Eine 29-Jährige und ihr drei Jahre alter Sohn sterben bei einem tragischen Unfall in Schramberg. Die öffentliche Trauerfeier wird zu einem bewegenden Zeichen der Verbundenheit.
Sie kamen zu Fuß, im Rollstuhl, mit Kinderwagen und Bobbycar: Rund 200 Schramberger nahmen am Mittwochabend an der öffentlichen Trauerfeier für Miri und Ron teil. Die 29-jährige Mutter und ihr dreijähriger Sohn hatten in der vergangenen Woche bei einem tragischen Unfall ihr Leben verloren.
Die Stadtgesellschaft stand Seite an Seite. Religion und Nationalität spielten für diese Stunde auf dem hinteren Rathausplatz keine Rolle – Trauer, Hilflosigkeit und auch Wut über das Unglück waren für alle gleichermaßen spürbar.
Die Feier, musikalisch umrahmt von fünf Bläsern der Stadtmusik, sollte Kraft und Trost spenden, sagte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr zu Beginn. „Wir sind immer noch fassungslos, was vor sieben Tagen in unserer Stadt geschehen ist“, so Eisenlohr. „An diesem Mittwochmorgen hätte es jeden von uns treffen können.“
Rüdiger Kocholl: „Die Kraft der Liebe ist zentral“
In persönlichen Worten zeichnete sie ein Bild der Verstorbenen: Miri sei für ihre Hilfsbereitschaft bekannt gewesen, habe große Pläne gehabt und ihren Führerschein machen wollen. Ron sei am liebsten barfuß unterwegs gewesen, habe Umarmungen geliebt und sei im Kindergarten durch seine fröhliche Art sehr beliebt gewesen. „Wir werden die zwei nicht vergessen.“
„Die Kraft der Liebe ist in allen Religionen zentral“, sagte Dekan Rüdiger Kocholl. Durch Nächstenliebe seien alle Menschen verbunden. Er forderte die Anwesenden auf, diese Verbundenheit auch zu zeigen und sich die Hände zu reichen. Nach der Lesung durch Alexandra Zink-Colacicco sprach der evangelische Pfarrer Markus Krimmer. „Was zählt wirklich?“, fragte er angesichts eines solchen Schicksalsschlags. Ein Ort des Trostes sei das Kreuz. „Gott hat das letzte Wort über das Leben, nicht der Tod.“
Fürbitten der Stadtgesellschaft
Rüdiger Kocholl leitete zu den Fürbitten über: „Wir sind ob des tragischen Unfalltodes von Miri und Ron tief erschüttert und bewegt.“ Patricia Diethelm, Tanja Witkowski, Barbara Kunst, Alexander Kohlen, Thomas Lehmann, Tanja Gerger und Steffi Spitznagel baten um Trost und Kraft für die Hinterbliebenen, für alle am Unfall Beteiligten, für die Einsatzkräfte und Mitglieder der Blaulichtorganisationen sowie für die Verstorbenen.
Da Miri und Ron muslimischen Glaubens waren, rezitierte Imam Ramis Koc von der Ditib-Gemeinde Schramberg zwei Suren aus dem Koran, die anschließend auch auf Deutsch übersetzt wurden.
Zwillingsschwester und Schwägerin danken
Emotional wurde es, als die Schwägerin der Verstorbenen ans Rednerpult trat. Sie dankte der Stadt Schramberg und Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr für die „außergewöhnliche Unterstützung“, für die Überlassung des Bärensaals, den Einsatzkräften sowie allen Teilnehmenden der Trauerfeier. Dort im Bärensaal trafen sich mehrere Tage lang die Trauernden. Sie dankte „für jede Blume an der Unfallstelle und für jede Umarmung“.
Auch die Zwillingsschwester der Verstorbenen wandte sich an die Anwesenden: „Miri und ich waren immer ein Team. Sie hat jedem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.“
Auch sie bedankte sich für die große Anteilnahme – besonders bei der Frau, die sich unmittelbar nach dem Unfall um Miris kleine Tochter, die Zwillingsschwester von Ron, gekümmert hatte. Und sie dankte für die zahlreichen Spenden. Bislang gingen weit mehr als 100 000 Euro für die hinterbliebene Familie ein.
Nach rund einer Stunde spielten die Bläser der Stadtmusik Schramberg ein letztes Mal. Anschließend machte sich die Trauergemeinde gemeinsam auf den Weg zum Unfallort an der Oberndorfer Straße.