Die Ermittlungen zum Brand im Meßstetter Soldatenheim dauern an. Der Schaden indes beschränkt sich nicht nur auf jene am Gebäude: Über Jahrzehnte hinweg war es ein Ort der Begegnung zwischen Soldaten, Bürgern und später auch Geflüchteten.
Lichterloh hat am Wochenende ein Teil des früheren Soldatenheims „Berghaus Geißbühl“ in Meßstetten gebrannt; die Ermittlungen zur Brandursache dauern an, wobei die Polizei auch dem Verdacht der Brandstiftung nachgeht. Das erklärte ein Polizeisprecher am Montag auf Anfrage.
Der Schaden beschränkt sich nicht nur auf den materiellen, der etwa 100 000 Euro beträgt: „Viele Meßstetter, mit denen ich gesprochen habe, sind sehr traurig“, sagt etwa Rüdiger Wysotzki, freier Mitarbeiter des Schwarzwälder Boten.
„Viele haben dort ihre ersten Kinobesuche erlebt oder zum ersten Mal am Flipperautomaten gespielt. Es wurden Hochzeiten gefeiert, und es fanden sich Freunde und Cliquen.“
Gerne erinnert sich Wysotzki auch an die Osterbrunchs, zu denen Pächter Karl-Heinz Stierle ein vielfältiges Buffet mit Schnitzel, Pommes, Fisch, Rührei und anderem mehr auftischte. Und an die Turniere und Wettbewerbe, welche die Jugendgruppe der DLRG Meßstetten regelmäßig auf der Kegelbahn und Minigolfanlage ausrichtete.
Veranstaltungen erfreuten sich großer Beliebtheit
Soldatenheime waren als Treffpunkte für Soldaten und Zivilbevölkerung konzipiert, erklärt Bruno Lachmann. Als örtlicher Betreuer des Soldatenheims war er acht Jahre lang für dessen Organisation zuständig und hat privat mehrere Bingoabende ausgerichtet.
Das Meßstetter Soldatenheim wurde Ende der 60er-Jahre gebaut und 1967 eingeweiht. 1974 übernahm die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) die Einrichtung. Das Jahresprogramm stellte das Kuratorium Berghaus Geißbühl auf, welches 1974 gegründet wurde.
Besondere Veranstaltungen, erinnert sich Lachmann, waren die jährlichen Auftritte des Chiemgauer Volkstheaters und der Ebinger Theatergruppe Heilig-Kreuz, Kunstausstellungen und Vorträge – und das Standortfest, das im Wechsel in und außerhalb der Kaserne gefeiert wurde.
Auch Hochzeiten wurden im Meßstetter Soldatenheim gerne gefeiert
„Zu den Festen kamen bis zu 10 000 Besucher.“ Ebenso beliebt war der Soldatenheim-Lauf-Cup, an dem bis zu 200 Läufer teilnahmen. Im übrigen wurde das Soldatenheim mit Vorliebe als Festort für Hochzeiten genutzt. „Von Mai bis September war kaum ein Wochenende frei.“
Nach der Schließung der Zollernalb-Kaserne im Jahr 2013 wurde das Soldatenheim für die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) ein letztes Mal wiedereröffnet – wobei die über 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter sich im wesentlichen auf die Betreuungsangebote fokussierten – Bruno Lachmann und seine Frau halfen beim Kaffeenachmittag mit.
Auch zu diesen Veranstaltungen waren die Bürger eingeladen, „wobei sie das Angebot eher selten annahmen“, sagt er. Mit der Schließung der LEA schloss auch das Soldatenheim seine Türen – und diesmal wohl endgültig.
Seit Jahren steht das Haus ohne Strom und Heizung da
Wie hat Lachmann auf den Brand reagiert? Zunächst erleichtert, weil „nur der Trakt mit der Pächterwohnung und den Fremdenzimmern“ abgebrannt sei und der Schaden sich daher in Grenzen halte.
Traurig sei er trotzdem – schon der schleichende Verfall des Gebäudes vor dem Brand habe ihn sehr geschmerzt. Seit etwa vier Jahren stehe das Soldatenheim leer, ohne Heizung, ohne Strom; ein Nachfolger habe sich nie gefunden. Die Außenanlage sei zuletzt vollkommen überwuchert und zugewachsen gewesen. „Der Brand war da nur noch das Tüpfelchen auf dem I.“
Zeugen, die verdächtige Beobachtungen rund um das Soldatenheim respektive die Geißbühlstraße gemacht haben, werden gebeten, sich beim Polizeiposten Meßstetten, Telefon 07431/ 93 53 190, zu melden.