Roland Tralmer, der bisherige Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion, wird neuer Oberbürgermeister von Albstadt – wie stellen sich die anderen Fraktionen des Gemeinderats dazu? Was sagen ihre Sprecherinnen und Sprecher zum Wahlergebnis?
Manuela Heider, Fraktionschefin der Freien Wähler, ist schockiert – nicht von der Wahl Tralmers, mit der die Fraktion rechnen musste, auch wenn sie sie nicht gewünscht haben, sondern von der Wahlbeteiligung: Mit 35,14 Prozent sei sie erneut weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben, „Frustrierend!“
Bekenntnis zur Albstädter Vielfalt
Sie und die anderen Unterstützer Udo Hollauers hätten ihren Einsatz für den Ersten Bürgermeister als Bekenntnis zur Albstädter Vielfalt aufgefasst; sie hofften nun, dass diese Vielfalt auch mit einem anderen Oberbürgermeister zu ihrem Recht kommen werde: Sicherheit und Sauberkeit seien wünschenswert, aber dafür brauche es mehr als Aufsichtspersonal.
Feil: „Manches ist unschön gelaufen“
Zu Udo Hollauer – und damit gegen den Fraktionskollegen Markus Ringle, der im Rennen blieb – hatte sich nach dem ersten Wahlgang auch Susanne Feil, die Fraktionssprecherin der Grünen, bekannt, und mit ihr der größere Teil der Fraktion. Manches sei „unschön“ gelaufen, aber sie vertraue darauf, dass man intern wieder zueinander finden werde.
Die Wahl Tralmers bedeute immerhin einen personellen Neuanfang; es sei zu hoffen, dass dieser auch einen inhaltlichen mit sich bringe. Wer neue Wege beschreiten wolle, müsse „alte Pfade“ hinter sich lassen, habe sie im Dezember in ihrer Haushaltsrede gesagt – diesen Satz würde sie dem neuen OB gern ins Stammbuch schreiben.
„Eine gute Zusammenarbeit im Dienst der Stadt“ erhofft sich SPD-Fraktionschefin Marianne Roth vom neuen OB – dass man nicht in allen Punkten einer Meinung sein werde, müsse kein unüberwindliches Hindernis sein.
„Jetzt müssen alle Drei an einem Strang ziehen“
WSA-Stadtrat Martin Braun und seine Mitstreiter sind bereit, Tralmer zu unterstützen, „erwarten aber auch viel von ihm“. Und von seinen unterlegenen Mitbewerbern Udo Hollauer und Markus Ringle: Alle drei müssten jetzt an einem Strang ziehen – und die im Wahlkampf aufgerissenen Gräben schleunigst zugeschüttet werden.
FDP-Mann Philipp Kalenbach begrüßt es, dass mit Roland Tralmer einer das Steuerruder übernehme, dem man einen „pfleglichen Umgang mit dem städtischen Kapital“ zutrauen dürfe. Der Haushalt 2023 sei aus Sicht der FDP ein Hasardstück: „Da darf nicht das Mindeste passieren.“ Mit Tralmer als OB hoffe man auf der sicheren Seite zu sein. Wobei auch Udo Hollauer Respekt verdiente – dass er sich im Angesicht der Wahlniederlage zum Dienst an Albstadt bekannt habe, sei aller Ehren wert.
In der Doppelrolle: Angestellte und politisch weit entfernt verortet
ZUG-Stadträtin Elke Rapthel kennt Roland Tralmer aus zwei Perspektiven – als politischen Gegner, der im Parteienspektrum ziemlich weit entfernt verortet sei – und privat als Chef, den sie menschlich sehr schätze. Sie habe das eine und das andere bisher säuberlich zu trennen gewusst, und daran werde sich nichts ändern: Der neue OB müsse wie der alte damit leben, dass sie seine Positionen zur Gewerbesteuer, der Lautlinger Ortsumgehung und dem Gewerbegebiet Hirnau nicht teile – und dass sie weiterhin bei der einen oder anderen Entscheidung für die eine Gegenstimme im großen Konsens sorgen werde.
Markus Maag ist erster Nachrücker
Den CDU-Fraktionschef zum neuen OB zu befragen, ist überflüssig; wer sein Nachfolger wird, steht Tralmer zufolge derzeit noch nicht fest – man werde sich in der kommenden Woche darüber unterhalten. Tralmers derzeitige Stellvertreter sind Matthias Strähler und Ralf Keppler, sein Ratssitz muss neu besetzt werden; erster Nachrücker auf der Liste ist Markus Maag, dahinter für den Fall, dass Maag verhindert sein sollte, Katja Staiger uns Olaf Baldauf, die beide einschlägige Erfahrungen vorweisen können.