Die Museumslandschaft in Schwenningen wieder auf Vordermann bringen – das ist das Ziel der Stadt. Nach dem „Aus“ für die bisherigen Planungen für ein Museumsquartier kommt nun erneut Bewegung in die Sache und der Gemeinderat bekommt ein neues Konzept präsentiert.
„Heimat- und Uhrenmuseum, Uhrenindustriemuseum und Städtische Galerie sind an ihren derzeit verteilten Standorten in Schwenningen mit enormen Herausforderungen konfrontiert“, so lautet der einleitende Satz der Beschlussvorlage, über die die Stadträte in der kommenden Sitzung des Gemeinderates am 16. Oktober abstimmen sollen – und damit über die Zukunft eines neuen Museumsquartiers in Schwenningen.
Und blickt man auf die Historie der Diskussion kann man das mit den „enormen Herausforderungen“ wohl laut sagen – denn da lief nicht alles rund. Im Zentrum der Berichterstattung war im vergangenen Jahr vor allem das Bürk-Areal. Hier sollte ein Museumsquartier entstehen, bevor sich die Pläne änderten. Im Januar kam das endgültige „Aus“ für die Pläne, mittlerweile ist klar, dass in den Räumlichkeiten des „Bürks“ eher Studenten als Kunst Einzug halten sollen. Eine Idee der CDU-Fraktion war es im Herbst des vergangenen Jahres, die Städtische Galerie als weiteren Frequenzbringer in das noch leerstehende s’Rössle einziehen zu lassen.
Doch jetzt schlägt der Vorschlag der Verwaltung, über welchen in der Gemeinderatssitzung abgestimmt werden soll, andere Töne an. Ein neues Gebäude soll entstehen – und damit eine „Bündelung der Kultureinrichtungen an einem Standort“.
Museumsquartier am Muslenplatz?
Und diese „Bündelung der Einrichtungen“ soll, nach Wortlaut der Vorlage am „zentralsten Platz Schwenningens“, also direkt am Muslenplatz, entstehen.
„Der Zusammenschluss mehrerer Museen und Kunstinstitutionen an einem Ort (Museumsquartier) ermöglicht eine Verdichtung musealer Aufgaben und Kompetenzen, die das kulturelle Leben in Schwenningen maßgeblich prägen können“, schreibt es die Vorlage.
Neubau soll im „rückwärtigen Bereich“ vom Heimatmuseum entstehen
Speziell soll der viergeschossige Neubau im „rückwärtigen Bereich“ des Fachwerkhauses am Muslenplatz, dem bisherigen Heimatmuseum, errichtet werden, denn das Fachwerkhaus entspreche aufgrund seiner baulichen Struktur nicht den Anforderungen an ein modernes Museum. Das denkmalgeschützte Haus soll jedoch trotzdem als „historisches Herzstück“ in das neue „Musemsquartier“ integriert werden, mit etwa einem Verwaltungstrakt oder einem Museumsshop. Auch etwa eine Dachterrasse könnte der Neubau bekommen.
Sieben Punkte machen den Unterschied
Mit sieben Punkten wird der Vorschlag der Verwaltung konkretisiert. Diese sieben Punkte würden als Voraussetzung angesehen werden, damit das Projekt zustande kommen könnte.
Als erster Punkt führt die Verwaltung hier die konkrete Zusammenlegung der Institutionen Heimat- und Uhrenmuseum, Uhrenindustriemuseum und Schauwerkstatt zu einer neuen Institution an, einem „Museum der Zeit.“ Als „Museum für Gegenwartskunst“ soll die Integration der Städtischen Galerie erfolgen. Auch sollen wieder partizipative Räume für die Stadt geschaffen werden, wie es diesen schon im Uhrenindustriemuseum für verschiedene Ausstellung gab.
Museum mit pädagogischem Auftrag
Eine weitere Voraussetzung für das Projekt sei der „Raum für Museums und Kunstvermittlung“, also die Bereitstellung des pädagogischen Auftrags, sein. „Der Raum für Kulturvermittlung wird Platz für Workshops, partizipative Projekte, spezielle Programme und andere pädagogische Aktivitäten bieten, die für unterschiedliche Zielgruppen wie Familien, Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen oder Senioren konzipiert sind“, konkretisiert es die Vorlage.
Dabei soll der pädagogische Raum nach Wunsch der Verwaltung auch eine „Umgebung“ schaffen, in der man sich intensiver mit Geschichte, Kunst und Kultur auseinandersetzen könne und das durch Lesen, Zeichnen oder „einfach durch das Verweilen.“
Gastronomie soll Besucher anlocken
Als weiteren Punkt, der in das neue Museumsquartier implementiert werden soll, sei ein Veranstaltungs- und Diskursraum für beispielsweise Vorträge sowie Gastronomie und ein Museumsshop. Konkret soll hier ein Museumscafé mit Innen- und Außenbereich entstehen. Im Museumsshop könnten die Besucher Ausstellungskataloge oder etwa Souvenire erwerben.
In jedem Fall sehe die Verwaltung laut der Vorlage „dringenden Handlungsbedarf“ für die Museumslandschaft in Schwenningen – vor allem was die Besucherzahlen aller drei Institutionen angeht. So ziehe das Uhrenindustriemuseum vor allem „technische Experten“ und ein lokales Publikum sowie Touristen an, das Heimat- und Uhrenmuseum ziehe eine „enge lokale Stammkundschaft an“ sowie „Menschen, die zufällig hineingestolpert sind“. Die Städtische Galerie richte sich an ein „kunstinteressiertes, experimentell aufgeschlossenes Publikum“ das ebenfalls aus einem kleinen „Stammpublikum“ bestehe.
3500 Quadratmeter
Mit dem Zusammenschluss aller drei Institutionen hoffe man, die einzelnen Gruppen der jeweiligen Institutionen zu bündeln und für mehr Publikum zu sorgen. Die Stadträte sollen nun die Verwaltung damit beauftragen, ein Honorarangebot für eine Machbarkeitsstudie einzuholen. Finanziell würden für die Planungsleistungen entsprechende Finanzmittel bereit stehen, im November soll dem Gemeinderat in der Sitzungsrunde ein erstes Flächenlayout präsentiert werden. Laut der jetzigen Vorlage soll der Neubau jedenfalls aus einem unterirdischen und drei oberirdischen Geschossen bestehen und rund 3500 Quadratmeter umfassen.