Donald Trumps Wahlsieg in den USA wird den Wahlkampf in Deutschland und auch die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler beeinflussen, ist sich unsere Kolumnistin Elisabeth Kabatek sicher – für sie ein echtes Schreckensszenario.
Der Morgen, an dem ich vorm Radio die Fassung verlor, weil Donald Trump geradewegs durchmarschiert war ins Weiße Haus, erinnerte mich an den frühen Morgen des 24. Juni 2016. Da hatte sich gerade bestätigt, dass die Mehrheit der britischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt hatte. Beides Mal glaubte ich fest und wohl auch naiv daran, dass die Wahlberechtigten den Lügen, falschen Versprechungen und Schuldzuweisungen keinen Glauben schenken. Doch in beiden Fällen führten schmutzige Kampagnen ans Ziel.
Einwanderer wählen Trump? Nur scheinbar ein Widerspruch
Millionen Amerikaner haben auf demokratischem Wege einem Mann ihre Stimme gegeben, der die Demokratie und ihre Werte zutiefst verachtet und die Schlüsselpositionen mit treuen Gefolgsleuten besetzt, die alles aushebeln werden, was das demokratische System der USA charakterisiert und schützt. Schockierend ist, dass viele Einwanderer, vor allem Männer, Trump gewählt haben, obwohl dieser mit aller Härte gegen Einwanderung vorgehen will. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch: Jeder rettet hier seine eigene Haut und gönnt den anderen nichts. Es werden vier lange Jahre werden, geprägt von Abschottung, Willkür, Betrug, Verfolgung von Andersdenkenden, Hass und Rassismus.
Eine schreckliche Lehre
Dass die Wahl Donald Trumps zusammengefallen ist mit dem Ende der Ampel in Berlin, ist für mich kein gutes Omen. Trumps Wahlsieg hat nicht nur der politischen Rechten in Europa und Deutschland Auftrieb gegeben, sondern auch allem, was uns als Menschen letztlich verbindet, nämlich Anstand, Respekt, Solidarität und Freundlichkeit, eine Absage erteilt. In Trumps Welt kämpft jeder für sich allein und vielleicht noch ein kleines bisschen für Amerika. Meine große Sorge ist, dass dieser Sieg auch den Wahlkampf bei uns und letztlich die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler beeinflussen wird. Ich befürchte, dass es schmutzig werden wird, und Übergriffe auf Kandidierende oder Engagierte, die Plakate kleben und Stände auf Marktplätzen besetzen, an der Tagesordnung sein werden.
Längst geht es nicht mehr um Fakten. Es geht nur noch um Emotionen, und Trump hat vorgemacht, dass man diesen ungehemmt seinen Lauf lassen kann und dafür nicht von den Wählern abgestraft wird, ganz im Gegenteil. Das sollte uns eine schreckliche Lehre sein. Noch sind wir von amerikanischen Verhältnissen weit entfernt, doch das Trumpsche System, auf Menschenverachtung basierend, darf in unserem Land keinen Platz haben!
Weihnachten – jetzt ist es wichtiger denn je, sich zu besinnen
Eine Zeit der Besinnung ist die Weihnachtszeit schon lange nicht mehr. Doch nie war es wichtiger, sich darauf zu besinnen, wie wir miteinander umgehen wollen: In den öffentlichen Verkehrsmitteln, auf den Straßen, an den Wahlständen und in den sozialen Medien. Wenn wir der zunehmenden Verrohung auch bei uns nicht mit aller Entschiedenheit entgegentreten, können wir Weihnachten, das Fest der Liebe, ebenso gut ganz abschaffen.