Tennis in der Horber Halle ist bald Geschichte. Eine andere Trendsportart zieht ein. (Archivbild) Foto: TMS-Coaching

Die Tennishalle in Horb steht den Tennisspielern im nächsten Winter nicht mehr zu Verfügung. Doch dieser Sport benötigt in der Stadt eine klare Perspektive, meint unser Autor.

Seit Jahrzehnten ist die Halle Trainings- und Wettkampfstätte für zahlreiche Vereine aus der Stadt und der Umgebung – etwa für den TC Dettingen, den TC Bildechingen, den TC Horb, den TC Nordstetten und andere. Hier fanden und finden noch bis Ende April Jugendtraining und freies Spiel statt, hier laufen seit Jahren feste Abonnements. Verlässlichkeit war Teil des Systems.

 

Doch nun wird die Tennishalle in Horb zur Padelhalle. Das ist mehr als eine bauliche Veränderung – es ist ein Einschnitt. Und ja: Der Autor dieser Zeilen ist selbst Tennisspieler und Teil der Horber Tennisfamilie – und ist damit sicherlich nicht unbefangen.

„Für die Horber Tennisvereine ist das eine Katastrophe“

Die Vereine stehen jetzt vor einer ganz praktischen Frage: Wohin ausweichen? Frercks Hartwig, Leiter der Horber Tennisschule TMS und Vereinstrainer unter anderem beim TC Dettingen, spricht es in aller Deutlichkeit aus: „Für die Horber Tennisvereine ist das eine Katastrophe.“

Andere Hallen in der Region sind in den entscheidenden Zeiten – am Nachmittag für Jugendliche, am Abend für Berufstätige – bereits voll belegt. Wer Wintertraining anbieten will, braucht Hallenzeiten. Und Hallenzeiten sind knapp.

Auch für Verbandsspiele wird Halle benötigt

Auch der Württembergische Tennisbund bekommt ein Problem. Schon in den vergangenen Jahren sind Hallenkapazitäten für Verbandsspiele im Winter weniger geworden. Mit Horb fällt für den Tennisbezirk eine weitere wichtige Halle weg.

Gleichzeitig boomt Padel. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete 2024 unter Berufung auf Zahlen der Wirtschaftsberater von Deloitte vom weltweiten Wachstum: 2016 gab es demnach 10.000 Courts, derzeit rund 47.000, für 2026 werden 85.000 prognostiziert. Die Zahl der Klubs stieg von 2.800 auf mehr als 12.600, allein im vergangenen Jahr kamen pro Woche 51 neue hinzu. Auch Deutschland gilt als Wachstumsmarkt.

Bei aller Dynamik des Padel-Booms darf jedoch nicht der Eindruck entste

Nicht nur Padel boomt – auch Tennis

hen, Tennis sei ein Auslaufmodell. Auch der Tennissport verzeichnet seit Jahren wieder steigende Mitgliederzahlen, wachsende Jugendabteilungen und eine hohe Nachfrage nach Trainingsangeboten. Die Plätze sind im Sommer vielerorts ausgelastet. Auch die Zahlen des WTB bestätigen das. Zwar sinkt die Zahl der Tennisvereine leicht, aber seit dem Jahr 2000 gehen die Zabhlen wieder nach oben. Insofern greift die These, Tennis sei langfristig nicht tragfähig, zu kurz.

Aus unternehmerischer Sicht ist es nachvollziehbar, dass ein Ganzjahresbetrieb attraktiver erscheint als der im Winter saisonale Tennissport. Wirtschaftliche Tragfähigkeit entscheidet am Ende über den Erhalt einer Immobilie. Doch die Horber Tennisfamilie fühlt sich vor den Kopf gestoßen – emotional wie strukturell.

Die Optionen für die Horber Vereine

Was also tun? Eine Möglichkeit wären Allwetterplätze für Vereine, die noch keine haben, um die Saison zu verlängern oder spontan bei gutem Wetter spielen zu können. Denkbar sind auch provisorische Hallenkonzepte wie Traglufthallen – wobei diese teuer und organisatorisch anspruchsvoll sein können. Langfristig könnte ein gemeinsamer Hallenneubau aller Vereine eine Perspektive sein. Ein Kraftakt, keine Frage. Aber vielleicht auch eine Chance, Kräfte zu bündeln, statt sie zu verteilen.

Gefragt ist nun auch die Stadt Horb und der WTB. Die Tennisfamilie ist groß. Der frühere OB Peter Rosenberger, selbst ausgezeichneter Tennisspieler, hat immer wieder betont, dass Horb prozentual sehr viele Tennisspieler und Vereine habe. Sportinfrastruktur ist keine Nebensache. Sie ist Teil kommunaler Daseinsvorsorge. Wer junge Menschen für Bewegung begeistern will, muss Räume dafür schaffen – und erhalten. Die Diskussion um die Halle sollte deshalb Chefsache werden.