Die zentrale Veranstaltungsfläche der Gartenschau bleibt, das Kleinspielfeld wird verlegt: Der Gemeinderat Baiersbronn sorgt für Enttäuschung in Friedrichstal.
Nachdem die Spielvereinigung ihren alten Sportplatz zugunsten der Gartenschau geopfert hatte – mit der Zusage, nach der Gartenschau ein neues Kleinspielfeld an gleicher Stelle zu bekommen –, wird der Standort nun doch verlegt. Mit zwölf Ja-Stimmen, vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, das neue Kleinspielfeld in der Nähe des bestehenden Grubenspielplatzes zu errichten.
Zunächst stellte Bauamtsleiter Daniel Armbruster die Varianten verschiedener Spielfeldgrößen vor. Die Kosten – nach Abzug möglicher Fördergelder – bezifferte er je nach Spielfeldgröße auf 51 000 Euro (bei einer Größe von 22 auf 44 Meter) beziehungsweise 118 500 Euro Eigenanteil (bei 55 auf 35 Meter).
Bürgermeister Michael Ruf erklärte, dass nach der vom Gemeinderat beschlossenen Übernahme der baulichen Anlagen die Fläche als Veranstaltungsfläche weiter genutzt werden sollte, ein Rückbau der vorhandenen Infrastruktur sei ein großer finanzieller Aufwand. Er erinnerte zudem an den Umbau der Mehrzweckhalle in Friedrichstal, in der ein Sportboden verlegt wurde, um den Sportbetrieb auch dort zu ermöglichen. „Es ist nicht so, dass die Gemeinde den Sportbetrieb in Friedrichstal gefährden will“, betonte Ruf. Er halte es jedoch für falsch, die vorhandene Infrastruktur für mögliche Veranstaltungen nicht weiter zu nutzen.
Bezirksbeiratsvorsitzender: Verein droht Auflösung
Christoph Jäger, Bezirksbeiratsvorsitzender in Friedrichstal, machte deutlich, dass sich das Ortsgremium und auch die Spielvereinigung einstimmig gegen den vorgelegten Beschlussvorschlag ausgesprochen hätten, den früheren Sportplatz als alleinigen Festplatz beizubehalten und dafür an anderer Stelle ein Kleinspielfeld für die örtliche Jugend zum Fußballspielen zu bauen.
Als Gründe führte er an, dass die Spielvereinigung ihr Zentrum verlieren werde. Auch das angebotene Training auf dem Sportplatz in Baiersbronn sei keine Lösung – man befürchte die Auflösung des Vereins.
Jäger: der falsche Standort
Entgegen der Sitzungsvorlage der Verwaltung sei die Spielvereinigung nicht damit einverstanden, den Sportplatz für ein „Trainingszeitfenster“ in Baiersbronn zu opfern.
„Wir sind der Meinung, dass der vorgesehene Standort am Grubenspielplatz der falsche ist, da auch der Radweg verlegt werden muss und die Sicherheit der Kinder auf dem Spielplatz in Gefahr ist“, so Jäger.
360 Tage „Hässlichkeit“
Er erinnerte an das Versprechen der Verwaltung, nach der Gartenschau den Spielbetrieb auf dem alten Sportplatz wieder zu ermöglichen und einen schöneren Spielplatz zu erhalten als zuvor.
Jäger äußerte auch Zweifel an der Eignung der Fläche als künftiger Veranstaltungsort. Vielmehr könne man sich vorstellen, mit der Integration eines Kleinspielfelds dort durchaus ergänzende Veranstaltungen durchzuführen. „Unsere Befürchtung ist, dass wir den jetzigen Platz in all seiner Hässlichkeit an 360 Tagen im Jahr ertragen müssen, dafür aber einen Bolzplatz an ungeeigneter Stelle bekommen, der wohl das Aus für einen der beiden letzten Vereine in Friedrichstal bedeutet“, brachte es Jäger auf den Punkt.
Gaiser: Festplatz Aue und die Schelklewiese reichen
Verständnis zeigte Gemeinderat Gerhard Gaiser (SPD) in der Diskussion im Gemeinderat für die Situation der Spielvereinigung Friedrichstal. Er stellte den Antrag, von der Nutzung der bestehenden Fläche als Veranstaltungsort Abstand zu nehmen und dem Verein die Möglichkeit zu geben, den Sportbetrieb fortzusetzen.
Dieser Antrag wurde später aber mehrheitlich abgelehnt. „Wir haben den Festplatz Aue und die Schelklewiese, aus meiner Sicht reichen diese aus“, hatte Gaiser argumentiert. „Mir ist nicht bekannt, dass jemand in Friedrichstal einen Festplatz schaffen will.“ Gaiser erinnerte daran, dass Beschlüsse und Wünsche der Ortsteile eine gewisse Richtlinie für den Gemeinderat sein sollten.
Seitz: Auch Radweg kostet
Bürgermeister Michael Ruf erinnerte an den Ratsbeschluss und die Kosten für einen Rückbau. Es gebe aber noch kein Konzept. „Es geht heute darum: Wo soll für Friedrichstal ein Sportplatz entstehen?“, so Ruf.
„Das Blöde ist, alle haben Recht“, sagte Michael Seitz (SPD). „Wenn da nichts los ist, muss Friedrichstal mit dem hässlichen Schotterplatz leben.“ Er wünschte sich Lösungsansätze, die allen gerecht werden, auch die Verlegung des Radwegs koste Geld.
Nestle: „kleine Gruppe AH-Fußballer“
Karlheinz Nestle (FWV) sprach von einer kleinen Gruppe AH-Fußballer, die dort Fußball spielen wolle, nicht alle würden zudem in Friedrichstal wohnen. „Die vorgeschlagene Lösung bietet der Jugend die Möglichkeit, einen Bolzplatz zu bekommen“, so Nestle. Er erinnerte an das kürzlich in Friedrichstal ausgetragene Radcross-Rennen, weshalb die Veranstaltungsfläche auch in Zukunft interessant sein könnte.
„Wir können uns sehr gut beides vorstellen, Veranstaltungen und ein Kleinspielfeld – das eine schließt das andere nicht aus“, entgegnete Bezirksbeiratsvorsitzender Christoph Jäger.
Erfahrungen aus Tonbach und Schönmünzach
Bernd Bühner und Gemeinderätin Christine Günter (beide FWV) berichteten von ihren Erfahrungen mit Kombinationsangeboten aus Spielplatz und Bolzplatz und sprachen von einem Synergieeffekt. „Ein Spielfeld so nah wie möglich am Spielplatz ermöglicht den Eltern, beide Spielstätten gleichzeitig im Blick zu haben. In Tonbach haben wir da nur positive Erfahrungen gemacht“, so Bühner. „Ich würde die Veranstaltungsfläche nicht durch einen Bolzplatz einschränken, auch die Nähe zum sanierten Schmiedemuseum könnte sich positiv auf zukünftige Planungen auswirken, so etwas muss auch wachsen“, sagte Christine Günter.
Am Ende wurde der Wunsch des Bezirksbeirats und der Spielvereinigung Friedrichstal nicht erfüllt und mehrheitlich der neue Standort am Grubenspielplatz als neuer Ort für die fußballerischen Aktivitäten in Friedrichstal ausgewählt.