Das Gebäude in Renfrizhausen, aus dessen Fenstern Flammen schlugen, konnte nicht mehr gerettet werden. Foto: Schmid

Die nach dem Gebäudebrand in der Renfrizhauser Palmenstraße geäußerte Kritik, es habe bei den Löscharbeiten Pannen gegeben, wiegt schwer. Die Sulzer Stadtverwaltung meldet sich nun zu Wort und stellt klar: Hier gibt es einiges geradezurücken.

„Wir können uns auf die Sulzer Wehr verlassen“, lautete die zentrale Botschaft von Bürgermeister Jens Keucher, der am Donnerstag zum Pressegespräch mit dem Ersten Beigeordneten Hans-Peter Fauser, Stadtbrandmeister Florian Karl und Wassermeister Ully Leopold eingeladen hatte. Die Kritik könne und wolle man so nicht stehen lassen und könne sie klar widerlegen.

 

Was war geschehen?

Tobias Gäckle hatte in der Renfrizhauser Ortschaftsratssitzung von erschwerten Umständen beim Löschen des Gebäudebrands am 18. Juli gesprochen. Kritikpunkte waren unter anderem ein ausgetrockneter Löschteich, zu wenig Wasser und fehlende Führerscheine zum Lenken des Feuerwehrfahrzeugs.

Angesichts dessen, dass die Frage nach einer ausreichenden Löschwasserversorgung nun auch in anderen Ortschaftsräten zur Sprache kam, war es aus Sicht der Stadtverwaltung und der Feuerwehr nötig, für Aufklärung zu sorgen, ehe sich Verunsicherung bei den Bürgern breitmache, so Keucher. Er stellte gleich zu Beginn klar: Man habe alles im Griff, und die Löschversorgung sei gut.

Das sagt der Wassermeister

Wassermeister Ully Leopold erklärte, man habe zwei Wasserversorgungen – eine aus Bergfelden, eine aus Mühlheim – und zwei Hochbehälter mit 500 Kubikmetern (Bergfelden) und 1000 Kubikmetern (Mühlheim). In die Behälter seien entsprechende Zähler eingebaut.

Vorgeschrieben seien für einen Gebäudebrand dieser Größenordnung 48 Kubikmeter Wasser pro Stunde für eine Löschzeit von zwei Stunden. In Sulz habe man glücklicherweise sogar das Doppelte bereitstellen können durch den Umstand, dass man auf zwei Wasserversorgungen zugreifen konnte. Zu keinem Zeitpunkt, betonte Keucher, habe es die Meldung gegeben, dass Wasser fehlen würde.

Stadtbrandmeister klärt auf

Wichtig sei vorweg zu sagen: „Das Gebäude war nicht mehr zu retten. Das hat man gleich gesehen. Flammen schlugen aus den Fenstern. Das Gebäude stand in Vollbrand“.

Deshalb sei eine Riegelstellung zum Schutz der Sachwerte, nämlich der Gebäude links, rechts und hinter dem brennenden Haus, erste Priorität gewesen. Anhand eines Protokolls, das Karl beim Pressegespräch zeigt, kann man genau nachvollziehen, wann wie viel aus der Trinkwasserversorgung entnommen wurde. Um den Bürgern nicht zu viel Trinkwasser abzugraben, habe man auf eine zusätzliche externe Löschwasserentnahmestelle zurückgegriffen. So rückte die Feuerwehr Horb mit ihrem Abrollbehälter Löschwasser an, der einen Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 10 000 Liter hat.

Die Löschwasserversorgung vom Mühlbach aus wurde aufgebaut. 8000 Liter hatten bereits die Feuerwehrabteilungen Sulz, Renfrizhausen, Mühlheim und Fischingen mit ihren Fahrzeugen zum Gebäudebrand gebracht.

Wasserentnahme

Bei der Wasserentnahme greife man mittlerweile nicht mehr auf eine Tauchpumpe zurück, sondern auf einen so genannten Flach- beziehungsweise Schwimmsauger, erklärte Karl. So sei die Entnahme auch bei Gewässern mit niedrigem Wasserstand möglich wie im Fall des Mühlbachs.

Zur Sicherheit habe man trotzdem noch mithilfe von Sandsäcken das Wasser angestaut. Eine Saugstelle einzurichten, von der auch der Kritiker gesprochen hatte, sei nicht erforderlich, betonte der Stadtbrandmeister.

Gleichwohl verfüge die Feuerwehrabteilung Renfrizhausen noch nicht über einen solchen Flachsauger. Der sei in diesem Fall aus Sulz gekommen. Die Anschaffung sei jedoch für alle Abteilungen geplant angesichts dessen, dass Niedrigwasserstände immer häufiger Thema seien, meinte Jens Keucher.

Fehlende Führerscheine?

Zum Thema fehlende Führerscheine erklärte Florian Karl, jährlich finde eine Abfrage des Bedarfs bei allen Abteilungen statt. Wer bis 1998 seinen PKW-Führerschein gemacht hat, der durfte und darf Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen lenken. Wer ihn danach gemacht hat, darf nur noch Fahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen fahren.

Deshalb habe sich der so genannte Feuerwehr-Führerschein für Wagen bis 7,5 Tonnen durchgesetzt, erklärte Karl. Ein schwereres Fahrzeug gebe es lediglich in Bergfelden.

Die Stadt bezahle diese Führerscheine für die Feuerwehrkräfte, sagte Karl. Diese dürfen dann allerdings auch ausschließlich für das Feuerwehrfahrzeug verwendet werden.

Einsatzzeiten

Im Renfrizhauser Fall sei das erste Fahrzeug aus Mühlheim nach acht Minuten da gewesen, das zweite aus Sulz nach zwölf Minuten. Die vorgeschriebenen Einsatzzeiten von zehn und 15 Minuten seien damit eingehalten worden. In Renfrizhausen habe es arbeitsbedingt an Fahrern gefehlt. Die Tagesverfügbarkeit von Kräften sei ein großes Thema, insbesondere bei Auspendlern.

Deshalb alarmiere man lieber eine Abteilung mehr, um genügend Kräfte vor Ort zu haben, auch wenn das Feuerwehrfahrzeug mal nicht voll besetzt sei. Im Fall des Gebäudebrands hätten mehr als 70 Feuerwehrleute, auch aus Oberndorf und Horb, zuzüglich DRK-Kräfte alles gegeben und einen erfolgreichen Einsatz bestritten, lobten Keucher und Karl ausdrücklich.

Bei einer solchen Kritik im Nachgang von jemandem, der laut Keucher nicht detailliert informiert gewesen sei, habe mancher, der bereit gewesen wäre, Leib und Leben zu riskieren, schwer schlucken müssen.