Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Nach Attentat in USA Ein rauher Ton ist an der Tagesordnung

Von

Da verwundert es kaum, dass sich - nach nur kurzem Innehalten - Demokraten und Republikaner in gewohnter Manier auch der Tragödie in Tucson bemächtigt haben, um ihren ewigen "Abnutzungskrieg" zu führen. Vielfach noch bevor aussagefähige Details über die Motive des mutmasslichen jungen Todesschützen bekannt wurden, stand für viele Linke bereits fest, dass er durch die gewalttätige Rhetorik von rechts dazu angestiftet worden war. Da wird der Angriff mit Sarah Palin in Verbindung gebracht, die im Wahlkampf von 2010 den Wahlkreis von Gabrielle Giffords mit dem Fadenkreuz eines Zielfernrohres markiert hatte. Und der linksliberale Moderator Keith Olbermann forderte, dass sich Palin von ihrem damaligen Tun nun distanzieren solle.

Nur wenige besonnenere Geister wiesen darauf hin, dass der schwerwiegende Vorwurf, bestimmte Politiker trügen an der Ermordung von sechs Menschen eine Mitschuld, noch nicht bewiesen sei. Er sei ja auch dafür, die politische Rhetorik zu mäßigen, die politische Polarisierung verstöre ihn, meint etwa Jim Kolbe, ein gemäßigter Republikaner, der vor Giffords Arizonas 8. Bezirk im Repräsentantenhaus vertrat. Aber, fügt er hinzu: "Ich halte es für unangebracht und falsch zu behaupten, dass es einen Zusammenhang damit und diesem bestimmten Vorfall gibt." Erst sollte die Polizei die Motive des Täters klären. Die angegriffenen Konserativen indes unterstellen den Demokraten derweil eine gezielte Schmutzkampagne. Und wenn sich die Demokraten nun in ihrer Opferrolle gefallen, ist das nichts anderes als Heuchelei. Zu Erinnerung: Als George W. Bush noch im Weißen Haus amtierte, wurde auch er von der Linken als notorischer Lügner, Verbrecher oder gar verkappter Hitler gebrandmarkt. Und der geneigte Beobachter fragt, sich, wie tief das Ansehen der politischen Klasse Amerikas eigentlich noch sinken muss, bevor das traurige Treiben ein Ende hat.

Ein rauher Ton ist an der Tagesordnung

Gewiss herrschte in der ältesten Demokratie der Welt stets ein rauherer, volkstümlicher geprägterer Ton. Der amerikanische Kulturkritiker Neil Gabler hat dafür den Begriff "Entertainment Republik" geprägt. Und wer meint, die Dämonisierung des politischen Gegners sei etwas Neues, der irrt: Immer wieder habe es in den USA radikale Stimmen gegeben, die ein hartes Vorgehen forderten gegen "Bankiers, Schwarze, Katholiken, Kommunisten und eine Menge andere Gruppen, die, sagt der US-Historiker Robert Dallek, "als Gefahr für den 'American Way of Life' angesehen wurden". Auch Gewalt und politische Morde seien nichts Neues.

Eine neue Qualität, zumindest der Dimension nach, hat aber die Tatsache, dass sich die politische Diskussion in den USA in den vergangenen Jahren immer stärker von den Fakten gelöst hat. Das hat viel mit den Medien und deren Nutzung zu tun. Viele Medien sind schlecht informiert, dafür vertreten sie ihre Meinungen umso hitziger. Selbst Mainstream-Medien reagieren mit instinktiver Ablehnung auf Sarah Palin und die Tea-Party-Bewegung. Da kommt die Tragödie von Tuscon gerade recht. Zudem ist nicht nur die US-Gesellschaft gespalten. Auch in den Redaktionen bleibt man gerne unter sich. Die Stimmen derer, die die herrschenden Meinungen noch in Frage stellen, werden seltener. Hinzu kommt, dass im US- Medienmarkt derjenige am meisten belohnt wird, der am ehesten den Publikumsgeschmack am besten trifft.

Wenn man in den USA ein Auto kauft, kann es einem passieren, dass der Verkäufer ein Satelitenradio gleich mitempfiehlt: "Da können Sie ungestört linke oder rechte Sender hören", meinte der gute Mann. Auf die Frage, ob auch guter Journalismus zu empfangen sei, staunte er nur. Neben einer Informationselite haben es viele US-Bürger aufgegeben, sich noch richtig zu informieren. Was ist nur aus dem Diktum des Gründers Thomas Jefferson geworden, der gesagt haben soll, dass eine funktionierende Demokratie auf gut informierten Bürgern beruhe? Die gute Nachricht sei, meint David Brooks, konservativer Kolumnist der "New York Times", "dass sich die Mainstream-Medien normalerweise von seinen Hysterien wieder erholt und verspätet versucht, die Story doch noch richtig hin zu bekommen".

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.