Der Bau von drei Windrädern in Ostelsheim ist seit Sonntag vom Tisch. Foto: © Massimo Cavallo - stock.adobe.co

Gut gekämpft und doch verloren – Enttäuschung macht sich bei der Initiative Pro Windkraft (IPW) nach dem Votum gegen den Bau von drei Windkrafträdern am Sonntag breit. Die IPW kann den vergangenen Monaten aber auch viel Positives abgewinnen. Die Windkraftgegner indes machen sich Gedanken, wie es mit ihrem Verein weitergehen soll.

Kaum ein Thema ist in letzter Zeit so hitzig diskutiert worden wie die Windkraftpläne im Lochwald. Wie der Bürgerentscheid letztlich ausgegangen ist, steht für die IPW allerdings nicht im Vordergrund, „sondern wir richten jetzt den Blick nach vorne“, sagt Günther Diebold, zweiter Vorsitzender des Vereins, am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Jetzt gelte es, Gräben zu überwinden und nicht mehr übereinander, sondern miteinander zu reden. Es gebe weitere Projekte im Ort, die jetzt angepackt werden müssten, beispielsweise das geplante Dorfcafé.

 

Verunsicherung und Misstrauen

Für Diebold und seine Mitstreiter war die Debatte nicht nur ein Streit um Windräder, sondern „ein Spiegel unseres gesellschaftlichen Klimas, geprägt von Verunsicherung, von wachsendem Misstrauen gegenüber politischen Prozessen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und sogar den Motiven des Gegenübers“.

Digitale Filterblasen

Viele Menschen hätten sich fast ausschließlich in den Räumen der eigenen Überzeugung bewegt – abgeschirmt vor anderen Sichtweisen, genährt durch digitale Filterblasen. Soziale Medien hätten diesen Trend noch verschärft. „Sie schaffen Resonanzräume für Gleichgesinnte, senken Hemmschwellen für persönliche Angriffe und erschweren echten Dialog“, weiß Diebold nun aus eigener Erfahrung.

Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut, sie fordere aber auch Reife, Verantwortung und Rücksicht. Freiheit ohne Rücksichtnahme auf das Gemeinwohl könne zur Gefahr für eben dieses werden. „Wenn jeder nur noch seiner eigenen Wahrheit folgt, ohne Bereitschaft zum Zuhören, zum Nachdenken und zum Abwägen – dann zerfasert das, was uns verbindet. Dann verlieren wir das, was eine Gemeinschaft ausmacht“, ist Diebold überzeugt.

Fehler im Eifer des Gefechts

Auch er habe in dieser Zeit Fehler gemacht. „Im Eifer des Gefechts habe ich manches gesagt, das ich heute so nicht mehr sagen würde“, äußert sich der zweite Vereinsvorsitzende gegenüber unserer Redaktion. Deshalb wolle er die Hand reichen – nicht als Sieger, nicht als Verlierer, sondern als Mitbürger – für ein Miteinander, das nicht das Trennende sucht, sondern das Gemeinsame.

Neue Netzwerke und Freundschaften

Als äußerst positiv bewertet Diebold, dass innerhalb kurzer Zeit über die Initiative neue Netzwerke und Freundschaften entstanden: „Ich bin mit Leuten aus dem Ort zusammen gekommen, mit denen ich vorher keinen Kontakt hatte“. Das sei sehr positiv.

Für die IPW sei diese Zeit etwas Besonderes gewesen – weil sich in nur wenigen Wochen so viele engagierte Ostelsheimer zusammengefunden hätten, um sich für eine gemeinsame Idee stark zu machen. „Das war mehr als ein Projekt. Das war gelebte Bürgerschaft, lebendige Demokratie. Und das macht Mut – für alles, was vor uns liegt“, so Diebold. Man habe nicht nur für die Windenergie gekämpft, sondern dabei auch neue Menschen kennengelernt, die ähnliche Werte teilen. Wenn man zusammen plane, diskutiere, Ideen teile und gemeinsam Entscheidungen treffe, entstehe etwas sehr Persönliches – „vielleicht sind daraus sogar Freundschaften entstanden, die weit über das Projekt hinausgehen“.

Der Verein Freie Landschafte Ostelsheim, kurz FLO, hatte sich bereits am Abend des Bürgerentscheids ausführlich schriftlich zum Ausgang des Bürgerentscheids geäußert. Er hatte mitgeteilt, dass er das Ergebnis des Bürgerentscheids „ausdrücklich“ begrüße und „sehr erleichtert“ darüber sei, „dass die geplanten Windkraftanlagen auf den Gemeindeflächen nicht gebaut werden“.

So geht es mit dem Verein FLO weiter

Den zahlreichen Mitgliedern und Unterstützern sei man sehr dankbar für die ideelle, materielle und tatkräftige Hilfe in den vergangenen Monaten. „Ohne diese unglaubliche Unterstützung wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen“, äußerte sich FLO-Vorsitzender Roland Obermaier. Der Verein werde bestehen bleiben. In welcher Form er sich künftig konkret betätigen will, ist noch unklar, erklärte er am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Die FLO-Vorstandsmitglieder werden laut Obermaier in kleiner Runde verschiedene Themen und Aufgabengebiete zusammentragen, bevor diese dann kurz darauf den Mitgliedern in einer Versammlung zur Abstimmung vorgelegt werden.