Nils Maute ist Stadtverbandsvorsitzender der SPD in Albstadt: Das Zweitstimmenergebnis seiner Partei bei der Wahl in Albstadt bezeichnet er als „katastrophal und erwartbar zugleich“. Foto: SPD Albstadt

Nach der Landtagswahl übt Stadtverbandsvorsitzender Nils Maute Kritik an der Landes-SPD.

Ein klarer Verlierer der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die SPD. Im Land mit 5,5 Prozent der Zweitstimmen das Ergebnis halbiert und gerade noch in den Landtag gerettet, wären die Sozialdemokraten im Wahlkreis Balingen mit 4,3 Prozent an Zweitstimmen an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Isoliert die Stadt Albstadt betrachtet, kommt die SPD auch nur auf 4,4 Prozent an Zweitstimmen. Immerhin mildert Direktkandidatin Katja Weiger-Schick mit ihrem Erststimmenergebnis (7,5 Prozent in Albstadt; 6,6 Prozent im Wahlkreis Balingen) das Debakel etwas ab.​

 

Nils Maute, Stadtverbandsvorsitzender der SPD in Albstadt, nennt das SPD-Ergebnis „katastrophal und erwartbar zugleich“. Die Verantwortung für das schlechte Zweitstimmenergebnis seiner Partei sieht er bei der Landespartei. Mit den getroffenen Personalentscheidungen und der Kommunikation der inhaltlichen Ideen sei die Landes-SPD auf dem falschen Weg. „Es darf nicht sein, dass man die Chancen der guten Kandidaten durch schlechte Listenplätze verbaut.“ Das sei ein Problem, das nicht erst bei dieser Landtagswahl aufgetreten ist.

An Weiger-Schick lag es nicht

Bestes Beispiel sei der frühere Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch aus dem hiesigen Wahlkreis, der es bei der jüngsten Bundestagswahl auch nicht nach Berlin geschafft habe, weil er auf der Liste weit unten stand. Gerade diese jungen, motivierten Politiker brauche es aber, um die Partei wieder attraktiv zu machen.

Lobend äußert sich Nils Maute hingegen über die SPD im Zollernalbkreis und in Albstadt. Katja Weiger-Schick habe als Direktkandidatin einen guten Draht zu den Menschen gefunden. Dass Weiger-Schick rund drei Prozent im Vergleich zu den Zweitstimmen herausgeholt habe, sei „phänomenal“, doch Maute gesteht ein: „Mehr war einfach nicht drin.“

Themen schlecht kommuniziert

Dass der Landtagswahlkampf auch auf Landesebene ein Personenwahlkampf war, will Nils Maute für die Landes-SPD nicht als Entschuldigung gelten lassen. Gute Themen in den Bereichen Soziales, Wirtschaft und Gesundheit hätte die SPD gehabt, aber nicht konkret skizziert und unter die Wähler gebracht.

Die Konsequenzen hat Landeschef Andreas Stoch schon Sonntagabend gezogen; er kündigte den Rückzug von seinen Ämtern an. Wie sich die SPD in Baden-Württemberg wieder berappeln will, ist noch unklar. Um die SPD in Albstadt, immerhin zu viert im Gemeinderat vertreten, macht sich Nils Maute indes keine Sorgen. „Wir haben unsere Vision, unsere Ideen.“ Wenn die Ehrenamtlichen vor Ort weiter so gute Arbeit wie Katja Weiger-Schick machen, sieht der Stadtverbandsvorsitzende die SPD Albstadt auf einem guten Weg.