Tagelang ohne Strom bei bitterkaltem Wetter – was sich in Berlin abspielte, wirft eine Frage auf: Wie sicher ist das Stromnetz – auch in der Region? Nachgefragt bei der EGT in Triberg.
Sieben Gemeinden mit fast 37 400 Einwohnern, eine Gesamtfläche von knapp 257 Quadratkilometern, von denen fast 19 Quadratkilometer mit Strom versorgt werden sowie beinahe 1150 Kilometer Kabel und noch einmal gut 370 Kilometer Freileitung obendrauf – die technischen Daten zum Stromnetz der EGT Energie GmbH mit Sitz in Triberg sind beachtlich.
Welch weitreichende Auswirkungen es haben kann, wenn ein Stromnetz ausfällt, zeigte sich nun in Berlin: Tagelang waren hier etwa 100 000 Menschen ohne Strom. Zeitweise waren von Samstagmorgen an 45 000 Haushalte und 2200 Betriebe – dazu gehörten unter anderem auch Krankenhäuser – vom Blackout betroffen. Der Auslöser: Vermutlich hatten linksextreme Saboteure einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verübt.
„Alles andere als ‘gewöhnlich‘“ sei ein solcher Anschlag auf ein Stromnetz, erklärt EGT-Pressesprecherin Andrea Pfrengle auf Anfrage unserer Redaktion. „Meist werden dabei mit krimineller Energie und rabiaten Mitteln gezielt vermeintliche Schwachstellen ausgeforscht und mit großer Zerstörungskraft angegriffen.“
„Umfangreiche“ Maßnahmen
Wie also bereitet sich die EGT Energie GmbH, die Netzgesellschaft der EGT, auf einen solchen Fall vor? Als Unternehmen stehe man „seit mehr als 130 Jahren für eine sichere Stromversorgung“. Dafür, dass es auch so bleibt, setze die EGT „jederzeit alle verfügbaren Mittel“ ein, versichert Pfrengle.
Dazu, welche nach Pfrengles Bekunden „umfangreichen“ präventiven Maßnahmen das Unternehmen trifft, möchte die Pressesprecherin jedoch keine Details nennen – aus gutem Grund, wie sie schildert.
Denn in Bezug auf mutwillige Sachbeschädigungen am Stromnetz gehe die Hauptgefahr genau davon aus: von öffentlich zugänglichen Informationen über das Stromnetz und die Netzgesellschaft, durch die mögliche Angriffsstellen erkannt werden könnten. „Wie erst kürzlich der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) beklagte, sind Strom- und Gasnetzbetreiber derzeit rechtlich verpflichtet, ihre Infrastruktur öffentlich ‘quasi auf dem Silbertablett‘ zu präsentieren“, schildert Pfrengle das Problem. „Solche Daten können dann mit KI-basierten Suchmaschinen und Algorithmen systematisch gesammelt, aufbereitet und für Angriffe genutzt werden.“
Wetter führt deutlich öfter zu Ausfällen
Wobei Anschläge auf das Stromnetz längst nicht der einzige Grund für einen Stromausfall sind. Andere Ursachen sind deutlich häufiger, wie aus Pfrengles Schilderungen hervorgeht. „Die häufigsten Ursachen für Stromausfälle sind witterungsbedingte Ausfälle der oberirdischen Netzleitungen durch Schneebruch und Stürme, die der exponierten Lage im Schwarzwald geschuldet sind.“ Für den Fall solcher „gewöhnlicher“ Stromausfälle sei die EGT Energie GmbH „sehr gut aufgestellt“, berichtet Pfrengle.
Die EGT verfolge das Ziel, „die Leitungen mehr und mehr unter die Erde zu bringen“ – dort sind sie im Übrigen nicht nur vor dem Wetter geschützt, sondern auch für eventuelle Angreifer deutlicher schwerer zu erreichen. Wie die technischen Daten zum Stromnetz der EGT Energie zeigen, verliefen 2024 im Bereich der Mittelspannung noch etwa 31 Prozent der Stromleitungen als Freileitung. Im Bereich der Niederspannung waren es rund 22 Prozent.
Krisenhandbuch für Abläufe im Ernstfall
Und wenn es einmal zum Ausfall kommt? Dann könne die Versorgung zeitnah über eine alternative Strecke wieder hergestellt werden, schildert Pfrengle. Denn das EGT-Netz sei im Ring geschaltet. „Die EGT Energie GmbH verfügt außerdem über ein umfangreiches Ersatzmateriallager und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die bei Ausfällen aufgrund von defekten Betriebsmitteln schnellstmöglich reagieren können“, erklärt Pfrengle weiter. Für die konkreten Maßnahmen, die im Fall eines Stromausfalls ergriffen werden, gebe es ein Krisenhandbuch.
„Laut offizieller SAIDI-Ermittlung der Bundesnetzagentur betrug die Ausfallzeit im Jahr 2024 im bundesweiten Durchschnitt 11,68 Minuten je Netzkunde und Jahr.“ Im Netz der EGT habe der Wert in den vergangenen Jahren durchschnittlich 6,1 Minuten betragen – und damit deutlich weniger.