Oberhalb der Bahngleise in Calw, wo sich der Felssturz ereignet hat, laufen Hangsicherungsmaßnahmen. Foto: Thomas Fritsch

Seit die Kulturbahn nicht fährt, steht mancher im Kreis Calw vergeblich an der Haltestelle.

Die Bahnsignale auf der Strecke der Kulturbahn zwischen Pforzheim und Calw zeigen Rot: Seit vor anderthalb Wochen, am 19. Januar, früh morgens ein Zug nahe des alten Calwer Bahnhofs einen Steinblock überrollt hat, fährt dort keine Bahn mehr.

 

Der tonnenschwere Brocken hatte sich aus der Buntsandsteinwand oberhalb der Gleise gelöst. Der Lokführer reagierte mit einer Vollbremsung, der Zug kam aber erst hunderte Meter später zum Stehen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, auch Gleise und Unterbau wurden nicht beschädigt.

Zur Sicherheit ließ die DB InfraGO als Streckenbetreiber die Felswand untersuchen. Ergebnis: Weil es weitere lockere Steine gibt, sind Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Diese dauern voraussichtlich bis 1. Februar. Aktuell rechnet die Deutsche Bahn (DB) damit, dass die Kulturbahn ab 2. Februar wieder zwischen Pforzheim und der Station Teinach verkehrt. So lange kommen dort Busse, also ein Schienenersatzverkehr, zum Einsatz. Ab Station Teinach in Fahrtrichtung Tübingen, zuvor war es ab Wildberg, verkehren die Züge dagegen normal.

Für Pendler ist der Schienenersatzverkehr eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Denn es hakt gewaltig.

Erfahrungen Ein Leser aus Wildberg meldet sich vorige Woche in unserer Redaktion. Er pendelt aus beruflichen Gründen nach Pforzheim – oder würde es gern. Denn während die App der Deutschen Bahn, der DB Navigator, zuverlässig versprach, dass der Ersatzbus zur selben Zeit verkehrt wie die Bahn, nämlich um 5.07 Uhr, machte der Wildberger andere Erfahrungen. Wie er berichtet, standen er und andere Fahrgäste drei Tage in Folge kurz nach 5 Uhr an der Haltestelle, „bei Minusgraden ohne Wärmemöglichkeiten“. Doch der Bus kam immer erst kurz vor 6 Uhr. Dazu kam dann noch, dass der Zug etwa 45 Minuten braucht, der Bus aber viel länger: Mal sind es knapp zwei Stunden, mal etwa zwei Stunden und 20 Minuten.

Blick in die App der Deutschen Bahn, den DB-Navigator Foto Foto: Verena Parage

Eine weitere Leserin meldet sich am Montag, eine Woche nach dem Felssturz. Sie schreibt, ihr Mann pendle von Calw-Hirsau in die Goldstadt. Wenn es denn klappt. Denn: „Der Schienenersatzverkehr wegen des Felssturzes nach Calw läuft aus unserer Sicht beschissen. Busse tauchen in der App auf, fahren früher, später oder gar nicht. Verschwinden teilweise in der App.“ Just am Montag sei ihr Mann 45 Minuten lang am Pforzheimer Hauptbahnhof gestanden, „und keiner der beiden Busse, die in der Zeit hätten kommen sollen, sind gekommen“.

Fragen Der Busverkehr ist das also das eine, das andere Problem ist die Kommunikation. Auch das wird deutlich an den Erfahrungen der Pendler.

Wer mehrmals am Tag in der Bahn-App nach der Kulturbahnverbindung schaut, stellt fest: Manchmal wechseln die Angaben stündlich. Einmal sieht es so aus, als würde die Kulturbahn regulär verkehren, ein anderes Mal werden manche Verbindungen durch einen Bus ersetzt. Sollte nicht eigentlich jede Zug- zu einer Busverbindung werden? Und warum ist es so schwer, die App aktuell zu halten? Schließlich vermeldet die Bahn über die App ja auch aktuelle Verspätungen an ihre Kunden.

Ersatzverkehr Was die Bahn zu dem Schlamassel sagt? Ereignisse wie der Calwer Felssturz seien „komplett ungeplant, das passiert einfach.“ Deshalb könne auch nicht sofort jeder Zug durch einen Bus ersetzt werden, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Die DB spricht deshalb zunächst von „Busnotverkehr“.

Weil zunächst nichts im System hinterlegt sei, seien die Fahrzeiten der Ersatzbusse erst einmal theoretische Werte. Der zuständige Mitarbeiter gebe alle Informationen zu den Verbindungen händisch ins System ein. „Das geht immer nur tageweise.“ Die richtigen Infos für den folgenden Tag schlagen erst um Mitternacht durch.

Dauert der Busnotverkehr länger, wird er zum Schienenersatzverkehr (SEV). „Da wird der komplette Fahrplan wirklich geplant“, erklärt die Bahnsprecherin. Zum einen wird jeder Zug durch einen Bus ersetzt, zum andern werden bei der Fahrzeit der Busse tatsächliche Gegebenheiten – etwa Baustellen unterwegs – berücksichtigt. Alle Infos werden in die App eingespeist.

App So aktuell sie sein soll, und so schnell Kommunikation heutzutage eigentlich funktioniert: Laut Sprecherin gibt es ein europäisches Fahrplanzentrum. Dieses sei die europäische Koordinierungsstelle für die Fahrplandaten aller Bahnunternehmen. Betreiber ist die DB, aber auch ihr eigener Kunde und damit eben einer von vielen.

Fahrpläne könne man nicht tagesaktuell einstellen, sondern nur ein- oder zweimal die Woche. Nach dem Einstellen könne es noch einmal dauern, bis die Änderungen durchschlagen. So ist das Prozedere etwa beim Schienenersatzverkehr.

Kommt es zu kurzfristigen Zugausfällen oder Verspätungen im aktuellen Zugverkehr, so müssten das Mitarbeiter händisch eingeben.

Immerhin: Ab Dienstag sollten die Fahrplanauskünfte für die Kulturbahn laut DB-Sprecherin aktuell sein. Ob es dabei bleibt, wird die Erfahrung der Pendler zeigen. Immerhin berichtet der Wildberger am Mittwoch: „Inzwischen funktioniert es relativ gut.“