Auf dem Waldeck-Areal haben die Abrissarbeiten begonnen. Foto: Heiko Hofmann

Die Abrissarbeiten auf dem Nagolder Waldeck-Areal haben begonnen. Und was passiert danach mit dem Gelände? Das sind die aktuellen Pläne.

Kaum waren die Abbrucharbeiten im Nagolder Gemeinderat vergeben, da schritten die Recycling- und Abbruchspezialisten der Firma „Abbruch Walter“ auch schon zur Tat.

 

Sowohl der Neubau als auch das altehrwürdige Haus Waldeck selbst sind von einem großen Bau- und Sicherheitszaun umgeben. Vor allem im Inneren des Gebäudes laufen derzeit Ausräum- und Abbrucharbeiten.

Und wie geht es danach weiter? Der Wille des Nagolder Gemeinderats ist klar: Wo mehr als 130 Jahre das Haus Waldeck stand, sollen keine Nachfolgebauten entstehen. Das Gelände am Beginn des Kreuzertals wird der Natur zurückgegeben.

Das Kreuzertal soll ökologisch aufgewertet werden

Dafür soll das Kreuzertal mit seinem Bach ökologisch aufgewertet werden. In der jüngsten Gemeinderatsitzung informierte Markus Heberle vom gleichnamigen Ingenieurbüro über die aktuelle Entwurfsplanung.

Der Kreuzertalbach in Nagold. Foto: Heiko Hofmann

Die Ziele: Zwischen dem Möbelhaus Architare und dem bebauten Waldeck-Areal gibt es bereits heute ein ökologisch wertvolles Biotop. Dieser Charakter der Feuchtwiese soll bachaufwärts weitergezogen werden. So kann von der Innenstadt bis zum Waldgebiet ein „grüner Korridor“ entstehen.

Bis jetzt fließt der Kreuzertalbach verdolt unter dem bebauten Bereich des Hauses Waldeck durch. Auch im Wiesenabschnitt, der sich an das Waldeck bis zur Kreuzung mit der Galgenbergstraße anschließt, verläuft das Gewässer in einer festen Rinnenstruktur.

Feuchtwiese zählt zu den artenreichsten Biotopen

Geplant ist künftig die Offenlegung des Kreuzertalbachs. Im Bereich der Straßenkreuzung ist ein Durchlassbauwerk vorgesehen, danach verläuft das Gewässer aber weiter schlängelnd und offen durch das Tal in Richtung der Feuchtwiesen.

Damit bekommen letztlich die bereits bestehenden Feuchtwiesen rund um den Kreuzertalbach mehr Raum. Diese Feuchtwiesen sind vom Grundwasser beeinflusst, „zeitweise überschwemmt“, so der Ingenieur. Eine Feuchtwiese zähle zu den artenreichsten Biotopen und werde durch Mahd bewirtschaftet (ein- bis zweimal im Jahr).

Die bestehende Feuchtwiese im Kreuzertal Foto: Heiko Hofmann

Auch im unteren Bereich des Bachs sollen – wo möglich – die bestehenden Durchlässe zurückgebaut werden, und das Gewässer nicht mehr in gefestigten Rinnen fließen. Geplant ist eine Neugestaltung des Gewässerlaufs mit Wiesenbachcharakter und mit einer Möglichkeit zur Gewässerentwicklung.

Die Möglichkeit des Kreuzertalbachs, sich auf den Feuchtwiesen auszubreiten – von einer „Ausuferung des Gewässers“ spricht der Fachmann – senkt zudem auch das Hochwasserrisiko, da die tiefer gelegenen Wiesen ja komplett überflutet werden können.

Der Bach fasst die Mengen eines hundertjährigen Hochwassers

„Alles, was kommt, fließt in den offenen Abschnitt“, erörterte Markus Heberle. Er sprach von einem „sehr, sehr naturnahen Gewässerverlauf“, den man so bekomme.

Speziell zum Thema Hochwasser befragt, erörterte der Planer, dass da beim Kreuzertalbach bereits gute Vorarbeiten geleistet worden seien. Der Kreuzertalbach, der aktuell ab dem Architare bis zur Waldach unterirdisch verläuft, könne locker die Mengen eines hundertjährigen Hochwassers ableiten.

Früher war der Kreuzertalbach für seine Hochwassergefahr berüchtigt

Der Kreuzertalbach fließt in Nagold erst wieder unterhalb des Ibis-Hotels am Busbahnhof in die Waldach hinein. Bis dorthin verläuft er unterirdisch. Dabei handelt es sich eigentlich um ein kleines Bächlein, im Sommer nicht viel mehr als ein Rinnsal.

Früher aber war der Kreuzertalbach für seine Hochwassergefahr berüchtigt. In die Katastrophengeschichte der Stadt ging besonders das durch den Kreuzertalbach ausgelöste Hochwasser nach einem Unwetter vom 5. Mai 1927 ein. Es forderte sogar ein Todesopfer.