Im Oktober waren sie noch fröhlich vereint – heute sind sie sich nicht mehr einig: Der bisherige Feldberg-Chef Kai Lebrecht (rechts) und Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht (Mitte). Mit auf dem Bild Patrick Schreib (links), Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus. Foto: Verena Wehrle

Noch in der Probezeit musste Feldbergbahnchef Kai Lebrecht gehen. Seine Ideen seien nicht gefragt gewesen. Johannes Albrecht hält dagegen.

Beim Pressetermin im Oktober wurde der neue Feldbergbahnen-Chef Kai Lebrecht aus Freiburg vorgestellt, der im August eingestellt worden war. Anfang Januar dann die überraschende Nachricht: Die Feldbergbahnen trennen sich von Lebrecht – noch in der Probezeit. Nun sprechen sowohl Lebrecht als auch Bürgermeister Johannes Albrecht mit unserer Redaktion über die Gründe, wobei die Uneinigkeit deutlich wird.

 

„Ich bin angetreten, um etwas weiterzuentwickeln“, sagt Lebrecht im Gespräch. Er käme aus dem Business Development, wobei er sich eben um die Entwicklung von Unternehmen kümmerte. Doch dies sei ihm am Feldberg nicht möglich gewesen.

„Meine Ideen wurden nicht berücksichtigt“

Schon im Dezember habe sich angedeutet, dass man verschiedene Ausrichtungen bezüglich eines Ganzjahresbetriebs verfolge: „Meine Ideen sind nicht berücksichtigt worden“, so sein Vorwurf an die Gesellschafter.

Als es konkret um Attraktionen für den geplanten Ganzjahresbetrieb auf dem Feldberg ging, sei es sehr kontrovers geworden, sagt Lebrecht. Dabei gebe es ja schon seit mehreren Jahren einen „Masterplan“, für den viel Geld ausgegeben worden sei. „Aber konkret wurde nichts umgesetzt“, wirft Lebrecht den Gesellschaftern – also den drei Gemeinden Feldberg, St. Blasien und Todtnau – vor. „Nur vom Reden passiert dort oben nichts“, sagt er.

Auch seien die Gesellschafter nicht mit seinen Entscheidungen zur Beschneiung zufrieden gewesen. So sei etwa eine neue Technik verfügbar, mit der man auch unabhängig von der Außentemperatur Schnee produzieren könne – wie sie bereits in anderen Skigebieten eingesetzt werde. Dies hätten die Gesellschafter abgelehnt.

Der Feldberg sei – so Lebrecht – immer noch zu 80 Prozent auf Skifahren ausgelegt, doch habe er nicht die nötige Infrastruktur, um Schneesicherheit zu gewährleisten.

Lebrecht:„Fünf nach zwölf“ für Ganzjahresbetrieb

„Der Feldberg kann mit familiengeeigneten Attraktionen punkten und das geht auch im Sinne der Natur“, sagt Lebrecht. Und weiter betont er: „Es ist mehr als fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf, andere Gebiete sind da schon viel weiter.“

Ein Problem seien die unterschiedlichen Interessen der Gesellschafter gewesen, auch wirft er ihnen „Kirchturmdenken“ vor. Als Beispiel nennt er einen Bikepark, den er am Feldberg vorgeschlagen hätte, der stattdessen aber nun in St. Blasien geplant sei.

Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht führt nun gemeinsam mit St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst die Geschäftsführung weiter – vorübergehend. Albrecht widerspricht im Gespräch mit unserer Redaktion vehement den Vorwürfen von Lebrecht.

„Natürlich haben wir eine klare Strategie für einen Ganzjahresbetrieb – an dieser haben wir fünf, sechs Jahre gearbeitet“, betont er. Inhaltlich habe es aber unterschiedliche Meinungen gegeben, wie man diese Strategie umsetzt. Und: „Wir haben jetzt schon Ganzjahrestourismus“, sagt der Bürgermeister. Die Sommersaison habe sich mittlerweile auf Anfang April bis Mitte November verschoben und diese müsse man entwickeln. Dafür seien sehr wohl Attraktionen geplant.

Attraktionen gemeinsam entwickeln

Von „Kirchturmdenken“ könne man ebenfalls nicht sprechen, hält Albrecht dagegen. Denn es laufen aktuell Workshops, um innerhalb der 21 Gemeinden, die der Hochschwarzwald-Tourismus GmbH (HTG) angehören, touristische Infrastruktur gemeinsam zu entwickeln. Dabei spiele auch der Feldberg eine entscheidende Rolle. Der Mountainbike-Trail in St. Blasien sei auch in einem Gesamtkonzept mit der HTG zu betrachten.

„Wir haben einen Plan und setzen diesen sukzessive um, haben auch schon einiges entwickelt“, betont der Bürgermeister. Als Beispiele nennt er etwa die Vereinigung der Feldberghütten, womit ab 1. Mai neue Events auf den Hütten stattfinden sollen.

Ganzjahresbahn und ÖPNV-Anbindung gewünscht

Auch für die 2er-Sesselbahn gibt es Pläne. Konkret schwebt Albrecht eine Ganzjahresbahn, vor, die ebenfalls im „Masterplan“ stehe. Er wünscht sich eine direkte ÖPNV-Anbindung im Bereich vom Haus Natur hoch zum Feldbergturm. Sinnvoll sei eine Einseilumlaufbahn mit Kabinen für jeweils zehn Personen, die wetterunabhängig läuft.

Überhaupt zählt zu Albrechts Steckenpferden seit Jahren die ÖPNV-Anbindung des Feldbergs, er wünscht sich eine Anbindung ringsum um den Berg. Hier spielen ihm aber die politischen Entscheidungsträger nicht in die Karten.

Schon lange wünscht sich Johannes Albrecht eine bessere ÖPNV-Anbindung für das Skigebiet Feldberg. Foto: Verena Wehrle

Thema Beschneiung: Auch hier habe es Differenzen bezüglich der Umsetzung gegeben. Denn am Feldberg müssten bei Investitionen die kommunalen Gesellschafter eingebunden werden – und damit eben die drei Gemeinderäte.

Teich für Beschneiung geplant

Noch komplexer werde es, wenn es um den Naturschutz geht. Seit drei Jahren sei man nun dran, die Lückenschlüsse in der Beschneiung für die wichtigsten Pisten zu schließen. Das seien eben die Stellen, an denen bisher wegen Naturschutz eine Beschneiung nicht genehmigt wurde. Jetzt sei man kurz vor einer Freigabe durch die Behörden.

Für die Beschneiung am Feldberg planen die Feldbergbahnen einen größeren Naturteich anzulegen. Foto: Archiv/Verena Wehrle

Noch dazu planen die Feldbergbahnen einen naturnahen Teich für die Beschneiung, um einen gesicherten Skibetrieb auf den Hauptpisten sicherzustellen – mit einem Wasserspeicher mit 120 000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Auch im Sommer könne der Teich genutzt werden, etwa bei Flächenbränden.

Unterschiedliche Interessen berücksichtigen

Aber wie bei allem am Feldberg gelte es auch hier, die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen und abzuwägen: „Wir müssen mit allen eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten: mit Kommunen, Naturschutz, Gastronomie, den Bürgern“, betont Albrecht.