Vorstandsteam 1986 gegründeten und geführten Vereins für Bergbau und Mineralienfreunde – mit vielen Mitgliedern auch von außerhalb der Gemeinde und sogar einer niederländischen Gruppe – wurde schließlich unter dem Bürgermeister Jürgen Nowak die Weichen für ein Mineralienmuseum gestellt. Die Einrichtung wurde in Zusammenarbeit mit dem MFO in Richtung der Mathematik erweitert, ständig modernisiert und schließlich auf den aktuellen Höchststand gebracht.
Die zunächst immer wieder zu berücksichtigende gleichzeitige Nutzung als Wohngebäude wurde schließlich gänzlich aufgegeben, zumal schon in den fünfziger Jahren in unmittelbarer Nähe zwei Gemeindewohnhäuser erbaut und mehrfach modernisiert worden sind. Durch mehrere wertvoll bestückte und immer wieder in Variationen neu zu gestaltende Vitrinen und ein großes Angebot an Fachliteratur bildet der Neubau sozusagen eine Brücke hinüber zu den eigentlichen Museumsräumen.
Der bis in die Gegenwart am ständigen Restaurieren in der Grube Wenzel beteiligte treue Bergbau- und Mineralienfreund, Herbert Mattes aus Tennenbronn, hat sich darum gekümmert, dass nun auch einzigartige Gezähe-Fundstücke aus dem Frohnbach in der vor allem durch Kostbarkeiten und „Einzigartigkeiten“ aus der Grube Clara reich bestückten Gesamtschau eine Berücksichtigung gefunden haben.