Land unter: Die Häufigkeit von Extremniederschlägen nimmt zu. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Extremwetterereignisse werden immer häufiger. Je später gehandelt wird, desto teurer wird es, mahnt Werner Ludwig.

Für diesen Mittwoch haben Organisationen und Verbände aus dem Gesundheits- und Pflegesektor zusammen mit Gesundheitspolitikern zu einem bundesweiten Hitzeaktionstag aufgerufen. Allerdings dürfte sich die öffentliche Aufmerksamkeit für die geplanten Veranstaltungen angesichts der aktuellen Wetterlage in Grenzen halten. So wichtig der Schutz vor den gesundheitlichen Risiken extremer Hitze auch ist – er ist nicht das Thema, dass die Menschen derzeit umtreibt.

 

Stattdessen stehen ganz andere wetterbedingte Probleme im Fokus: überflutete Häuser, unterbrochene Verkehrswege, verzweifelte Menschen und überlastete Einsatzkräfte. Doch letztlich hängen sowohl die extremen Niederschläge der letzten Tage, die vor allem in Süddeutschland zu massiven Überschwemmungen geführt haben, wie auch die wachsende Zahl unerträglich heißer Tage in den Sommermonaten mit der Erderwärmung zusammen. Auch wenn sich einzelne Extremwetterereignisse nicht unmittelbar auf den Klimawandel zurückführen lassen, ist in der Fachwelt unumstritten, dass die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens mit jedem Zehntelgrad Temperaturanstieg größer wird.

Hitzewellen und Extremniederschläge

Bei der Hitze ist die Verbindung zum Klimawandel am leichtesten nachvollziehbar. Die zusätzliche Wärme, die durch weiter steigende Treibhausgaskonzentrationen in die Atmosphäre gelangt, führt an Land und in den Ozeanen zu höheren Temperaturen – sowohl im Durchschnitt als auch in der Spitze. Bei den häufiger werdenden Extremniederschlägen handelt es sich dagegen um eine indirekte Folge des Klimawandels. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen – und dieses Wasser muss irgendwo wieder herunterkommen.

Die physikalischen Hintergründe mögen manchen nach wie vor abstrakt erscheinen, doch der Temperaturanstieg hat längst auch in unseren gemäßigten Breiten immer gravierendere Folgen für das Leben der Menschen – und führt zu enormen volkswirtschaftlichen Kosten. Die nötigen Anpassungsmaßnahmen – etwa ein besserer Hochwasserschutz, hitzeangepasste Städte oder bessere Frühwarnsysteme – dürften in den nächsten Jahren allein in Deutschland Hunderte Milliarden Euro verschlingen. Um ein Vielfaches größere finanzielle Belastungen entstehen in jenen Regionen der Welt, die stärker als wir unter den Folgen des Klimawandels leiden.

Die Rechnung wird nachgereicht

Diese Kosten sind die Folge eines Wirtschaftssystems, das die negativen Auswirkungen der exzessiven Nutzung fossiler Energien auf das Ökosystem Erde bis heute nur unzureichend berücksichtigt. Insbesondere die reichen Länder haben die Atmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten als kostenlose Müllkippe für ihre Treibhausgasemissionen genutzt. Die Rechnung dafür wird nun gewissermaßen nachgereicht – nämlich in Form massiv steigender Klimafolgekosten.

Deshalb braucht es deutlich größere Anstrengungen im Klimaschutz – auch und gerade aus wirtschaftlichen Gründen. Doch leider sind große Teile der Politik in Europa und dem Rest der Welt derzeit in der entgegengesetzten Richtung unterwegs. Längst nicht nur die Rechtspopulisten nähren bei Bürgerinnen und Bürgern die gefährliche Illusion, dass der bisherige Lebensstil und das bisherige Wirtschaftsmodell ohne größere Änderungen beibehalten werden können. Doch wenn jetzt nicht konsequent in Klimaschutz und Klimaanpassung investiert wird, werden die Kosten in Zukunft umso höher sein und den Wohlstand künftiger Generationen massiv gefährden.