Geht das Nagolder Einbahnstraßendrama in die nächste Runde? Ein Stadtrat will die neuen Regelungen sogar wieder aussetzen.
Bequem ist sie schon, die neue Straße, die seit wenigen Wochen direkt nach dem DB-Durchlass abzweigt und am Leonhard-Center vorbei in Richtung Bahnhofstraße führt. Kritik gibt es dennoch an ihr.
Dass der neue Straßenabschnitt – offiziell ist er eine Verlängerung der Leonhardstraße – unangekündigt in Betrieb ging, und damit gleichzeitig neue Einbahnstraßenregelungen in dem Quartier in Kraft traten, hatte in Nagold zuvor bereits für gehörige Aufregung gesorgt. Zumal, als die neuen Regeln mit einem städtischen Blitzer überwacht wurden.
Nagolds OB entschuldigte sich zwar für dieses Vorgehen, und hatte auch klargestellt, dass die geblitzten Einbahnstraßensünder keine Bußverfahren zu erwarten hätten. Dennoch bleibt die neue Regelung umstritten.
Ein Gehweg fehlt in der neu gebauten Straße komplett
Zumindest in ihrer jetzigen Form. Unter anderem meldeten sich Anwohner bei der Redaktion und bemängelten den Ausbaustandard der neu gebauten Straße. Diese ist bis jetzt noch ein Provisorium. Ein Gehweg fehlt komplett.
Zudem ist es auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu erkennen, dass die neu gebaute Einbahnstraße in Richtung Bahnhofstraße führt. Immer wieder sieht man auch Autofahrer, die meinen über den Parkplatz des Leonhard-Centers auf die Leonhardstraße fahren zu müssen.
SPD-Stadtrat Wolfgang Henne kritisiert: „sehr unbefriedigend“
Mit Wolfgang Henne kritisierte jüngst auch ein Stadtrat genau diese Themen. Henne plädierte in der Sitzung des Technischen Ausschusses dafür, die neuen Einbahnstraßenregelungen wieder zurückzunehmen – zumindest solange, bis der Ausbau endgültig fertiggestellt ist.
Unter anderem verwies der SPD-Gemeinderat darauf, dass die Situation in der Herrenberger Straße „sehr unbefriedigend“ sei. Besonders ärgert ihn, dass es entlang der erweiterten Leonhardstraße keinen Gehweg gibt. „Das geht nicht. Das ist gefährlich. Wenn da etwas passiert. Das ja auch eine Haftungsfrage.“
Konkret schlug er vor: Erst sollte man die Straße richtig fertigstellen, und bis dahin weiterhin die alten Regelungen gelten. „Dann öffnen wir die Straße halt erst in ein, zwei Jahren.“
Der endgültige Ausbau steht erst später an
Wirklich debattiert wurde Hennes Vorschlag nicht. Doch Bauamtsleiter Rafael Beier erörterte, warum der Straßenabschnitt noch nicht endgültig fertiggestellt ist. Der Grund: Auf dem sich direkt anschließenden Hespeler-Areal entsteht ein privates Wohnbauprojekt. Erst nach Fertigstellung dieses Neubaus mitsamt der Tiefgarage, will die Stadt die neue Straße endgültig ausbauen.
Auf Nachfrage der Redaktion ergänzte die Stadt: „Bedingt durch die Bautätigkeiten im ehemaligen Hespeler-Areal ist die Zufahrtstraße zunächst provisorisch fertiggestellt worden.“ Der finale Endausbau erfolge erst nach Abschluss des Bauprojekts, was voraussichtlich noch ein- bis eineinhalb Jahre dauern werde.
Einen Gehweg im klassischen Sinn soll die neu gebaute Straße übrigens auch dann nicht überall bekommen. „Im oberen Abschnitt wird im Endausbau ein bodengleicher Gehweg neben der Fahrbahn gepflastert“, teilt die Stadt auf Anfrage der Redaktion mit.
Es sei geplant, den gepflasterten Bereich als verkehrsberuhigt auszuweisen. In verkehrsberuhigten Bereichen sei der Straßenraum „bewusst gemeinsam von Fußgängern, Radfahrern und Kfz zu nutzen“.
Stadt verweist auf bestehende Verbindungswege für Fußgänger
Die Stadt Nagold verweist in diesem Zusammenhang auf Erfahrungen aus anderen, vergleichbaren Bereichen in Nagold. Diese zeigten, dass sich in der Regel ein „gutes und rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmenden entwickelt“. Allerdings weiß man auch bei der Stadt: „Das benötigt Eingewöhnungszeit.“
Nagolds Pressesprecherin Julia Glanzmann verweist zudem auf zwei weitere Verbindungswege für Fußgänger, die unverändert existieren würden, um von der Herrenberger Straße in Richtung Neue Straße, die Querstraße und die Bahnhofstraße zu gelangen. „Die bekannteste Achse dürfte der Weg über das Schwanenareal sein.“ Zwischen dieser Verbindung und der Leonhardstraße befinde sich dann noch ein weiterer Fußweg in Richtung Kreuzertalgasse.