Nach dem Bürgerentscheid steht die Planung für die dringende Sanierung des Schopfheimer Freibads bei Null. Wie geht es weiter, und ist die kommende Saison gesichert?
Kräftig schütteln hieß es im Schopfheimer Rathaus nach der Wahlschlappe vom vergangenen Sonntag: Bei großer Beteiligung und mit überwältigender Mehrheit haben sich die Schopfheimer im Bürgerentscheid für eine Sanierung als chemisch-technisches Bad ausgesprochen – und damit gegen den von Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit favorisierten Weg. Nach einer ersten Reaktion noch am Wahlabend und internen Abstimmungen den zurückliegenden Tagen gibt Bürgermeister Harscher auf Anfrage unserer Redaktion nun einen Ausblick, wie es weitergeht.
Acht Monate verloren
In Sachen Planung heißt es erstmal „zurück auf Null“, beziehungsweise überhaupt erstmal „Start bei Null“. Mindestens acht Monate sind für diesen Prozess verloren – so viel Zeit zog ins Land zwischen dem Gemeinderatsbeschluss im Juli, der eigentlich der Startschuss hätte sein sollen, und dem Bürgerentscheid; in dieser Zeit lag die Planung auf Eis. Und das in einer Situation, in der die Sanierung der Jahrzehnte alten Anlage, insbesondere der veralteten Technik, dringend nötig ist: Sie sorgt für extrem hohen Wasserverlust, und ein „spontaner Ausfall“ („Sudden Death“) ist jederzeit möglich, hatte die Verwaltung schon im vergangenen Sommer betont.
Sommersaison gesichert?
Das freilich heißt nicht, dass die Sommersaison von vornherein gestrichen wird: „Der aktuelle Stand ist, dass das Bad auch für die Saison 2026 wieder eröffnen kann“, teilt die Stadt mit. Der Öffnung ist für Mitte Mai geplant, ein konkretes Datum steht noch nicht.
Um die Planung in die Gänge zu bekommen, „werden die Planungsleistungen nun schnellstmöglich ausgeschrieben“, heißt es aus dem Rathaus. Eine Direktvergabe an ein bestimmtes Büro ist in diesem Kostenumfang nicht möglich.
„Es bestehen derzeit keinerlei vertragliche Verpflichtungen mit Planern“, teilt die Stadt auf die Frage mit, ob aus der ursprünglichen Planung Vereinbarungen bestehen, etwa mit Planungsbüro Gutmann, das den Entwurf für das Naturbad in die Diskussion eingebracht hatte.
Die nächsten Schritte
„Wir haben immer betont, dass wir, sobald die Entscheidung feststeht, das Ergebnis akzeptieren und anschließend so weiter planen.“ In diesem Sinne sei man „umgehend an die Umsetzung der Badsanierung, so wie es das Ergebnis des Bürgerentscheids hervorgebracht hat, gegangen“, teilt die Verwaltung mit. „Über den weiteren Ablauf werden wir das Gremium und die Öffentlichkeit in einer der kommenden Sitzungen umfassend informieren.“
Wasserfläche & Co.
In den Diskussionen hatte die Stadt stets auf den Kostendeckel von sieben Millionen Euro verwiesen und von dieser Prämisse aus argumentiert. Etwa, dass bei eine Sanierung in der hergebrachten Chemie-Technik die Wasserfläche verkleinert werden müsse, und dass für Weiteres wie die Sanierung von Innenbecken und Schwimmbadgebäude kein Geld übrig bliebe.
Ob’s nun tatsächlich so kommt, ist nicht ausgemacht: „Diese Frage kann erst nach weiteren intensiven Planungsphasen abschließend beantwortet werden“, teilt die Verwaltung mit und betont: „Die Stadt wird unter den gegebenen Bedingungen auch weiterhin das bestmögliche Ergebnis versuchen zu erzielen.“
Bisher ist geplant, ab Herbst 2027 mit der Sanierung zu starten. Ob dies gehalten werden kann, müsse mit dem beauftragten Planungsbüro abgestimmt werden, so die Stadt weiter.
Thema Bürgerbeteiligung
Dass die Idee eines Naturbads in Teilen der Bürgerschaft von Beginn an auf derart erbitterten Widerstand stieß, hatte in den Augen vieler Betroffener viel mit einer verfehlten (Nicht-)Kommunikation zu Beginn des Prozesses zu tun. Das allerdings will die Rathausspitze offenbar nicht ganz so unterschreiben. Sie verweist darauf, dass der Gemeinderat durchaus schon zu Beginn des Prozesses im Sommer 2025 beschlossen habe, die Bürger an der Ausgestaltung des Bades zu beteiligen. „Um dabei Spielräume zu haben, wurde lediglich über die Art der Wasseraufbereitung vor der Bürgerbeteiligung entschieden“.
Und weiter: „Diese Frage ist nun abschließend geklärt. Die finanziellen Spielräume sind dadurch kleiner geworden.“ Innerhalb dieser Spielräume würden „die Bürgerschaft und auch die Vereine dennoch eingebunden“. Wie das aussehen könnte, müsse ebenfalls mit dem Planungsbüro eruiert werden. „Denkbar wäre eine Kombination aus einer Onlinebeteiligung und einer Präsenzveranstaltung in der Stadthalle.“
Die Gräben zuschütten
Dabei gibt sich Bürgermeister Dirk Harscher zuversichtlich, dass die im Zuge der teils harten Debatten aufgerissenen Gräben zugeschüttet werden können. „Zunächst sollte eine Phase der Ruhe eintreten und anschließend wird die Stadt die Akteure zu einem Gespräch einladen. Die Entscheidung ist getroffen, nun gilt es wieder gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Die gemeinsame Leidenschaft für das Schopfheimer Schwimmbad eint alle Akteure letzten Endes. Darauf kann man wieder aufbauen.“