Das Gebäude an der Zimmerner Hauptstraße ist nach dem Feuer am Mittwoch nicht mehr bewohnbar. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.
Noch immer liegt Brandgeruch in der Luft an diesem Morgen nach dem verheerenden Feuer im Zimmerner Traditionsgasthaus „Adler“.
Die Fenster im ersten Obergeschoss stehen offen, ein Teil der Fassade ist geöffnet. Davor liegt angekokeltes Holz, ein zerborstenes Fenster und zerbrochene Sanitäranlagen. Die Fenster der Gaststätte im Erdgeschoss sind schwarz vom Ruß. An der Eingangstür ist das blaue Siegel der Polizei zu sehen.
Löscharbeiten bis in die Nacht
Bis in die Nacht hinein war die Feuerwehr Zimmern im Einsatz auf der Suche nach möglichen Glutnestern. „Um 1 Uhr in der Nacht zum Donnerstag haben wir den Einsatz und die Brandwache beendet“, lässt der stellvertretende Kommandant Benjamin Grießhaber am Donnerstagmorgen auf Nachfrage wissen. Er klingt müde und mitgenommen nach den Strapazen.
Nun müsse noch aufgeräumt werden, sagt er. Auch die Polizei hat zwischenzeitlich die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Den Gesamtschaden beziffert sie derzeit auf rund 500 000 Euro. Das Gebäude sei nicht mehr bewohnbar.
In Windeseile ausgebreitet
Das Feuer war laut Angaben der Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz am Mittwochmittag gegen 13.30 Uhr im Gastraum ausgebrochen und habe sich in Windeseile auf die darüberliegenden Gästezimmer und die Wohnung ausgebreitet.
Eine Person, die sich laut Auskunft der Polizei zur Zeit des Brandausbruchs im Haus aufhielt, bemerkte das Feuer offenbar und konnte das Gebäude unverletzt verlassen. Die Feuerwehr, die innerhalb kürzester Zeit mit einem Großaufgebot vor Ort war, konnte die schnelle Ausbreitung des Feuers aber nicht verhindern.
Plänen wird ein jähes Ende gesetzt
Erst vor gut einem Jahr, Anfang Dezember 2022, berichtete Hannah Cairo, die Frau des Inhabers und Besitzers des Gebäudes, im Gespräch mit unserer Zeitung von der Wiedereröffnung im Januar 2023 und den vielen Plänen, die sie mit dem Traditionsgasthaus hat.
Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie die Gästezimmer renoviert und wollte, nachdem das Gasthaus mehrfach verpachtet war, die Gaststätte und den Hotelbetrieb nun wieder selbst führen.
Die Schwiegermutter der neuen Wirtin hatte das Restaurant, bevor es verpachtet wurde, 16 Jahre lang selbst geführt. An diese Tradition haben Hannah Cairo und ihr Mann angeknüpft und es seit 2023 in zweiter Generation weitergeführt.
In den nächsten Jahren sollte das Gebäude sukzessive komplett saniert werden, verriet sie damals. Der verheerende Brand setzte den Plänen nun ein jähes Ende.
Brand hat alles zerstört
Auch Zimmerns Bürgermeisterin Carmen Merz, die am Mittwoch selbst vor Ort war, ist am Donnerstag noch immer emotional sehr berührt. „Dieser Einsatz wird mir in Erinnerung bleiben. Die Familie Cairo hat mit viel Herzblut und Invest das Hotel und die Gaststätte modernisiert. Der Brand hat alles zerstört – auch ihr Zuhause. Das ist für alle sehr tragisch. Sie sind glücklicherweise ein starker Familienverbund und helfen sich gegenseitig. Ich wünsche der ganzen Familie Cairo viel Kraft und Zuversicht für diese schwere Zeit“, so Merz.
„Beim Brand hat sich gezeigt, dass alle Einsatzkräfte vor Ort sehr routiniert und gut zusammenarbeiten. Ich war sehr beeindruckt vom persönlichen Einsatz der Feuerwehrleute. Der Einsatz war anspruchsvoll, zeit- und ressourcenintensiv. Hier zeigt sich wie wichtig eine gute Ausstattung der Kräfte ist. Mein Dank gilt der Gesamtwehr Zimmern und der Feuerwehr Rottweil für ihren Einsatz, der Zentralen Feuerwehrwerkstatt Sulgen für den Materialnachschub und dem DRK Rottweil für die Unterstützung und Versorgung der Einsatzkräfte“, ergänzt die Bürgermeisterin.
Traurige Erinnerungen geweckt
Vor allem für die älteren Zimmerner dürfte die Nachricht vom Brand, die sich am Mittwoch wie ein Lauffeuer im Ort verbreitete, traurige Erinnerungen wecken, denn am 2. Oktober 1983, wurde der Adler erstmals Raub der Flammen. Ein Stück Dorftradition ging innerhalb einer Nacht verloren. Ursache war damals Brandstiftung.
„Der Brand des ‚Adlers‘ bedeutete für die Zimmerner einen schweren Verlust“, schrieb Hermann „Sylvester“ von Au in seiner Chronik „Zimmern ob Rottweil in historischen Bildern“. Jedoch war die Freude seinerzeit groß, als Lothar Vogt, ein Sohn des früheren „Adler“-Wirts das Traditionsgasthaus, das das zweitälteste im Dorf ist und bereits im Jahr 1789 erstmals urkundlich erwähnt wurde, wieder aufbaute.
Bereits im Oktober 1984 konnte Richtfest gefeiert werden. Seither lief der Betrieb wieder. Wie es nun mit dem Gebäude weitergeht, ist offen. Von mehreren Seiten war zu hören, dass es wohl nicht gerettet werden könne. Das wäre schade. Doch hier sind nun die Experten gefragt.