Hatte der Angriff auf einen Kandidaten der Grünen in Amtzell einen politischen Hintergrund? Dazu ermittelt der Staatsschutz. (Symbolbild) Foto: imago//Ulmer

Nach dem Angriff auf einen Grünen-Kandidaten in Amtzell (Kreis Ravensburg) sorgt sich der Kreisvorsitzende, dass der Vorfall die anderen Nominierten für die Kommunalwahl einschüchtern könnte.

Eigentlich wollten die Grünen in diesem Jahr ihre Premiere in Amtzell feiern: Denn noch nie hat die Partei in dem kleinen 4300-Einwohner-Ort im Kreis Ravensburg eine Liste für die Gemeinderats-Wahl gestellt. Doch die Vorfreude auf die Premiere bei der Kommunalwahl im Juni ist seit vergangener Woche getrübt: Weil einer der Nominierten für die Grünen-Liste Opfer eines Angriffs wurde. Ein 57 Jahre alter Mann hatte den 37-Jährigen auf dessen Privatgelände erst beleidigt und dann geschlagen. Passte dem Angreifer die Parteipräferenz des Opfers nicht? Dazu ermittelt der Staatsschutz.

 

Das Opfer, ein Familienvater, der im Ort bekannt ist

„Die Nachricht über den Vorfall hat Fassungslosigkeit in Amtzell ausgelöst“, berichtet die Bürgermeisterin Manuela Oswald: „Meine Erfahrung ist, dass wir in Amtzell konstruktiv, an der Sache orientiert und fair miteinander umgehen.“ Der 57-jährige Verdächtige hatte an einem solchen Umgang offensichtlich kein Interesse.

Das Opfer, ein Familienvater, der im Ort bekannt ist, will sich zu dem Vorfall nicht in der Öffentlichkeit äußern. „Er bittet um Wahrung seiner Privatsphäre“, teilt der Vorsitzende des Grünen-Kreisverbands Wangen, Klaus Häring-Becker, auf Nachfrage mit. Man müsse dem 37-Jährigen jetzt Zeit geben, um das Geschehene sacken zu lassen. Ebenso den anderen Kandidaten auf der Grünen-Liste, deren Namen bis Ende März offiziell für die Kommunalwahl eingereicht werden müssen.

In Amtzell brodelt die Gerüchteküche: Nur eine private Angelegenheit?

Doch ob alle Nominierten weiter zur Verfügung stehen, ist nach diesem Vorfall nicht garantiert. „Die Angst darf nicht siegen“, sagt der Kreisvorsitzende Häring-Becker: „Aber wir können verstehen, wenn Kandidaten wieder zurückziehen.“ Um das Sicherheitsgefühl im Wahlkampf zu erhöhen, sei man aber bereits mit der Polizei in Kontakt. So wollen die Grünen beispielsweise die Termine für ihre Wahlstände auf der Straße den Beamten mitteilen, damit Streifenwagen ab und zu vorbeifahren können. Zudem werde den Kandidaten geraten, im Wahlkampf immer mindestens zu zweit unterwegs zu sein.

In Amtzell brodelt derweil die Gerüchteküche: Angreifer und Opfer hätten sich gekannt, es habe sich mehr um eine private Auseinandersetzung gehandelt, weniger um die Parteizugehörigkeit des 37-Jährigen. Andere wiederum sind sich sicher, dass es keine Vorgeschichte zwischen den beiden Männern gegeben habe. „Bei einer privaten Angelegenheit würde doch nicht der Staatsschutz übernehmen“, sagt Häring-Becker. Gewissheit wird es erst geben, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

„Es geht nicht um uns Grüne, das ist ein Schlag gegen uns alle“

Manche in der Gemeinde zeigen sich aber auch einfach nur solidarisch mit dem Opfer: Darauf deuten mehrere Transparente an Wohnhäusern mit Aufschriften wie „Für ein friedliches und respektvolles Miteinander in Amtzell und überall“. Der Vorfall habe „auch bei einigen das Bedürfnis geweckt, klare Kante zu zeigen und für demokratische Werte einzustehen“, sagt Bürgermeisterin Oswald.

Grünen-Kreisvorstand Häring-Becker wünscht sich noch mehr solidarische Aktionen wie diese, denn: „Es geht nicht um uns Grüne, das ist ein Schlag gegen uns alle und die Demokratie.“